Gärtner-Chef lobt Pergolenviertel-Pläne

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Dirk Sielmann, Vorsitzender vom Landesbund für Gartenfreunde Hamburg Foto: wb

Sielmann: Immerhin 240 Ersatzgärten vorgesehen. Weitere Verhandlungen

Winterhude/City Nord Er vertritt die Interessen von 311 Kleingartenvereinen in Hamburg, mit immerhin 43.000 Mitgliedern von 35.000 Parzellen: Dirk Sielmann, Vorsitzender des Landesbundes der Gartenfreunde Hamburg (LGH), macht sich stark dafür, dass Politik und Verwaltung umdenken und die Bedürfnisse von Kleingärtnern auch heute respektieren. „Schon während der Hungersnöte zur Zeit des Ersten Weltkriegs erkämpften die Kleingärtner Privilegien, etwa in Bezug
auf Pachtzins und Kündigungsfristen.“ Ihre Lauben und der Anbau von Obst, Kartoffeln und Gemüse retteten viele Ham-burger auch nach den Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg. Die historischen Privilegien sind bis heute im Bundeskleingartengesetz festgeschrieben. Zwar haben sich die
Bedürfnisse gewandelt: Die heutigen Naturgärten bieten den Pächtern Raum für naturnahe Erholung, schaffen dabei ökologische Nischen inmitten von Häusermeeren und tragen bei zum Klimaschutz. Damit das so bleibt, sei auch in Hamburg der Bestand an Kleingärten zu erhalten oder neue bei großen
Wohnungsbauprojekten gleich mit einzuplanen, sagt Sielmann. Dagegen würden Kleingärten schon seit 30 Jahren für die „wachsende Stadt“ überplant. Besonders wichtig sei aber deren Erhalt in Innenstadtnähe, zumal für die zunehmend jungen Familien. Denn auch unter den Gartenfreunden sei ein Generationenwechsel zu verzeichnen.
„Ein absolutes Novum beim Wohnungsbauprojekt Pergolenviertel ist deshalb, dass von vornherein Kleingärten mitgeplant wurden.“ So würdigt Sielmann das Vorhaben. Die 330 aktuell bestehenden Parzellen sollen zwar weichen, immerhin 160 neue Kleingärten seien vorgesehen auf dem Gebiet der Vereine Heimat und Barmbeker Schweiz. Zudem entstehen 60 Ausweichgärten im alten Anzuchtgarten südlich des Stadtparks, 90 weitere in Langenhorn, erklärt der LGH-Chef.

Sielmann schlägt Fonds für neue Lauben vor


Dabei hätten die bestehenden Gärten allerdings noch Vorkriegs-Maße von bis zu 800 Quadratmetern. Als Nutzgärten für den Kartoffelanbau waren sie damals großzügiger bemessen. „Die heutigen Gärten sind 300 Quadratmeter groß“, so Sielmann weiter. Inzwischen wurde von der Bezirksversammlung nach einem neuen Gerichtsurteil nun der Bebauungsplan beschlossen (das Wochenblatt berichtete). Damit wird die Bauphase des Pergolenviertels mit einem Jahr Verzögerung starten.
Während die Initiative „Eden für Jeden“ weiter auf ein immer noch ausstehendes Gerichtsurteil zur Anerkennung ihres Bürgerbegehrens wartet, beginnt der LBH-Geschäftsführer demnächst erneut mit Verhandlungen. Die waren nach langen fünf Jahren Planungszeit schon sehr weit gediehen. „Wir versuchen den Faden wieder aufzunehmen.“ So stehen – wie vor jeder Baumaßnahme – Kampfmittelsondierungen an. Nach einem Beschluss der Bezirksversammlung sollen sie auf den weiter bestehenden Gartenflächen möglichst schonend durchgeführt werden, indem Pflanzen und Hecken nicht gerodet werden müssen.

Geld für neue Laube


Zudem hat Sielmann schon die Bildung eines Fonds zur Finanzierung neuer Lauben angeregt, der „Räumungsbetroffenen“ bei Umzug in Ausweichgärten zur Verfügung steht. Denn die bestehenden Lauben werden voraussichtlich ab 2016 abgerissen. „Insbesondere für die Älteren gäbe es sonst unüberwindliche Hürden. Rund 10.000 Euro kostet eine neue Laube“, erklärt Dirk Sielmann. Härten kommen auch auf die letzten Dauerbewohner in Heimat und Barmbeker Schweiz zu: Sieben Bewohner von ehemaligen Behelfsheimen brauchen jetzt die Unterstützung der Bezirksverwaltung bei ihrer Wohnungssuche. (wh)
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