Gedenkplatten statt Stolpersteine

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Von links: Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt, SPD, und Ellen Hesse, die Schwester der Künstlerin, neben der Künstler-Gedenktafel für Eva Hesse in der Isestraße 98Fotos: Hanke
 
Vor der Villa Heilwigstraße 40 erinnert jetzt eine Gedenktafel an die Künstlerin Gertrud Louise Goldschmidt (Gego), die hier aufwuchs

Wissenschaftssenatorin enthüllt Erinnerungstafeln für berühmte Künstlerinnen

Hamburg. Ehrung für zwei Künstlerinnen, die während des Dritten Reiches in die Emigration gezwungen wurden. An Eva Hesse (1936-1970) und Gertrud Louisa Goldschmidt (1912-1994), genannt Gego, erinnern seit Kurzem Gedenktafeln vor ihren Geburtshäusern. Es sind die ersten beiden Künstler-Gedenktafeln, von denen Peter Hess, der Organisator der Stolpersteinverlegungen in Hamburg, noch einige mehr aufstellen lassen will. „Es ist mir schon lange eine Herzensangelegenheit, die heute in die Tat umgesetzt werden kann“, sagte Peter Hess bei der Enthüllung der ersten Künstler-Gedenktafel vor dem heutigen Hotel Smolka in der Isestraße 98 durch die Wissenschaftssenatorin und zweite Bürgermeisterin Dorothee Stapelfeldt und Eva Hesses Schwester Ellen. Eva Hesse war eine der herausragenden Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Werke aus Gummi, Latex, Glasfaser und Polyesterharz sind nur für Millionen von Dollar zu haben.

Emigration in die USA

Der Hamburger Journalist und Autor Michael Jürgs schrieb eine Biographie über sie unter dem Titel „Die berührbare Frau“. Jürgs, auch in der Isestraße wohnhaft, nahm an der Enthüllung der Gedenktafel teil. Eva Hesse, die in dem Haus Isestraße 98 als Tochter jüdischer Eltern geboren und schon im Alter von zwei Jahren mit ihrer Schwester Helen von den Eltern nach Holland geschickt wurde, gelangte mit ihnen 1939 in die USA. „Wäre ihnen dies nicht gelungen, dann lägen hier jetzt vier Stolpersteine“, befürchtete Peter Hess. Eva Hesse studierte Malerei und heiratete 1961 den Bildhauer Tom Doyle. Einige Jahre später ging ihr Stern als herausragende Künstlerin auf. 1970 starb sie im Alter von nur 34 Jahren an einem Gehirntumor.

Gego warf ihren Schlüssel in die Alster

In der Heilwigstraße 40 enthüllte Dorothee Stapelfeldt kurz darauf die zweite Künstler-Gedenktafel für die wesentlich ältere Gertrud Louise Goldschmidt, die unter dem Künstlernamen Gego als Zeichnerin und Bildhauerin in Caracas / Venezuela berühmt wurde. Sie gilt als eine der bekanntesten Künstlerinnen Lateinamerikas. Mit ihren fünf Geschwistern wuchs Gego als Kind jüdischer Eltern in der Heilwigstraße auf, studierte 1932-1938 Architektur und entkam einen Tag nach der Reichspogrommnacht nur knapp dem Terror der Nazis. Ihre Eltern wanderten im März 1939 nach England aus. Als Gego kurz darauf ein Arbeitsangebot aus Venezuela bekam, löste sie die Besitztümer der Familie in Hamburg auf. Nachdem sie das Haus in der Heilwigstraße abgeschlossen hatte, warf sie den Schlüssel in die dahinterfließende Alster. In Venezuela wurde sie eine berühmte Künstlerin und Kunstprofessorin.
Werke der beiden ersten Künstlerinnen, an die mit diesen Gedenktafeln erinnert wird, sind übrigens derzeit zeitgleich in der Galerie der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. (ch)

Bis zum 2. März 2014: Eva Hesse - One More Than More und Gego - Line as Object. Peter Hess beabsichtigt weitere Gedenktafeln für berühmte Künstler aufzustellen. Ideen für diese neue Serie nimmt er gern unter Tel.: 410 51 62 entgegen.
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