Fußgänger fordern mehr Platz in Hoheluft-Ost

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Pro Fußgänger: Viktoria Wesslowski (Fuß e.V., v.l.), Michael Werner-Boelz (Grüne HH-Nord), Katharina Fegebank (Zweite Bürgermeisterin) und Helmut Krumm Foto: Hanke

Bezirksamt Hamburg-Nord hat Experten beauftragt, nach Lösungen zu suchen

Hoheluft-Ost Von Rad- und Autofahrern ist viel die Rede, wenn‘s um Verkehrsprobleme geht. Die schwächsten Teilnehmer im trubeligen Großstadtverkehr werden dagegen nur selten erwähnt, meist an letzter Stelle: die Fußgängerinnen und Fußgänger. Grund genug für die Grünen in Hamburg-Nord, sich um die vernachlässigte Spezies zu kümmern. Kürzlich luden sie die Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, die einst als Kandidatin der Grünen für Hamburg-Nord in die Bürgerschaft gewählt wurde, zum Podiumsgespräch „Umweltverbund stärken – Fußverkehr fördern“ ein.

Als letztes kommen die Gehwege


Auf dem Podium saßen außerdem Viktoria Wesslowski von Fuss e.V. Hamburg und Helmut Krumm vom Seniorenbeirat Hamburg-Nord. Der Vorsitzende der Bezirksfraktion der Grünen in Hamburg-Nord, Michael Werner-Boelz moderierte. „Bei Straßenplanungen wird erst die Breite der Fahrbahn festgelegt, dann der Platz für Parkplätze. Was übrig bleibt, ist Radweg. Dann kommt Außengastronomie. Als letztes kommen die Gehwege“, gab Krumm seine Sicht von Verkehrsplanung zum Besten. Die Klientel, die er vertritt, leidet am meisten unter zu schmalen und defekten Gehwegen. Von denen gibt es in Hamburg-Nord nicht wenige. Stolperfallen bedrohen die Gesundheit, Gehwagen und Rollatoren kommen nicht aneinander vorbei, wie an der Frickestraße (das Wochenblatt berichtete).

Ältere Menschen besonders gefährdet


Das passt zu den Zahlen, die Wesslowski vorlegte. Unfälle mit gestürzten Fußgängern betreffen zu 52 Prozent ältere Menschen. Unter den Schwerverletzten liegen aber Kinder und Jugendliche vorn. „Fußverkehrsförderung lohnt sich auch finanziell“, findet die Vertreterin von Fuß e.V., Fachverband Fußverkehr Deutschland, denn die Deutschen leiden an chronischem Bewegungsmangel. Ein großes Hindernis für breite Gehwege seien die Autos. „Gehwegparken kontrollieren, Nebenflächen ernst nehmen, gesicherte Fahrbahnquerungen anlegen“, fordert daher Fuß e.V.

„Elterntaxi“ schädlich


Die Grünen in Hamburg-Nord machen nun den Anfang, haben sich zwei unterschiedliche Stadtteile ausgeguckt, in denen die Fußwegesituation analysiert und dann Fußwegestrategien entwickelt werden soll: Alsterdorf und Hoheluft-Ost.
Die Förderung des Fußverkehrs ist aber nicht einfach. „Es fehlt die Lobby“, so
Wesslowski. Denn rund 40 Jahre lang spielte „Zu Fuß gehen“ für die Menschen keine Rolle. Ausnahme: Jugendliche und Erwachsene mittleren Alters. Bei denen funktioniere es von selbst. Nur in den ersten und letzten Jahren ihres Lebens würden sich für die Menschen Probleme im Fußverkehr ergeben. Die aber könnten zunehmen, wenn weiterhin viele Kinder im „Elterntaxi“ zur Schule gefahren und wieder abgeholt werden, befürchtet Wesslowski. Die Kinder würden nicht daran gewöhnt, zu Fuß zu gehen.

Lösungsideen nach der Sommerpause


Viele Gäste der Veranstaltung forderten drastische Maßnahmen gegen Auto- und zum Teil gegen den Radverkehr, damit die Fußgänger besser zur Geltung kommen. „Seien Sie nicht so zimperlich“, wurde Katharina Fegebank aufgefordert. Die Zweite Bürgermeisterin verwahrte sich deutlich gegen undiskutierte Maßnahmen „von oben“ und sprach sich für Konsenslösungen aus. „Wir müssen die Bürger mitnehmen und mit allen Beteiligten Kompromisse finden“, sagte Fegebank. Aber auch: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Das Bezirksamt Hamburg-Nord hat inzwischen ein Planungsbüro beauftragt, um die Forderungen der Grünen für Hoheluft-Ost und Alsterdorf umzusetzen. Voraussichtlich im Juni wird das Büro Workshops und Stadtteilspaziergänge zum Fußverkehr in den beiden Stadtteilen veranstalten. Die Ergebnisse werden nach der Sommerpause in den bezirklichen Gremien vorgelegt. (ch)
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