Gehören noch lange nicht zum alten Eisen: Dank Jobcenter-Initiative mitnmang immer mehr über 50-jährige in Arbeit

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Jutta Schunke (58) hat über mitnmang im Braut- und Abendmodemodegeschäft feminin in Hamburg Eppendorf wieder eine Stelle gefunden.
 
Werden immer besser: Die Vermittlungszahlen von über 50-jährigen im Beschäftigungspakt mitnmang. (Grafik: mitnmang – Initiative für Arbeit 50plus)
Hamburg: feminin Braut- und Abendmode |

Der norddeutsche Beschäftigungspakt für über 50-jährige steigert 2014 die Zahl der vermittelten Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahr um 416 Personen und erreicht mit insgesamt 3.328 Vermittlungen einen neuen Rekordwert.

„Bei einem Brautkleid müssen Sie immer eine Größe dazurechnen, weil es direkt auf der Haut liegt“ erklärt Frau Jutta Schunke (58) der erstaunten Kundin, als das Kleid nicht richtig sitzen will. Seit 2014 arbeitet Schunke im Braut- und Abendmodegeschäft feminin in Hamburg Eppendorf und ist damit eine von über 3.328 Arbeitnehmern über 50 Jahren, denen es im zurückliegenden Jahr gelungen ist, durch die norddeutsche Jobcenter-Initiative mitnmang wieder in Arbeit zu kommen.

Bei der Initiative mitnmang handelt es sich um ein als regionaler Beschäftigungspakt konzipiertes Förderungsprogramm, welches sich ausschließlich an Arbeitssuchende der Generation 50plus wendet. Es soll Nachteile, die ältere Arbeitnehmer gegenüber jüngeren auf dem Arbeitsmarkt haben, ausgleichen und einen Bewusstseinswandel hinsichtlich der Einsatzfähigkeit älterer Arbeitnehmer einleiten. Denn viele Unternehmen haben Vorbehalte gegenüber älteren Beschäftigten, weil diese als teurer, unflexibler und nicht mehr fit genug für die Herausforderungen, die der berufliche Alltag bereithält, gelten.

Dass die Integration bereits in Ansätzen gelingt, belegen die stetig steigenden Vermittlungszahlen des Beschäftigungspaktes, der gemeinsam vom Jobcenter team.arbeit.hamburg und den Jobcentern in den Kreisen Segeberg, Herzogtum Lauenburg, Lübeck, Stormarn und Plön Anfang 2000 gestartet wurde. Lagen die Integrationszahlen in der ersten Projektphase von mitnmang von 2005 bis 2007 noch bei 547 vermittelten Stellen, steigerten sich die Vermittlungszahlen nachfolgend konstant von Jahr zu Jahr und lagen 2013 bereits bei 2.912 vermittelten Personen der Generation 50plus. 2014 erreichte die Vermittlungsquote dann mit insgesamt 3.328 einen neuen Rekordwert. Damit wurde der Zielwert (2.735 Vermittlungen) für das Jahr 2014 um 22 Prozent übertroffen. Die Integrationszahlen waren dabei von Jobcenter zu Jobcenter unterschiedlich: Hamburg erreichte 1.965 Integrationen (im Vorjahr: 1.599), das Herzogtum Lauenburg 229 (203), Segeberg 363 (323), Lübeck 391 (426), Stormarn 173 (172) und Plön 207 (189). Die hohe Vermittlungsquote freut auch Friedhelm Siepe, Geschäftsführer beim Jobcenter team.arbeit.hamburg. „Wir sind sehr glücklich, dass unsere Bemühungen langsam die erhoffte Wirkung zeigen und sich ein Umdenken in der Personalpolitik vieler Unternehmen abzeichnet.“

Fachkräftemangel macht ein Umdenken in der Personalpolitik notwendig

Wie dringend nötig das Umdenken bezüglich der Einsatzfähigkeit von älteren Arbeitnehmern ist, zeigen die aktuellen Zahlen auf dem Arbeitsmarkt: Fast 1.000 Ausbildungsplätze konnten im Berufsausbildungsjahr 2013/14 nicht besetzt werden. Ein Fachkräftemangel ist damit praktisch vorprogrammiert. Eine Lösung stellt für Siepe die verstärkte Beschäftigung von Arbeitnehmern jenseits der 50 Jahre dar. Doch dazu muss an vielen Stellen noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. So auch Siepe: „Trotz aller Aufklärung merken wir, dass vielerorts weiterhin die Auffassung vorherrscht, dass Arbeitnehmer mit mehr als 50 Jahren nicht mehr fit genug zum arbeiten sind.“ Dass dies aber in den meisten Fällen nicht der Wahrheit entspricht und ältere Arbeitnehmer stattdessen mit Erfahrung, Know-how und Umsicht am Arbeitsplatz punkten, zeigen Beispiele wie Jutta Schunke. Diese blickt auf eine mehr als 40-jährige Tätigkeit als Verkäuferin in der Textilbranche zurück und berät nun angehende Ehefrauen bei der Auswahl des richtigen Brautkleides für den schönsten Tag in Ihrem Leben. Monika Litschewski, Eigentümerin vom Braut- und Abendmodegeschäft feminin, bringt es auf den Punkt: „Grade in einem sehr speziellen Segment wie dem Verkauf von Hochzeitskleidern muss eine Verkäuferin viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Kunden mitbringen. Eigenschaften, an denen es den Jüngeren oftmals noch fehlt."
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