Gänse im Eppendorfer Moor

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Graugänse im Eppendorfer Moor: Im Frühling machen sich die Ganter gerne mal groß, zeigen jetzt ihr „Imponiergehabe“ Foto: Haas
 
KInder füttern die Gänse Foto: Haas

Nachwuchs schlüpft bald. Gänseschützer appellieren an Hundehalter: Tiere an die Leine

Hamburg-Nord Frühling am Eppendofer Moor: Nicht nur Enten, Bläss- und Teichhühner sowie Zwergtaucher beginnen jetzt mit ihrer Brut. Auch Graugänse und die etwas größeren Kanadagänse bevorzugen das Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor von März bis Mai als „Kinderstube“. Denn an der Alster und rund um den Eppendorfer Mühlenteich gibt es kaum verborgene Nischen oder Inseln, die sich als Brutplatz eignen.
Bis 2012 hatten die Gänse im Moor auch immer Glück, ihre Küken schlüpften und wurden erfolgreich großgezogen. „Aber in den letzten zwei Jahren hatten die Gänse hier keine Bruterfolge“, bedauert Simon Hinrichs, der das Leben und Treiben der Gänse ehrenamtlich genau beobachtet und dokumentiert. Über die Ursachen könne man nur mutmaßen. So herrschte in den vergangenen Jahren ein extrem niedriger Wasserstand, dadurch waren die Brutreviere besser zugänglich für Raubtiere und – leider immer wieder – für freilaufende Hunde, die im Naturschutzgebiet nur an der Leine willkommen sind. Kleingärtner am Weg 173 hatten gerissene Gänse gemeldet. „Aber wir finden nicht alle toten Tiere.“ Zudem war ein sehr dominantes Kanadagans-Paar zu beobachten, wie es Graugänse in die Flucht schlug und am Brüten hinderte. „Doch in diesem Jahr kam nur der Ganter zurück ins Moor und wurde von den Graugänsen nicht mehr geduldet“, hat Hinrichs beobachtet. Jetzt begannen vier Grauganspaare mit ihrer Brut, der Ganter – mit gestrecktem Hals – bewacht das Nest. „Das Brüten der Eier ist bei Graugänsen reine Frauensache“.

Zehn Jahre aktiv im Gänseschutz


Seit zehn Jahren ist Simon Hinrichs aktiver Gänseschützer. Wohnhaft in Groß Borstel und berufstätig als Kaufmann bei einer Krankenkasse, verbringt der Gänseexperte seine Freizeit radelnd durch ganz Hamburg und beobachtet zusammen mit über 30 Gleichgesinnten seine Schützlinge. Bei der Vogelwarte Helgoland bekam Hinrichs sogar eine Beringungslizenz. An der Ringnummer erkennt er „seine“ Tiere und kann besorgten Gänsefreunden Auskunft erteilen über das Schicksal einzelner Tiere. „Durch die Ringe wissen wir viel über die Gänse, ihre Sozialstrukturen und ihre Zugstrategien“. Sein Wissen teilt er mit Interessierten im Netz.
„Graugänse waren nach dem Krieg in Hamburg fast ausgestorben.“ erklärt der Fachmann. In den 1960-er Jahren wurde die Art durch Auswilderungen erfolgreich wieder angesiedelt.
Gefährdet ist sie noch immer, allen voran durch Menschen: Abschüsse von 642 Graugänsen und von 254 Kanadagänsen vermelden die Jäger auf Hamburger Stadtgebiet etwa im Jagdjahr 2013/2014. Angeblich wegen Schäden in der Landwirtschaft wurde die Jagdsaison auf Gänse in Hamburg sogar verlängert: Von August bis Mitte Januar wird geschossen. „Dabei erreichen Gänse, die nicht mehr ziehen, ein stolzes Alter“, weiß Hinrichs. Den Rekord führe eine 23 Jahre alte Graugans.
Nach dem Brutbeginn der vier Paare im Moor dauert es vier Wochen, bis die Küken hier schlüpfen: „Pünktlich zu Ostern, das hätte doch was.“ Simon Hinrichs und Kollegen würden sich freuen.
Bleibt zu hoffen, dass der Nachwuchs in diesem Jahr mehr Glück hat. Hundebesitzer könnten dazu beitragen: „Sie müssen sich nur an die Anleinpflicht im Naturschutzgebiet Eppendorfer Moor halten“, wünscht sich Hinrichs. (wh)

Seltsame Familie
Spaziergängern am Eppendorfer Moor war diese Gans-Familie (Foto) ein vertrauter Anblick: Ein Kanadagans-Paar mit vier Küken, immer begleitet von einer einjährigen Graugans, das Paar hatte sie 2009 adoptiert. „Als Einzelkind wurde es von den Adoptiveltern sogar im Jahr darauf geduldet.“ Simon Hinrichs konnte die Graugans im Juni 2010 beringen mit der Nummer 987. Die im Bild zu sehenden Kanadagans-Küken haben alle nicht überlebt. „Graugans 987 blieb also der einzige Nachwuchs dieses Paares“, weiß Hinrichs. Auch, dass der Ganter 040 im Jahr 2003 in Farmsen aufwuchs und 2011 Witwer wurde. Als Single wurde 040 zuletzt 2012 am Eppendorfer Mühlenteich gesehen. (wh)
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