Gärten müssen bleiben

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„Kleingärten für Großstadtpflanzen“: Die Schrebergärtner wollen ihre Grünoase erhalten. Foto: Haas
 
Seit 1961 ist ihr Garten ihr Lebensinhalt: Ingrid und Gottfried Geier.

Verein Tarpenbek Greens kämpft um seinen Erhalt

Von Waltraut Haas
Eppendorf/Groß Borstel. Mit ihren Familien pflegen sie nicht nur ihre Parzellen. Seit fünf Jahren sind Martina Bucksat, Sylvia Doria und Nicole Feussner auch ehrenamtlich aktiv, organisieren regelmäßig umweltpädagogische Aktionen mit Kita- und Schülergruppen. „Es sind jahreszeitliche Aktionen, wie etwa demnächst das Apfelsaftpressen“, erklärt das Frauen-Trio.
Imker kommen manchmal dazu, Biologen oder auch das Igelschutz-Komitee. Unterdessen herrscht reges Treiben an den Insektenhotels. Dass ohne die Tierchen kein Apfel am Baum wächst, lernen die Kinder etwa während ihrer Rundgänge durch die grüne Oase. „Unsere Gärten sind inzwischen ein Mehr-Generationen-Projekt“, erklärt Wolfgang Schubert. Seit 2001 ist er Vorsitzender der „Kolonie 150 Bahn Landwirtschaft“ mit 75 Parzellen und sorgte von Anfang an für den Zuzug junger Familien. „Damals waren etwa acht Kinder dabei, heute spielen und toben 80 Steppkes um die Gärten“, sagt Schubert.
Zudem wurde die Anlage offener gestaltet, die Wege beschriftet. So sind sie ein Magnet auch für Spaziergänger und Jogger, viele kommen aus der nahen Anscharhöhe. Insider kennen sogar schon die Obstsorten: Denn im Herbst stehen vor den Gärten Körbe voller Äpfel oder Quitten; so wird der Erntesegen mit Passanten geteilt. Schon seit über 40 Jahren beackert Ingrid Geier (71) ihren Garten. „Der Garten ist unser Lebensinhalt geworden“, sagt sie. Zusammen mit ihrem Mann Gottfried Geier (75) hegt sie ein Hochbeet, Obstbäume und einen Teich mit Fröschen und Fischen.
Besondere Freude haben die Geiers an einer Spatzenkolonie in ihren Nistkästen. „Eben erst wurden 18 junge Spatzen flügge“, erzählt Gottfried Geier stolz, denn Sperlinge sind rar in Hamburg. Zusammen mit Gleichgesinnten aus den 75 Parzellen des Kleingartenvereins engagiert sich das Ehepaar jetzt im Verein „Tarpenbek Greens“. Unter dem Titel „Tarpenbek Greens“ wollte die irische McGarrell Reilly Group auf den Brachflächen rund um den ehemaligen Güterbahnhof Lokstedt zunächst 350 Wohnungen bauen. Nach Zutun des Bezirks Nord sollen es inzwischen jedoch 750 neue Wohnungen werden. Für das Mega-Wohnprojekt müssten allerdings die Kleingärten am Kellerbleek zwischen den Güterbahngleisen und der Tarpenbek weichen.
Die Gartenfreunde sind gegen eine Erweiterung des Bauprojektes: Die Tarpenbek auf der Grenze zwischen Groß Borstel und Eppendorf soll wirklich „green“ bleiben. Deshalb haben sie ihren neuen Verein gegründet und vorsorglich beim Amtsgericht eingetragen. Sie nennen sich nun „Taprenbek Greens“, der Name ist „geliehen“ vom geplanten Bauprojekt Groß Borstel 25. „350 neue Wohnungen sind genug. Wir fordern eine Bebauung mit Augenmaß“, sagen die Kleingärtner und wollen Fördermitglieder für ihren Verein gewinnen.
„Wir können auch irisch!“
Für eine bessere Erschließung des künftigen Mega-Wohngebietes wird bereits eine zweite Verkehrsanbindung geprüft und im September in der Bezirksversammung vorgestellt: Eine Autobrücke soll künftig über die Tarpenbek in den Brödermannsweg nach Groß Borstel führen, dort für mehr Kundschaft und Kaufkraft sorgen. Doch solche Pläne sehen die Gartenfreunde bis jetzt noch gelassen. Neuer Durchgangsverkehr auf einer bislang verkehrsberuhigten Straße, vorbei an Kita und Grundschule: Das sei wohl nicht der Weisheit letzter Schluss.
Skepsis für Baupläne
Mit Skepsis sehen die Gartenfreunde die Baupläne der McGarrell Reilly Group auch, weil ihre Recherchen deren Beinahe-Konkurs während der irischen Finanzkrise ergaben. „Der konnte nur durch eine ‚Bad Bank‘ abgewendet werden.“ Dennoch bestünden Kontakte zu den Herren. „Wir haben sie eingeladen, ebenso die Bezirkspolitiker. Sie sollten ihre Entscheidung vor Ort überdenken“, sagt Wolfgang Schubert. Das Thema des Gartenfests am 23. September steht fest: „Wir können auch irisch!“ Es gibt Live-Musik, Bier, Essen und einen Flohmarkt. (wh)
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