Gestatten: der Hamburger Stadtjäger

Anzeige
Stadtjäger Andre Legrand im Einsatz: Ein Stadtpark-Kaninchen ging ins Netz Fotos: Hanke
 
Ganz wie der Vater: Henri Legrand, Sohn des Stadtjägers, mit einem Frettchen, das die Kaninchen aus dem Bau scheucht

Andre Legrand fängt Kaninchen im Stadtpark – ein Frettchen hilft dabei

Von Christian Hanke
Hamburg. Elise macht sich auf den Weg: sie schleift in einen Kaninchenbau im Stadtpark. Für Nichtjäger: sie läuft hinein. Elise ist ein Frettchen von Stadtjäger Andre Legrand, das Kaninchen mit ihrem typischen Geruch aus den Bau scheucht. Da hilft Henri Legrand, der Sohn des Stadtjägers, kräftig mit.
Der Elfjährige zeigt eine längliche Röhre aus Maschendraht, die an einer Seite geschlossen und an der anderen mit einer selbstschließenden Klappe versehen ist. „Die wird in den Kaninchenbau gesteckt. Das Kaninchen kommt heraus, läuft in die Röhre, die sich hinter dem Tier schließt“, erklärt der Junior-Stadtjäger.

Geschossen wird selten

Die Legrands haben an diesem Tag Erfolg – es sind Kaninchen im Bau. Drei gehen ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ins Netz. Hier in der Nähe des vor zehn Jahren angelegten Labyrinths waren die flinken Tiere eine Plage, fraßen alle Blumen, mit denen Gabriele Reher-Juschka und Heidger Juschka das Labyrinth neu beleben wollten.
Die Anlage, die als Pilotprojekt von „Leben mit Behinderung“ zur Orientierung von Behinderten angelegt worden war, verkam in den letzten Jahren, da keine Nachfolgefinanzierung zustande kam. Gabriele Reher-Juschka und Heidger Juschka haben eine Patenschaft für das Labyrinth übernommen, und hatten in den letzten Monaten viele Blumen gepflanzt. „400 Pflanzen wurden gefressen“, erzählt Heidger Juschka. Deshalb alarmierte die Abteilung Stadtgrün des Bezirksamtes Hamburg-Nord den Stadtjäger.
Andre Legrand ist für Winterhude zuständig und machte sich an die Arbeit. Zuerst werden die Röhren mit Maschendraht in die Ausgänge der Kaninchenwohnungen gesteckt. Dann macht sich Frettchen Elise eifrig an die Arbeit.
Es ist nicht das einzige Frettchen von Andre Legrand. Es gibt auch noch Lilli und Mäuschen, die Tochter von Elise. Legrand hat die Erlaubnis Kaninchen und Steinmarder zu jagen. In der Regel fängt er sie, aber er darf sie auch schießen. Das vermeidet der Stadtjäger aber gern, es geht in diesem Fall ja auch anders.
Die Legrands wurden auch schon als Tiermörder beschimpft. Doch die Arbeit des Stadtjägers dient einer Begrenzung der Kaninchenpopulation. Gerade die Kaninchen erzeugen, schon sprichwörtlich, einen ziemlich großen Zuwachs.

Ehrenamtlicher Einsatz

Stadtjäger arbeiten im Gegensatz zu Förstern ehrenamtlich. Andre Legrand (46) übt diese Tätigkeit neben einem Fulltimejob aus. Seit 2003 ist er als Stadtjäger aktiv. Seinen Jagdschein hat er nur gemacht, weil er Falkner werden wollte.

„Falkner wollte ich schon als Kind werden.“ Andre Legrand
„Das wollte ich schon als Kind“, erzählt Andre Legrand. Inzwischen ist der Traum Wirklichkeit geworden. Der Stadtjäger von Winterhude hat einen Habicht zuhause.
25 bis 30 Mal im Jahr wird er gerufen, um im Stadtpark, in Kleingärten oder Kindertagesstätten als unliebsam empfundene Kaninchen oder Steinmarder zu entfernen. Vor seinen Einsätzen meldet er sich bei der Polizei an. Damit die Ordnungshüter wissen, dass keine Tierquäler oder Wilddiebe unterwegs sind. Etwa 100 ehrenamtliche Stadtjäger sind in Hamburg unterwegs. Angeheuert werden sie von den Bezirksämtern.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige