„Grindel verbindet“

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Die Hartungstraße im Fadenkreuz. Sechs Kilometer Garn wurde von Balkon zu Balkon verknüpft

Ein Netzwerk für mehr Nachbarschaft

Von Christian Hanke

ROTHERBAUM. In der Hartungstraße geht’s den Menschen zwischen Schlüterstraße und Grindelhof wie Neuankömmlingen in New York. Sie richten den Blick seit kurzem spontan nach oben, Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger. Dort ist jetzt nicht nur der Himmel blau. Ein Gewirr blauer Fäden zieht sich in etwa fünf bis sechs Metern Höhe von Haus zu Haus quer über die Straße.

Sechs Kilometer blaues Pressengarn hat Künstler Mathias Wolf für seine neueste Installation verbraucht. Sein Motto: „Grindel verbindet“. Wolf, der seit den 1970er Jahren künstlerisch täig ist, hat sich auf Installationen zu Netzwerken, und Verbindungen spezialisiert. Er hat in vielen deutschen Städten und in Chicago gewirkt. „Grindel verbindet“ ist dabei seine erste Aktion in Hamburg.

„Gelebte Vielfalt“


Die Idee stammt vom Verein Grindel e.V., dem Zusammenschluss von vor allem Geschäftsleuten und Anwohnern im Grindelviertel. „Wir wollen mit dieser Aktion abbilden: Das Grindelviertel ist gelebte Vielfalt, es hat Charakter. Darauf sind wir stolz und möchten deshalb diese gelungene Vernetzung auch deutlich nach außen tragen“, erläutert Jimmy Blum, der erste Vorsitzende von Grindel e.V. Die Kunstaktion hat die Vernetzung in der Hartungstraße aber auch noch zusätzlich vorangetrieben. Weil das Garn von Balkon zu Balkon verknüpft wurde, waren nahezu alle Anwohner der Straße an der Aktion beteiligt. Viele Nachbarn, die seit Jahren Tür an Tür wohnen, lernten sich zum ersten Mal kennen.

Um diesen Prozess zu verstärken, stellte Jimmy Blum, der einen Second Hand Laden in der Hartungstraße betreibt, am Abend des Tages, an dem das Garn geknüpft wurde, Tische und Stühle auf die Straße, und lud zu Speisen und Getränken ein, die die Anwohner mitbrachten oder bestellten. „Bis drei Uhr morgens wurde gegessen, getrunken und geredet“, erzählt der Grindelvereinsvorsitzende, der zufrieden beobachten konnte, wie bislang wildfremde Nachbarn gemütlich beieinander saßen. „Die schönste Geschichte war die, wie sich zwei Familien, die schon lange in demselben Haus wohnen, durch das Fadenknüpfen kennen lernten, und ein Familienmitglied vom obersten Balkon herunterschrie: Wie heißt du eigentlich?“, sagt Jimmy Blum.

Übrigens: das Garn wurde von der israelischen Firma Tamace zur Verfügung gestellt. Aus Begeisterung darüber, dass sich die Menschen im früheren jüdischen Grindelviertel besser kennen lernen sollen und wollen. Drei Monate soll die Installation hängen bleiben. Am 3. September wird abgebaut. Aber dann wird noch einmal unter Nachbarn gefeiert.
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