Freie Fahrt für Linie 5

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Grünes Licht für die Busse. Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch demonstrierte an der Haltestelle Staatsbibliothek sinnbildlich seine Verkehrspoilitik.Foto: Hanke
 
Diese Haltestelle Staatsbibliothek wird es bald nicht mehr geben. Ab 28. September wird sie in die Grindelallee verlegt.Fotos: Hanke

Busbeschleunigungsprogramm startet

Von Christian Hanke
Grindel/Hoheluft. Viel wurde schon über das Busschleunigungsprogramm des Senats gesprochen und gestritten. Am 28. September startet es nun mit dem Umbau der Haltestelle Staatsbibliothek der Metrobuslinie 5. Der 5er ist die erste Buslinie, die beschleunigt wird. Die meist frequentierteste Buslinie Europas kann die Massen, die auf der Strecke Innenstadt, Grindel, Hoheluft, Lokstedt, Niendorf, Schnelsen fahren wollen, kaum noch fassen. Über 60.000 Menschen steigen täglich in die Busse der Linie 5 ein. Ganz besonders drängelich wird´s zwischen Dammtorbahnhof und Hoheluft. Aus diesem Bereich müssen die Busfahrer ständig Besetztmeldungen abgeben. Ihre Busse sind voll. Wie die Ölsardinen quetschen sich die Fahrgäste insbesondere zwischen dem Dammtorbahnhof und der nächsten Haltestelle Staatsbibliothek. Da wird täglich der maximale Querschnitt an Fahrgästen von über 23.000 erreicht. Dabei kommen die Busse der Linie 5 nur mit durchschnittlich 16,1 Stundenkilometern voran. „Das ist ein schlechter Wert“, kommentierte Gerhard Schenk, der Bereichsleiter Systementwicklung und Ressortcontrolling bei der Hamburger Hochbahn, kürzlich auf einer Demonstrationsfahrt mit Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch auf der Strecke des 5er. Wie die Busse beschleunigt werden können, erläuterten Hochbahn- und Straßenbau-Experten dem Senator. Drei Bereiche machen den Fachleuten dabei zu schaffen: die Kapazitätsgrenze vieler Buslinien ist erreicht. Busse werden durch den Individualverkehr behindert der Komfort der Fahrgäste lässt zu wünschen übrig.
Mit Vorzugs-Ampelschaltungen (von den Busfahrern zu bedienen), dem Rückbau von Busbuchten und dem Umbau von Haltestellen soll diesen drei Negativfaktoren entgegengewirkt werden. Die Linie 5, die derzeit 54 Minuten für die ganze Strecke braucht, wird sie, da sind sich die Experten sicher, künftig in 41 Minuten schaffen. Der größte Stopper für die Busse sind derzeit die Ampeln. Rund elf Minuten verlieren sie durch rote Lichtzeichen auf ihren Strecken. Dehalb werden Haltestellen schon seit geraumer Zeit nicht mehr vor, sondern hinter den Kreuzungen angelegt. Damit der Bus nach dem Haltestellenstop sofort losfahren kann.
An der Haltestelle Staatsbibliothek wird diese Bauweise ab Ende September ebenfalls demonstriert. Zumindest bei dem Stop stadtauswärts. Der wird aus der Edmund-Siemers-Allee in die Grindelallee verlegt. Beide Haltestellen liegen dann in derselben Haltebucht. Neue Fußgängerüberwege am nördlichen Ende der Haltebucht und eine Radfahrerfurt zur Überquerung der Grindelallee im Kreuzungsbereich sind ebenfalls vorgesehen. Nur Autofahrer schauen in die Röhre. Acht Parkplätze fallen weg. Staus sind vorprogrammiert. Der Umbau der Kreuzung wird einige Monate dauern. Außerdem müssen zwei Bäume gefällt werden, für die aber Ersatz gepflanzt wird.
Und es kommt für die Autofahrer noch schlimmer. Denn noch zwei weitere Kreuzungen auf der Strecke der Buslinie 5 werden noch in diesem Jahr angepackt: die Querung von Grindelallee-Grindelberg mit Hallerstraße und Beim Schlump und die Kreuzung Hoheluftchaussee / Gärtnerstraße, beide auch mit dem Umstieg in andere Buslinien verbunden. An der Kreuzung Grindelallee / Hallerstraße werden beide Haltestellen des 5er und der Stop der Linie 15 in Richtung Schlump hinter die Kreuzung verlegt. Dadurch kann dann auch die Metrobuslinie 4 (Innenstadt-Grindel-Schlump-Eimsbüttel) hier halten, die jetzt durch die Bogenstraße an der Kreuzung vorbeifährt. Insgesamt werden bei diesem Umbau 48 Parkplätze wegfallen, vor allem am Grindelberg und Beim Schlump. 19 entstehen allerdings auch neu, zum Beispiel in der alten Haltebucht des 15ers in der Hallerstraße. Während des ebenfalls mehrmonatigen Umbaus wird die Linie 15 über die Schlankreye umgeleitet. Vier Bäume müssen gefällt werden. Ersatz wird gepflanzt.
Eine bessere Umsteigesituation wird auch an der Kreuzung Hoheluftchaussee / Gärtnerstraße geschaffen. Die Haltestelle des 5er stadteinwärts wird weit vor die Kreuzung verlegt, damit auch in diese Richtung von der Linie 5 in die Linien 20 und 25 umgestiegen werden kann. Nur zwei Parkplätze fallen weg. Zwei neue Bäume werden gepflanzt. Noch in der Planung ist ein Umbau der Station Grindelhof.
Senator Frank Horch pries die vorgestellten Maßnahmen: „Die mittelfristigen Maßnahmen der Busbeschleunigung kommen an stadtbahnähnliche Verhältnisse heran.“ Bei viel geringeren Kosten. 259.000 Euro werden die 250 Projekte der Busbeschleunigung in ganz Hamburg kosten. Unter einer Milliarde Euro wäre kein Stadtbahnnetz möglich gewesen. Horch stellte auch noch´mal klar: „Niemand wird bis 2020 das Geld haben, eine Stadtbahn zu bauen.“
In den nächsten acht Jahren ist also Busbeschleiunigung angesagt. Bis 2016 sollen auch die Metrobuslinien 6, 20 und 25 beschleunigt werden. Bis 2020 kommen dann die Linien 23 und 26 dran. (ch)
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