Groß Borstel leidet unter Müll

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Im Brödermannsweg wuchert das Straßenbegleitgrün. Ein Wegewart schaut „in einem gewissen Turnus“ nach dem Rechten Foto: Hanke
 
Müll auf den Gehwegen und am Straßenrand gehören mittlerweile zum Stadtbild in Groß Borstel Symbolfoto: thinkstock

Hamburgs Stadtteilbewohner wütend über Behörden-Wirrwarr. Ämter und Firmen blockieren sich gegenseitig

Von Christian Hanke
Groß Borstel
Freimut Leidenberger ist verärgert über den Zustand seines Stadtteils. Seit 1985 wohnt der Mediziner und frühere Firmeninhaber in Groß Borstel und beobachtet dort, so sein Eindruck, die wachsende „Vermüllung des öffentlichen Raumes“. Wildwuchs des Straßenbegleitgrüns, altes Laub, das monatelang liegen bleibt, fehlende Gehwegplatten, die große Regenpfützen zur Folge haben, Hausmüll auf Grünflächen und Bauschutt, der nicht entsorgt wird. Ein Zustand, der zum Himmel stinkt. Leidenbergers Mängelliste ist lang. Gerade hat er sie ans Bezirksamt Hamburg-Nord geschickt. Eineinhalb Jahre nach seiner ersten Beschwerde über die mangelnde Sauberkeit. Seitdem hat er in einer Arbeitsgruppe im Stadtteil im Kommunalverein in Groß Borstel mitgearbeitet und an fünf Treffen teilgenommen.
An einigen, zum Beispiel an einer Ortsbegehung durch Groß Borstel, beteiligten sich auch Vertreter der Stadtreinigung und des Bezirksamtes Hamburg-Nord. Einige von Leidenbergers Kritikpunkten wurden mittlerweile aufgegriffen. Mängel wurden beseitigt. Doch unterm Strich ist der Borsteler nicht zufrieden, hat seine Bürgerbeteiligung enttäuscht aufgegeben. Sein Fazit: die vielen Behördenstellen blockieren sich gegenseitig. Jede Behörde mache nur, was sie soll beziehungsweise beauftrage Firmen mit der Arbeit. Es fehle am Zusammenwirken. Dabei bleiben viele Mängel bestehen. „Was ich sehe, ist ein für Außenstehende nicht ohne Weiteres verständliches Wirrwarr an Zuständigkeiten und eine Zähflüssigkeit in den Behörden, mit der Folge vieler folgenloser Sitzungen, aus denen man vor allem mit dem Gefühl geht, „dort ist alles zu schwer“, fasste Leidenberger seine Eindrücke in seinem letzten Schreiben an Bezirksamtsleiter Rösler zusammen. Er vermisst außerdem konsequentes Bestrafen von säumigen Hausbesitzern, die ihre Reinigungspflichten auf den Gehwegen vor ihrer Haustür vernachlässigen. Die Stadtreinigung ist nämlich in der Regel nur für die Gehwegreinigung von Straßen mit Mehrfamilienhäusern zuständig. Die Gehwege im Brödermannsweg zum Beispiel, laut Leidenberger eine der am meisten verschmutzten Straßen von Groß Borstel, hat die Stadtreinigung gar nicht auf dem Zettel. „Da sind die Hausbesitzer zuständig. Wir säubern nur die Fahrbahn“, so Andreé Möller, der Sprecher der Stadtreinigung. Die Häufigkeit der Säuberungen ist in den verschiedenen Straßen unterschiedlich. „Die einzelnen Kolonnen haben ihre Bereiche im Blick und entscheiden je nach Verschmutzungsgrad, wie oft sie eine Straße säubern“, erläutert Möller.

Wegewart enscheidet


Für das Zurückschneiden des Straßenbegleitgrün sowie der Pflanzen in den Grünanlagen ist das Bezirksamt Hamburg-Nord zuständig. Ein Wegewart begeht die Straßen „in einem gewissen Turnus“, so Annekatrin Werner, die Sprecherin des Bezirksamtes. „Die Häufigkeit ist dabei abhängig von der verkehrlichen Einordnung der Straße. Die kleinen Straßen werden auch abgegangen, aber in einem anderen Turnus als die großen Straßen“, so die Sprecherin weiter. Fazit: „Der Bezirk sorgt für die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs.“ Anwohner Freimut Leidenberger zeigt sich gegenüber dem Wochenblatt jedenfalls verzweifelt, empfindet Groß Borstel als deutlich ungepflegter als andere Stadtteile. Andere Groß Borsteler aber offenbar nicht. Als Leidenberger Nachbarn auf liegengebliebenes Laub aufmerksam machte, antworteten einige, sie hätten das Alt-Laub noch nie bemerkt. Über Sauberkeit lässt sich offenbar trefflich streiten.
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