Hamburg: „Als Deutsche gemobbt“

Anzeige
Wenn Mitschüler über andere lästern – wie auf dem Symbolfoto – und sie ausgrenzen, gilt das als MobbingFoto: Thinkstock

Lehrerin der Schule Humboldtstraße informiert Eltern über Vorfälle

Von Melanie Bobrich

Hamburg. Mobbing an Hamburger Schulen – ein Thema, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Brisanz gewonnen hat. Nun gibt es einen Fall in Barmbek-Süd, der aufhorchen lässt: Kinder werden von Mitschülern drangsaliert, weil sie „deutsch sind und keinen Migrationshintergrund haben“, so eine Lehrerin der Stadtteilschule Humboldtstraße.

Martina Schneider (Name von der Redaktion geändert), deren zehnjährige Tochter seit August 2013 die 5. Klasse dieser Schule besucht, schildert, wie die Probleme kurz vor Weihnachten begonnen hätten: Das Mädchen und andere Schüler seien immer häufiger beschimpft, geschubst und auch getreten worden. Grund dafür: ihre deutsche Herkunft. „Meine Tochter geht oft mit Bauchschmerzen in die Schule“, sagt die Mutter. Die Empfehlungen der Schule seien wenig hilfreich gewesen: „Meinem Kind wurde geraten, mehr Ellenbogen zu zeigen. Aber das kann doch auch keine Lösung sein."

Zwar gebe es Gespräche mit Eltern, deren Kinder den Klassenverband wiederholt massiv stören – gebessert habe sich die Situation aber nicht. Auch einen richtigen Zusammenhalt der 25 Kinder in der Klasse, in der rund ein Viertel der Schüler deutscher Herkunft seien, gebe es nicht, bedauert die Mutter.

In die Offensive ging nun eine Klassenlehrerin der Schule, die 2012 als Dependance der ehemaligen Mutterschule Heinrich-Hertz-Schule am Grasweg eröffnet wurde: Sie schrieb einen Rundbrief an die Eltern, der dem Wochenblatt vorliegt. Darin heißt es, dass „Kinder beleidigt und zurückgewiesen werden, weil sie deutsch sind und keinen Migrationshintergrund haben“. Eine solche Diskriminierung sei rassistisch und werde an der Schule nicht geduldet. Es folgt ein Appell an die Erziehungsberechtigten: „Sie als Eltern sind Vorbild für Ihre Kinder, so dass es auch in Ihrer Verantwortung liegt, Ihren Kindern zu erklären, dass andere Kinder aufgrund ihrer Herkunft nicht diskriminiert werden dürfen“.
Man wolle doch zu einer „vertrauensvollen Atmosphäre in der Klasse zurückfinden“, heißt es in dem Brief an die Eltern. Auch die Ausgrenzung auf dem bei Jugendlichen beliebten SMS-Dienst WhatsApp wird angesprochen.

Die Schule, die auf ihrer Homepage mit der „persönlichen Atmosphäre“ wirbt, habe daraufhin den Beratungsdienst der Lehranstalt eingeschaltet – einige Vorfälle konnten bereits geklärt werden, so Schulleiterin Karin Pilnitz im Gespräch mit dem Wochenblatt. „Aber natürlich haben wir Kinder, denen es sehr schwer fällt, sich an die Regeln zu halten. Insofern will ich nicht abstreiten, dass es diese Vorfälle gegeben hat, wo die Mutter sich zurecht Sorgen macht“, sagt Pilnitz. „Grundsätzlich aber sind für uns erst einmal alle Kinder gleich. Wir schützen nicht die einen vor den anderen, sondern wir schützen alle in dem Moment, in dem sie Opfer werden.“ Sie verweist auf pädagogischen Maßnahmen, die bereits umgesetzt werden: Ein Projekt des Beratungsdienstes zum sozialen Lernen beispielsweise, bei dem es auch um den gegenseitigen Respekt unter den Kindern gehe, eine monatliche Diskussionsrunde mit den Schülern in der Aula und die Planungen für einen Eltern-Informationsabend über den Umgang mit WhatsApp.

Schulbehörde: Noch in der Klärung

Doch was sagt die Schulbehörde zu den Vorfällen an der Einrichtung? Man könne hierzu noch keine Auskunft geben, sondern sei „in der Klärung“, so heißt es auf Anfrage. Mutter Martina Schneider indes hofft, dass die Probleme an der Schule künftig noch ernster genommen werden – wenn nicht, zieht sie auch einen Schulwechsel ihrer Tochter in Betracht. (bob)
Anzeige
Anzeige
3 Kommentare
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 26.02.2014 | 09:39  
6
Vincenzo Moisig aus Barmbek | 28.02.2014 | 13:17  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 01.03.2014 | 09:04  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige