Hamburg: Bleiben die Häuser doch?

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Für die Häuser Brodersweg 10-13 liegt eine Abrissgenehmigung vor. Die Mieter sind empört. Ihr Rechtsanwalt gibt nicht auf Foto: Hanke

Brodersweg: Anwalt der Mieter trifft sich mit Bezirksamtsleiter Sevecke

Hamburg. Was wird aus den Häusern Brodersweg 10-13, den vier letzten Gebäuden mit Vorgärten aus dem alten Pöseldorf? Vor einem halben Jahr war der Schock bei den Mietern groß, als im Zusammenhang mit einer öffentlichen Plandiskussion bekannt wurde, dass die Inhaberin beabsichtigt, die Häuser abzureißen. Ein Gutachter war zu dem Schluss gekommen, dass angesichts statischer Probleme wegen der Nähe der Alster Abriss und Neubau kostengünstiger seien als eine geplante Sanierung (das Wochenblatt berichtete). Die Empörung war besonders groß, weil das Baudezernat im Bezirksamt Eimsbüttel die Abrissgenehmigung bereits erteilt hatte, ehe die Mieter informiert wurden. Die Bewohner beabsichtigten ein Bürgerbegehren in Gang zu setzen, gaben ihr Vorhaben aber bald als aussichtslos auf. Die Abrissgenehmigung erschien als nicht anfechtbar.

Gutes Verhältnis

Doch Rechtsanwalt Bernd Vetter, den die Mieter mit der Wahrnehmung ihrer Rechte beauftragt haben, gibt die Sache seiner Mandaten noch nicht verloren. Aber es wird schwierig. Vetter zweifelt daran, ob die Wirtschaftlichkeitsrechnung, die aufgrund des Gutachtens aufgemacht wurde, so stimmt, und ob das Bezirksamt Eimsbüttel dem Gutachten deshalb vorbehaltlos hätte zustimmen müssen. Der Anwalt, der für seinen Einsatz für verprellte Mieter bekannt ist, derzeit auch die Bewohner der Häuser Hegestraße 46 a-f vertritt, hat es hier allerdings nicht mit einem Hauseigentümer zu tun, der nur Gewinnmaximierung im Sinn hat.

Die Vermieterin der Häuser Brodersweg 10-13 hat die Gebäude geerbt, pflegt ein familiäres Verhältnis zu ihren Mietern und bevorzugt Abriss und Neubau offenbar nur, weil sie selbst genau rechnen muss. Deshalb würde sie wohl davor zurückscheuen, ihre Mieter aus den Wohnungen zu klagen, sollten die sich einer Kündigung widersetzen. Sie wurde noch nicht ausgesprochen, daher, so Vetter, könnte die Vermieterin einlenken. Ebenso wie Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke, mit dem Vetter demnächst ein Gespräch über die Häuser am Brodersweg führen wird. Die Empörung der Mieter und vielleicht auch das laute Echo in der Presse scheinen den Bezirkschef zu beunruhigen.

Mieter misstrauisch

Derweil rücken in den betroffenen Häusern Handwerker an und erkundigen sich überall nach statischen Mängeln, wollen Stützen einbauen. Heinrich Sick (75), einer der ältesten Mieter, ist misstrauisch. „Die wollen Panik erzeugen, damit wir schnell ausziehen“, vermutet er. Es bleibt spannend am Brodersweg. Das Schicksal der vier alten Häuser ist womöglich noch nicht besiegelt. (ch)
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