Hamburg: Aus eigener Erfahrung helfen

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Gisela Gerlach ist seit 1989 an Multiple Sklerose erkrankt. Vor elf Jahren hat sie ihr Hobby Malen entdeckt Fotos: Grewe

Rund 13.000 Deutsche haben Multiple Sklerose. Peer-Beratungen im UKE

Hamburg. Sie sitzt mit einem zufriedenem Lächeln im Gesicht vor einem Stapel selbst gemalter Aquarelle. Überwiegend Landschaften, hell und freundlich in den Farben. Gisela Gerlach leidet seit 1989 unter Multiple Sklerose, wobei sie das Wort „leiden“ eigentlich nicht mag. Die ehemalige Krankenschwester auf einer Intensivstation hat ihre Krankheit angenommen - und will das auch anderen Erkrankten vermitteln. Etwa 130.000 Menschen haben in Deutschland Multiple Sklerose, weltweit rund zweieinhalb Millionen. „Für die meisten, die von ihrer Krankheit erfahren, ist das ein schwerer Schlag, steht gleich der Rollstuhl vor Augen. Dabei ist der Verlauf der Krankheit sehr unterschiedlich“, so Gisela Gerlach. „Das Leben ist nach Ausbruch der Krankheit nicht zu Ende, das möchte ich Betroffenen vermitteln. Ganz wichtig ist die positive Motivation rüber zu bringen“, so Gerlach.
Seit 2008 hat sich Gisela Gerlach deshalb dem Peer Counseling angeschlossen: Betroffene für Betroffene ist der Grundgedanke dieser Initiative des Selbsthilfebeirates der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Hamburg. Jeden dritten Dienstag im Monat findet von 14 bis 16 Uhr im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), Martinistraße 52 (Haus W 34) eine „Beratung ohne Ratschläge“ statt.

Berater selbst erkrankt

Zum Beratungsteam gehören neben Gisela Gerlach fünf weitere Berater, die alle selbst an Multiple Sklerose erkrankt sind. Gisela Gerlach: „In die Beratung kommen überwiegend frisch erkrankte Personen. Bei ihren Fragen rund um MS können wir unsere eigenen Erfahrungen einbringen: Schwierigkeiten und Ängste, zugleich auch unser Selbstvertrauen und unseren Mut! Wir wissen wovon wir reden, das ist unser großer Pluspunkt in der Beratung. Fertige Lösungen haben wir nicht anzubieten, aber in vielem bestimmt ähnliche Erfahrungen gemacht wie die Ratsuchenden. Ganz entscheidend ist zunächst für neu Erkrankte einen Neurologen zu finden, zu dem sie Vertrauen haben. Ein Neurologe ist der wichtigste Ansprechpartner für den Verlauf der Krankheit.“ In die monatliche Beratung kann jeder ohne Anmeldung kommen (nächster Termin 15. Juli).

1.750 Mitglieder

Alle sechs Personen aus dem Beratungsteam sind in zirka 20 Seminaren auf ihre Beratungstätigkeit vorbereitet worden. Alle zwei Jahre machen sie eine Fortbildung. Gisela Gerlach ist die einzige von dem Team, die seit sieben Jahren im Rollstuhl sitzt. Sie hadert aber nicht mit ihrem Schickschal: „Es gibt auch einige MS-Kranke, die haben kognitive Probleme. Das ist viel schlimmer.“ Vor 21 Jahren ist sie Mitglied der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft geworden. Der Hamburger Landesverband wurde 1982 gegründet und hat heute insgesamt 1.750 Mitglieder.
Gisela Gerlach hat die Mitgliedschaft sehr geholfen. Dadurch hat sie auch ihr Hobby Malen entdeckt. Einmal pro Woche trifft sie sich mit anderen zu einem Malkurs, der von einem Kunsttherapeuten geleitet wird. Inzwischen hat Gisela Gerlach zirka 100 Bilder gemalt. Aber: Nicht jedem Erkrankten hilft ein Hobby, einige flüchten sich auch in Depression. „Viele Erkrankte müssen erst mal über den Verlauf der Krankheit aufgeklärt sein, denn der ist höchst unterschiedlich. Deshalb nennt man MS auch die Krankheit mit den vielen Gesichtern“, so Bethge. (eg)

Hier finden MS-Erkrankte Hilfe: Telefon 422 44 33, dmsg-hamburg.de. Nächster Beratungstermin: 15. Juli, 14-16 Uhr, Universitätsklinikum Eppendorf, in den Räumen der MS-Sprechstunde, Martinistraße 52, Gebäude W 34 (am Haupteingang links)
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