Gefahr für die Alster durch Entenfüttern?

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Idylle am Alsterufer: Ein Schwanenpaar mit ihren Jungen. Der BUND sieht die Tiere in Gefahr, wenn Menschen Brot füttern. Foto: Haas
 
„Alster nicht füttern“: erklärten NABU-Chef Alexander Porschke und BSU-Sprecher Frank Krippner bei der Aktion an der kleinen Alster. Foto: „Lebendige Alster“

Am Brot für Wasservögel scheiden sich die Geister - BUND sieht Gefahr für Tiere und Wasser

Alster. Hamburger wie Touristen schätzen den Kontakt zur Natur in der Metropole: Rund um die Alster füttern sie gelegentlich Wasservögel mit Brotbröckchen, freuen sich, dass sie so die Tiere aus der Nähe bestaunen können und sind fasziniert von zutraulichen Blässrallen, Stockenten, Graugänsen und Höckerschwänen. So weit, so harmlos.

Doch jetzt – kaum hat das „Sommerloch“ begonnen – soll der Alster „großer Schaden“ drohen: ausgerechnet durch die Fütterung der Wasservögel. So lautet die Botschaft des Projekts „Lebendige Alster“.
Das Aktionsbündnis von drei Umweltverbänden sowie Vertreter der Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung (BSU) hatten am vergangenen Dienstag dazu eigens zur Pressekonferenz am Junfernstieg geladen. Eine Gruppe Touristen an der kleinen Alster wurde von NABU-Chef Alexander Porschke vor laufender TV-Kamera gebeten, sie sollten ihre Brotscheiben den Schwänen vorenthalten. „Die Fütterungen fördern nur die massive Konzentration der Wasservögel; Brotreste und Exkremente der Tiere führen dann zu einer Überdüngung der Gewässer.“ erklärten die Projektmitarbeiter Eike Schilling (NABU Hamburg), Wolfram Hammer (BUND Hamburg) und Karsten Borggräfe (Aktion Fischotterschutz). Info: www.lebendigealster.de.
Probleme von
Menschen gemacht
Indessen gibt der von der Stadt angestellte Schwanenvater Olaf Nieß Entwarnung. „Die Probleme der Gewässer rund um die Alster entstehen kaum durch Wasservögel. Sie sind von Menschen gemacht.“ sagt Olaf Nieß. So schlägt er nach Starkregenfällen immer wieder Alarm, wenn er beobachtet, wie Farbreste und Ölderivate etwa aus der Tarpenbek in Richtung Alster geschwemmt werden.
Wie berichtet, werden sie allzu oft etwa rund um den Kellerbleek – unachtsam oder mutwillig – in Sielen „entsorgt“ und ungeklärt durch die Oberflächenentwässerung weitertransportiert. Zusätzliches Problem: an Stellen mit geringer Fließgeschwindigkeit sammelt sich tonnenweise Faulschlamm durch vermodertes Laub. Proben aus dem Schlamm am Mühlenteich etwa ergaben kürzlich zusätzliche Belastungen durch Ölrückstände. „Enten, Gänse und Schwäne werden derzeit aber weder mit Diesel noch mit altem Laub betrieben.“ sagt Olaf Nieß mit einem Augenzwinkern.
Umgekehrt müsste man sich freuen, dass die Gewässerqualität im Lauf von Jahrzehnten schon so weit verbessert werden konnte, dass auch so sensible Arten wie Eisvogel, Haubentaucher und Reiherenten wieder an der Alster leben und sogar brüten können.
Auch ein BSU-Info-Flyer zum Gewässerschutz in Hamburg bestätigt die Probleme „nicht-tierischer“ Schadstoffquellen. Sie sind in einem Hamburger „Altlastenkataster“ erfasst: Erst ihre endgültige Sanierung sowie die restlose Entnahme stark verschmutzter Ablagerungen verbessern die Wasserqualität. Zugleich muss allerdings der Zufluss von belastetem Oberflächenwasser sowie der bis jetzt noch nicht filterbaren Schadstoffe aus Kläranlagen gestoppt werden.
Tipps des
Schwanenvaters
Hamburger füttern nun mal gerne ihre Enten, Gänse und Schwäne vor der Haustür. Das ist zwar grundsätzlich nicht verboten. „Aber unsere Wasservögel können natürlich gut überleben – ohne Futter aus Menschenhand.“ sagt Schwanenvater Olaf Nieß.
Brot dürfe nicht in Mengen deponiert oder gar ins Wasser gekippt werden. Tiere sind keine Müllschlucker. Sein Rat: Nur so viel füttern, wie die Tiere direkt aufnehmen. „Und nur Brot, das zum menschlichen Verzehr geeignet ist, kann man ohne Bedenken füttern.“ (wh)
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Trockenes Toastbrot eigne sich auch gut zur Herstellung von „Armen Rittern“. Das empfiehlt die neue Broschüre der Behörde für Umwelt und Stadtentwicklung (BSU) „Bitte keine Wasservögel füttern. Schutz der Gewässer in Hamburg“. Sie enthält ausführliche Informationen zur Vielzahl der Belastungen des Alsterwassers. „Wenn Sie den Wasservögeln helfen möchten, dann schaffen Sie ihnen ein schönes Zuhause! Wasservögel benötigen einen intakten Lebensraum mit vielen Ufer- und Wasserpflanzen, mit Insekten, Schnecken, Muscheln und Fischen. Dies jedoch bietet nur ein intaktes Gewässer.“ Die Broschüre liegt in den Bezirksämtern aus. Online unter Publikationen auf:
www.hamburg.de/bsu
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