Hamburg: Asylanten auf Kampnagel?

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Berndt Jasper von Baltic Raw und Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard haben eine neue Rote Flora realisiert, das „Volksstudio“ Foto: Hanke
 

Im Rote-Flora-Nachbau sollen Flüchtlinge leben – wenn das Geld reicht

Hamburg. Auf dem Kampnagel-Gelände steht die Rote flora en miniature seit Beginn des Sommerfestivals. So wie ein Jahr zuvor eine zweite kleine Elbphilharmonie.
Beide Nachbauten hat die Gruppe Baltic Raw errichtet, ein Zusammenschluss von Künstlern, Dramaturgen Geisteswissenschaftlern und Architekten, die für begrenzte Zeiträume Gebäude im öffentlichen Raum schafft, in und um die herum Installationen, Projekte und Aktionen stattfinden. Die kleine Rote Flora ist wirklich rot. Statt „Flora bleibt“ steht da zum Beispiel „Fauna bleibt“. Vorn dran ist „Volksstudio“ zu lesen, drinnen steht ein Tresen. Während des Sommerfestivals war auch eine Bühne installiert.

Umbau geplant

Demnächst soll die kleine Rote Flora auf Kampnagel Menschen beherbergen, einige der so genannten Lampedusa-Flüchtlinge. Baltic Raw will die Aktionskunst in dem Gebäude aus Holz auf dem Theatergelände auf andere Art und Weise fortzusetzen und dabei auch ein ökologisches Zeichen zu setzen. Die kleine Rote Flora soll in ein „Energie-Effizienzhaus“ umgebaut werden, in dem bis Mai nächsten Jahres sechs oder sieben Flüchtlinge der Lampedusa-Gruppe leben sollen.

„Soziale Skulptur“

Um das Projekt der Gruppe zu realisieren, bedarf es noch finanzieller Mittel, die die Gruppe über Crowdfunding einwerben will. 10.000 Euro müssen bis zum 19. September zusammenkommen, sonst ist der Umbau der Roten Flora gestorben. Bislang sind´s erst 4.000 Euro. Wenn´s klappt, können die Flüchtlinge Mitte Oktober in die Rote Flora einziehen.
Als „soziale Skulptur“ versteht Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard die Idee von Baltic Raw. Weil vor einem Jahr für eine Woche Flüchtlinge auf Kampnagel untergebracht waren, wandten sich Unterstützer der Lampedusa-Gruppe an Amelie Deuflhard mit der Bitte um erneute Aufnahme. Aus der Anfrage entwickelte Baltic Raw sein neues Aktionskunstprojekt. „Es wird eine temporäre Installation mit einer ganz anderen Symbolkraft zur Unterbringung der Flüchtlinge“, glaubt Amelie Deuflhard. Denn die Flüchtlinge werden auf Kampnagel nicht nur ökologisch optimal wohnen, sondern sich schon vorher je nach ihren Fähigkeiten an dem Umbau beteiligen und mit ihren neuen Nachbarn im Stadtteil kommunizieren und vielleicht auch dort Arbeiten finden.

Ziel ist Integration

„Es ist keine Unterbringung, sondern Aktionskunst mit dem Ziel, die Flüchtlinge zu integrieren“, erläutert Bendt Jasper. „Das Besondere an diesen Flüchtlingen ist ja auch, dass sie als Gruppe behandelt werden wollen, nicht als Einzelpersonen. Diese Solidarisierung ist neu und scheint Beginn einer Emanzipation von Flüchtlingen, die auch in anderen Städten zu beobachten ist“, so Amelie Deuflhard. Die Rote Flora wird auch nach dem Umbau offen sein für alle Menschen, die vorbeischauen. Kontakte zu den Bewohnern sind ausdrücklich erwünscht. Im besten Fall mit dauerhaften Verbindungen zur Nachbarschaft. Ein Veranstaltungsprogramm könnte die Kontakte fördern. Die Piratenpartei hat das Projekt bereits begrüßt und einen Antrag in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord gestellt, nach dem die BV die Bemühungen von Baltic Raw unterstützt. (ch)
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