Gedenken an Nazi-Opfer in der Brahmsalle

Anzeige
Tochter, Enkelin und Urenkelin von Oswald Pander: Miriam Pandor (vorn), Loraine Möller-Marshall und Lisa Marshall (hinten v.l.) Foto: Hanke

Stolpersteinverlegung für den jüdischen Schriftsteller Oswald Pander

Harvestehude Leise, melancholische Töne waren kürzlich vor dem Haus Brahmsallee Nr. 6 zu hören. Die Musiker Cordula Grolle und Nils Kacirek spielten bei einer Stolpersteinverlegung auf Cello und Keyboard. In der Mitte vorm Eingang zum Altbau saß im Rollstuhl Miriam Pandor, Tochter des Schriftstellers Oswald Pander (1881-1943). Er lebte hier mit Frau und Tochter, bis er 1942 ins KZ Theresienstadt verschleppt wurde, wo er am 19. August 1943 elendig starb, vermutlich verhungerte. Dabei hatte Pander schon alle Papiere für die Emigration nach England in der Tasche, nur einige Formalitäten fehlten noch, wie seine Tochter betonte. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte die Ausreise, die seiner Frau und der Tochter noch gelangen. Pander, Sohn des jüdischen Schauspielers Kaskel Pander, der am Thalia Theater engagiert war, und einer nicht jüdischen Sängerin, zog es auch zur Kunst. Aber zunächst arbeitete er als Polizeischreiber und Obersekretär im Versicherungswesen, bevor er ab 1919 seiner Neigung folgte und Schriftsteller wurde. 1922 heiratete er seine zweite Frau Susanne, eine jüdische Lehrerin, und zog in die Wohnung ihrer Eltern an der Brahms-allee. Pander schrieb für Zeitschriften unter anderem Theaterkritiken, stand dem Expressionismus nahe, und glaubte an die Existenz eines von seelischen Zwängen befreiten „neuen“ Menschen. 1933 erhielt er als Halbjude Berufsverbot, durfte nur für jüdische Zeitschriften schreiben. Zur Verlegung des Stolpersteins für Oswald Pander waren auch seine Enkelin Lisa Marshall und deren Tochter Loraine Möller-Marshall angereist. Miriam Pandor war in die USA emigriert, hatte dort ihren Namen leicht verändert, lebt heute aber mit Enkelin und Urenkelin in Lübeck. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige