„Garten der Sinne“ im Stadtpark vor dem Aus?

Anzeige
Den Garten der Sinne nutzten Schüler des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte für den Unterricht im StadtparkFoto: Fanke/wb

Wegen Müll und Vandalismus konnten sehbehinderte Schüler das Areal nicht mehr nutzen

Von Susanne Gabriel
Winterhude
Es hatte so positiv begonnen: Der „Garten der Sinne“ an der Festwiese, zum Stadtpark-Jubiläum unter der Mitwirkung von Behinderten entstanden, bietet den Besuchern seit 2014 die Möglichkeit, einen Bereich des Parks mit allen Sinnen zu erkunden und zu erfahren. Doch im Herbst des vergangenen Jahres wandte sich Kathrin Fanke vom Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte mit einem Hilferuf an alle Projektbeteiligten. „Überall liegen verstreut Unrat, Fäkalien, Toilettenpapier und zerbrochenes Glas. Ich kann mit meiner Klasse nicht länger hierher kommen, es ist einfach zu eklig und zu gefährlich“, klagte die Lehrerin. Obendrein wurden die von den Schülern liebevoll gestalteten Spielideen und Installationen immer wieder von Unbekannten abgerissen und entfernt. Die Rahmen für die Kunst am Waldboden wurden sogar als Feuerholz verwendet und anschließend, vermutlich noch schwelend, ins Gebüsch geworfen. „Es ist für die Schüler nur schwer zu ertragen, immer wieder die Zerstörung ihrer Arbeiten zu erleben“, schrieb Kathrin Fanke deprimiert.

Öffentlichkeit schaffen


Nun trafen sich einige der Projektbeteiligten im Sierichschen Forsthaus, um über die Zukunft des Ortes zu diskutieren. Die Motive der Personen, die den kleinen Waldgarten zerstört, vermüllt und voller Kot hinterlassen, geben Rätsel auf. „An fehlenden Toiletten dürfte es kaum liegen, denn im Stadtpark haben wir eine relativ hohe WC-Dichte im Verhältnis zu anderen Parks“, sagt Egbert Willing vom Fachbereich Stadtgrün des Bezirksamtes Hamburg-Nord. „Müll und Vandalismus im Park sind ein allgemeines Problem, und auch mit ekligen Hinterlassenschaften haben es unsere Mitarbeiter leider immer wieder zu tun. Wir hatten jedoch gehofft, dass wir bei einer guten Belebung des Gartens der Sinne eine ausreichende soziale Kontrolle erreichen könnten.“ Bislang wurde der Bereich noch nicht so zahlreich genutzt, wie man sich das zu Anfang vorgestellt hatte. So haben sich einige der anfangs involvierten Einrichtungen mittlerweile zurückgezogen. „Doch nur wenn der Bereich ausreichend gepflegt und frequentiert wird, können wir weitere Interessenten gewinnen“, meint Heidi Gemar-Schneider, Vorsitzende des Stadtpark Vereins, die das Projekt gemeinsam mit vielen Förderern auf den Weg gebracht hatte. Dass der Garten stärker belebt werden muss, darin sind sich alle Anwesenden einig. Hierzu soll die Öffentlichkeit noch stärker informiert und auf die Bedeutung des Bereichs hingewiesen werden. Ein größeres Treffen vor Ort ist für April geplant. Dabei hofft man auch, jene potentiellen Nutzer und Helfer aus der Anfangszeit, die nicht mehr dabei sind, doch noch zurückzugewinnen. Auf diese Weise könnte das erfolgreich gestartete Projekt nun, pünktlich zum Frühjahr, noch einmal richtig an Fahrt aufnehmen. Kathrin Fanke freut sich auf die Aussicht, bald wieder mit ihrer Klasse in den Garten der Sinne gehen zu können: „Es ist wunderbar, wie sehr dieses Stückchen Erde meine Schüler bereichert. Sie können die Natur erkunden, neue Erfahrungen sammeln und dadurch an Selbstvertrauen gewinnen. Was kann ich mir als Lehrerin mehr wünschen?“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige