Gedenken an jüdische Lyrikerin

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Schriftstellerin Ulla Hahn enthüllte die Künstler-Gedenktafel für Gertrud Kolmar am Frauenthal 13 Foto: Hanke

Schriftstellerin Ulla Hahn enthüllte Emailleschild, das an Gertrud Kolmar (1894 – 1943) erinnert

Hamburg. Ein Emailleschild erinnert seit kurzem vor der Villa Frauenthal 13 an die jüdische Dichterin Gertrud Kolmar (1894-1943), die hier eine kurze Zeit 1926/27 wohnte und als Erzieherin arbeitete. Es ist ein weiteres Exemplar einer Künstler-Gedenktafel für vergessene, oft in die Emigration gezwungene oder ermordete Künstler, die Peter Hess, der Organisator der Stolperstein-Verlegungen in Hamburg, initiiert hat.
Gertrud Kolmar gilt als eine der bedeutensten deutschen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Erst in der Nachkriegszeit wurde ihr Werk bekannt. Sie wuchs als Gertrud Käthe Chodziesner in Berlin auf, absolvierte Ausbildungen als Erzieherin und Dolmetscherin. 1917 erschien ihr erster Gedichtband unter dem Pseudonym Gertrud
Kolmar nach dem deutschen Namen der Stadt Chodziesen
in der preußischen Provinz Posen, aus der ihre Familie stammte. „In ihrer Zeit war es noch ungewöhnlich, dass Frauen einen Beruf erlernten“, kommentierte Schriftstellerin Ulla Hahn, die die Tafel gemeinsam mit Peter Hess enthüllt hatte. In ihrem Buch „Alsterlust“ über Dichterorte im Umkreis der Alster hatte Hess lesen müssen: „Nur von Gertrud Kolmar findet man keine Spur“. Dank seines Einsatzes gibt es nun Spuren von der Dichterin, die 1938 in Berlin in ein Judenhaus ziehen musste, bei ihrem Vater blieb statt zu emigrieren und 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.
Hamburg und die Alster hat Gertrud Kolmar in einem ihrer Gedichte beschrieben: „Die Stadt“: Da gehen zwei Liebende den Weg von der Heilwigstraße an der Alster entlang bis in die Innenstadt, ein Weg, der sich kaum verändert hat. (ch)
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