Gratwanderung in Mausgrau

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Vor der Kamera nimmt Dirk Kotte Haltung an. Besonders, wenn er direkt vor einer Leiter steht. Es könnte die Karriereleiter sein. Foto: bb/hfr

Satire in der Politik - geht das? Dirk Kotte von der Partei „Die PARTEI“ ist davon überzeugt

Hamburg-Nord. Bevor Dirk Kotte sich in der Öffentlichkeit zeigt, schlüpft er in ein hellblaues Oberhemd, schmeißt sich in einen mausgrauen Polyesteranzug (20% Baumwollanteil) und dekoriert sich mit einer knallroten Krawatte. Die Wirkung ist verblüffend: Sein Gesicht nimmt seriöse Züge an, seine Brust schiebt sich nach vorne und sein Rückgrat wirkt gestärkt. Es ist offensichtlich: Das Outfit des 34 Jahre jungen IT-Systemadministrators kein Ausdruck schlechten Geschmackes, sondern ein politisches Bekenntnis. Dirk Kotte ist stellvertretender Apparatschik – Korrektur – Bezirksvorsitzender der Partei „Die PARTEI“ in Hamburg-Nord. Als Gratwanderer zwischen politischer Satire und politischer Realität nimmt er die Abgeordneten aus Bundestag, Bürgerschaft und Bezirksversammlung aufs Korn und macht so deutlich, was ihm am politischen Alltag missfällt. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass man uns tatsächlich wählen kann“, berichtet Kotte. So richtig verwunderlich ist das nicht, denn die PARTEI steht für Forderungen, deren politischer Ernst sich hinter satirisch verzerrten Lachmuskel–angriffen verbirgt. Dazu gehört die Idee Eppendorf in App’ndorf umzubenennen oder die Vision, die Stadtbahn nicht nur zu bauen, sondern in Teilstrecken sogar zur Stadtachterbahn auszubauen. Auch zur Homo-Ehe hat Dirk Kotte, der selbst in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ lebt, eine klare Position: „Ich bin für Gleichberechtigung!“, sagt er. „Im Umkehrschluss bedeutet das: Solange das Ehegattensplitting für uns nicht gilt, erwarten wir eine bevorzugte Behandlung, denn wer mehr zahlt, muss auch mehr bekommen!“ Bevor er seine politische Heimat in der PARTEI fand, schnupperte Dirk Kotte politische Luft bei den Jungen Liberalen und etwas später bei den GRÜNEN. Beide Parteien überzeugten ihn nicht. „Das waren irgendwie alles Yuppies da“, sagt er rückblickend über den FDP-Nachwuchs. Bei den GRÜNEN habe ihn vor allem die bierernste Verbissenheit gestört.
„In der PARTEI wird mehr gelacht und vielleicht auch etwas mehr Bier getrunken“, berichtet er aus seinem politischen Alltag. Seine Kandidatur sei ernst gemeint, auch wenn mit der Aufhebung der Sperrklausel für die Bezirksversammlungswahlen die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass er tatsächlich zum politischen Verantwortungsträger wird. „Ich lasse das auf mich zukommen!“ sagt Dirk Kotte entspannt. (bb/hfr)
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