Gerichtsstreit um Hamburger Pastor

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Vollzeitarbeit für ein Drittel des Lohns: Pastor Horst-Dieter Schultz fühlt sich berufen, für die Gemeinde seelsorgerisch tätig zu sein Foto: Hanke

Zu wenig Mitglieder! Kirchenkreis verweigert St. Anschar einen Seelsorger

Von Christian Hanke
Hamburg. Was wird aus der Kirchengemeinde St. Anschar? Die Gemeinde streitet vor dem Kirchengericht mit dem Kirchenkreis Hamburg-Ost um einen Vertrag aus dem Jahre 1973. Der Hintergrund: Seit zwei Jahren hat die Gemeinde, die auf dem Gelände der Stiftung Anscharhöhe an der Tarpenbekstraße ansässig ist, keinen von der Landeskirche bestellten Pastor mehr, weil die Gemeinde nur noch über rund 1.500 Mitglieder verfügt. Für eine volle Pastorenstelle sind aber 2500 Minimum, sagt das Papier. Seit eineinhalb Jahren nimmt Pastor Horst-Dieter Schultz die seelsorgerischen Aufgaben bei St. Anschar wahr. „Die Gemeinde hatte mich gebeten. Ich wollte gerade in den Ruhestand gehen, sehe es jetzt aber als meine Aufgabe an, hier eine volle Pastorenstelle auszufüllen. Ich sehe das als einen Ruf von Gott“, erklärt der 62-jährige Pastor. Er wird von der Gemeinde als Ein-Drittel-Stelle bezahlt.

Lange Verhandlung

Nach Ansicht der Gemeinde steht St. Ansgar aber unabhängig von der Anzahl der Gemeindeglieder ein Pastor in Vollbeschäftigung zu. Die St. Ansgargemeinde war 1930 bis 1973 als freie Bekenntniskirche nicht Mitglied der evangelisch-lutherischen Landeskirche. Mit dem Wiedereintritt wurde 1973 ein Vertrag geschlossen, durch den St. Ansgar eine normale Gemeinde wurde, die nicht nur für die Einrichtungen auf dem Gelände Anscharhöhe, sondern auch für einige umliegende Straßen seelsorgerische Arbeit leistet. Diesen Vertrag muss das Kirchengericht nun genau prüfen. „Da gibt es Interpretationsspielraum“, sagt Remmer Koch, der Sprecher des Kirchenkreises Hamburg-Ost, und deutet eine lange Verhandlungsdauer an. In diesem Jahr werde keine Entscheidung fallen. Solange die Vertragssituation nicht geklärt ist, will sich der Kirchenkreis auch nicht zur Zukunft der Gemeinde St. Anschar äußern. Eine halbe Pastorenstelle oder die Zusammenlegung von Gemeindebezirken oder Regionen sind denkbar.

„Seelsorge nötig“

Solange juristisch um die Zukunft von St. Anschar gestritten wird, will Horst-Dieter Schultz Pastor mit Vollzeitpensum auf der Anscharhöhe bleiben. „Gerade hier ist Seelsorge vonnöten, denn wir betreuen die Einrichtungen der Stiftung Anscharhöhe für alte und kranke Menschen“, erzählt Schultz. Ob
die Gemeinde ihn aber noch lange bezahlen kann, ist ungewiss. Deshalb haben alle Gemeindeglieder kürzlich einen Brief bekommen - mit der Bitte, den einzigen Pastor finanziell zu unterstützen. Denn ganz ohne Lohn wird auch Horst-Dieter Schultz nicht weiterarbeiten. (ch)
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2 Kommentare
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Doris Warmbold aus Eppendorf | 23.07.2014 | 23:14  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 26.07.2014 | 08:59  
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