Fressel-Straße: Hamburger Staatsarchiv gegen Umbenennung

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Gedenkstein für Julius Fressel auf dem Gelände der früheren Frauenklinik Finkenau Foto: Hanke
Hamburg. Der Wirbel um die Julius-Fressel-Straße im Neubaugebiet Finkenau geht weiter. Am kommenden Montag befasst sich eine Sondersitzung des Regionalausschusses unter anderem mit diesem Thema. Die Benennung nach dem Gründer und Leiter der einstigen Frauenklinik Finkenau war, wie berichtet, in die Kritik geraten, weil Fressel im November 1933 das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischem Staat“ abgelegt hatte.
Die Pikanterie: Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung war Fressel bereits mehr als zehn Jahre im Ruhestand und somit beruflich nicht mehr auf das Bekenntnis angewiesen – eine gewisse Sympathie für die Nazis kann damit unterstellt werden.
Von Fressel war bekannt, dass er Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) war, die als „Steigbügelhalter“ Hitlers gilt und sich im Juni 1933 zugunsten der Nazipartei selbst auflöste. Laut Staatsarchiv, das Namensvorschläge bei Benennungen prüfen muss, ergibt sich aus der Entnazifizierungsakte kein Hinweis auf eine NSDAP-Mitgliedschaft Fressels. Der Arzt gilt somit als „unbelastet“, das Staatsarchiv hatte daher keine Bedenken geäußert, als die Benennung im Jahr 2010 anstand. Nach einer Bürgerbeschwerde wird das Thema nun allerdings neu diskutiert. Da die Julius-Fressel-Straße in einem Neubaugebiet liegt, in dem noch niemand wohnt, halten Politiker aller Parteien eine Umbenennung für unproblematisch.
Das Staatsarchiv rät jedoch ab. In einem internen Schreiben an die Bezirksversammlung Nord, das dem Wochenblatt vorliegt, wird vor allem vor einem Präzedenzfall gewarnt. Umbenennungen aufgrund von „antiparlamentarischen Einstellungen“ könnten zu einem „Dammbruch“ führen, der eine Vielzahl von Umbenennungs-Forderungen in der Stadt nach sich zöge. Bemerkenswert ist die Einlassung des Staatsarchivs, dass „bereits jetzt nicht geprüft werden kann, ob es vereinzelt noch NS-Belastete unter den Straßennamen gibt“. Und das, obwohl schon in den 60er-Jahren nach Personen mit offensichtlichen NS-Verstrickungen Straßen benannt wurden, die teils heute noch so heißen, so im Stadtteil Langenhorn. (wb)

Montag, 17. Februar, Regionalausschuss Barmbek-Uhlenhorst, 18 Uhr, Barmbek Basch, Wohldorfer Str. 30, Sondersitzung zu mehreren Straßenbenennungen
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