Geben und Nehmen

Anzeige
Dorte Stürmer (47, rechts) hat ein erfüllendes Ehrenamt. Links: Marina Schmidt (51) leitet den Ambulanten Hospizdienst Winterhude Foto: Flüß

Ehrenamt: Dorte Stürmer begleitet Sterbende

Winterhude „Wenn meine To-do-Liste am Ende meines Lebens abgearbeitet ist, wäre das großartig.“ Dorte Stürmer begleitet Sterbende und ist beeindruckt, wie die alte Dame, der sie zur Seite stand, ihr Leben beendet hat. „Sie hatte alles inklusive der Beerdigung schon geplant. Ich habe viel mit ihren Töchtern gesprochen. Für die Mittefünfzigjährigen war das ein Schock: Wie geht man damit um, wenn jemand so sortiert ist?“
Seit zwei Jahren ist die 47-jährige ehrenamtliche Hospizbegleiterin beim Ambulanten Hospizdienst Winterhude. Mit ihrem Ehrenamt hat sie sich auch eigenen Ängsten gestellt: „Als Personalberaterin habe ich viel mit Pflegediensten zusammengearbeitet. Ich finde diese Branche bewundernswert, aber könnte dort selbst nicht arbeiten. Doch ich wollte in dem Bereich etwas tun.“ Auf der Ehrenamt-Messe Aktivoli lernte sie den Ambulanten Hospizdienst kennen. Dort wurde sie ermuntert, die Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu absolvieren. „Die Ausbildung hat viel Schrecken genommen. Tod und Trauer sind ein Tabu, vielen Menschen fällt ja schon das Kondolieren schwer. In der Ausbildung kamen Trauer, Ängste, Ekel und andere Gefühle hoch. Aber es wurde auch viel gelacht und wir haben gelernt, einen würdevollen, aber normalen Umgang mit Sterbenden zu finden.“ In der Begleitung eines alten Herrn, der nicht mehr ansprechbar war, hat Dorte Stürmer gelernt, dass es auch nonverbale Formen der Kommunikation gibt: „Die Bücher des alten Herrn wiesen darauf hin, dass er wohl Naturwissenschaftler war. Ich habe ihm deshalb aus dem Roman ‚Längengrad‘ vorgelesen. Die Ruhe, die von ihm ausging, hat sich auf mich übertragen. Nur wenn ich Namen falsch ausgesprochen habe, hat er geschnauft“, erinnert sich Dorte Stürmer.

Wohlgefühl der Sterbenden steigern


Ihr Ehrenamt sieht sie deshalb als Geben und Nehmen. Neben ihrem Vollzeitberuf verbringt sie derzeit einmal in der Woche eine gute Stunde mit einer 93jährigen Dame, die blind und bettlägerig ist. „Wenn sie wach ist, ist sie eine sehr charmante Gesprächspartnerin. Letztens bat sie mich um ein Eis. Noch nie habe ich jemanden so genussvoll ein Eis essen sehen – das war wirklich herzerwärmend.“ In der Ausbildung hat Dorte Stürmer auch gelernt, das Wohlgefühl von Sterbenden zu steigern. Auch mit dem eigenen Sterben werden die Teilnehmer konfrontiert. Sie sprechen über Krankheiten wie Krebs und Demenz, den Umgang mit Pflegeeinrichtungen und erhalten viele Tipps wie etwa zum Zurückholen in eine aktive Kommunikation. Auch die Sensibilisierung dafür, wann jemand gehen möchte, ist Teil des Ausbildungskurses, der etwa 110 Unterrichtsstunden umfasst und mit der Übergabe der Zertifikate am 15. Dezember endet. Die Kurskosten betragen 200 Euro. Diese werden nach der einjährigen ehrenamtlichen Mitarbeit beim Ambulanten Hospizdienst zurückerstattet. Träger des Hospizdienstes ist die Evangelische Stiftung Bodelschwingh in der Forsmannstraße in Kooperation mit dem Freundeskreis Oberaltenallee e.V. (flü)

Wer an dem Kurs teilnehmen möchte, kann sich bei Marina Schmidt, Leiterin des Ambulanten Hospizdienstes Winterhude, Telefon 278 057 58, schmidt@bodelschwingh.com melden. Einblicke in die Hospizarbeit gibt der Informationsabend am 2. September, 18 Uhr, im Kirchraum Bodelschwingh, Forsmannstraße 17
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige