Gebete auf Knopfdruck

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„Man kann gut entspannen im Gebetomaten“, findet Mariam Rahimi, die den akustischen Automaten im Goldbekhaus ausprobierte. Foto: Gemeinholzer

„Religion to go“ im Goldbekhaus

Winterhude. Religion „to go“, quasi im Vorübergehen – kann das funktionieren? Vorläufig könnte man die Frage mit „Ja“ beantworten. Zumindest wenn man gerade den „Gebetomaten“ ausprobiert hat. Diese Installation des Berliner Künstlers Oliver Sturm steht zurzeit im Foyer des Goldbekhauses und spielt auf Knopfdruck Gebete ab.
Das Kunstobjekt erinnert bewusst an einen Passbildautomaten: Hinter einem Vorhang kann man sich in diesen „kleinsten spirituellen Raum“ (Oliver Sturm) zurückziehen und sich Gebete nicht nur aus den Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus, sondern auch aus anderen Glaubensrichtungen und religiösen Gemeinschaften anhören. Zur Auswahl stehen etwa 300 Gebete in 64 Sprachen, die über eine Touchscreen-Benutzeroberfläche angewählt und abgespielt werden.
„Toll, was man hier alles findet. Die Gebete aus Taizé sind schön“, meinte Roswitha Weidner, die den akustischen Automaten nach einem Seminar im Goldbekhaus testete. Die Vielfalt zu sehen, gerade in der Religion, sei wichtig: „Wenn nur die eigene Religion das Nonplusultra ist, wird es problematisch.
Vielfalt bestimmt die Welt. Dadurch kann auch das eigene wachsen“, meinte die 57-Jährige. Toll wäre, wenn der Gebetomat auch einmal draußen auf der Straße stehen würde. „Die Leute können darin zur Ruhe kommen“, glaubt Roswitha Weidner.
„Ich hatte erst Vorbehalte: Mit einem Automaten verbindet man etwas Abstraktes – und das in Zusammenhang mit Religion? Aber als ich mich dann durchgeklickt habe, fand ich es wahnsinnig spannend“, sagt Mariam Rahimi. Die 23-Jährige Studentin der Kulturwissenschaften ist zurzeit für ein Praxissemester im Goldbekhaus und betreut den Gebetomaten.
„Super, dass einem dadurch spielerisch andere Gebetsformen und Religionen zugänglich gemacht werden“, findet Mariam Rahimi. Besonders berührt habe sie ein kambodschanisches Gebet aus dem Hinduismus.
„Vor allem wegen der Musik. Und weil die Gebete von Gläubigen gesprochen werden.“ Anderen beim Beten zuzuhören, sei schließlich etwas sehr Intimes. „Man kann gut entspannen im Gebetomaten“, findet Mariam Rahimi. Sie wird wohl bis zum Ende ihres Praktikums noch öfter den Vorhang hinter sich zuziehen und den fremden Stimmen lauschen.
Im Dezember wandert der Gebetomat dann in die Staatsbibliothek weiter. (ag)
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