Hamburg: Die „Insel“ rockt jetzt

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Mathias Plate hat Gespür für ausgefallene Kunst und hatte die Ideen für die Wandblechschilder
 
Elvis-Double Shelvis sorgte mit seinen Songs für super Stimmung Fotos: Grewe

Neues „Rockabilly Café“ bei Pflegen & Wohnen mit Spenden finanziert

Von Elke Grewe
Hamburg. Als Elvis-Double Shelvis zum Song „Love me tender“ einen gekonnten Hüftschwung darbot, legten die älteren Herrschaften im Seniorenheim Pflegen & Wohnen Alsterberg eine flotte Sohle aufs Parket. Die Stimmung war total ausgelassen, alle waren richtig gut drauf. Und für diese Fröhlichkeit gab es auch einen ganz besonderen Grund: Die „Insel“, eine Wohngruppe für jüngere, pflegebedürftige Menschen im Alter von 30 bis zirka 60 Jahren hatte sich einen Herzenswunsch erfüllt: Nach einem Jahr intensiver Planungen und Umbauten konnte der neue Aufenthaltsraum der Alsterberger „Insel“ endlich eingeweiht werden. Und dieser Raum hat mit den ursprünglichen, mit Blümchentapete ausgestatteten vier Wänden, nichts mehr gemeinsam. Eine Musikbox, eine Bar, schicke Retromöbel und züchtige Pin Up-Bilder aus der damaligen Zeit versetzen die Bewohner in die Zeit des Rock ’n‘ Rolls.

Der Name für den neuen peppigen Aufenthaltsraum war auch schnell gefunden: Er wird „Rockabilly Café“ genannt. Rockabilly ist eine Spielart des Rock ’n‘ Rolls. Sie entstand Mitte der 1950er Jahre, als junge Musiker in den amerikanischen Südstaaten den ‚Rhythm and Blues‘ der Farbigen auf ihre Art und mit den ihnen vertrauten Instrumenten neu interpretierten und mit Country-Musik vermischten. 1954 hat Elvis Presley die ersten Rockerbilly-Stücke auf Schallplatte aufgenommen. Die Blütezeit des Rockerbilly war von 1954 bis 1956. „Die Anschaffung des neuen Cafés hat natürlich viel Geld gekostet“, sagt Sandra Rachowitz, Direktorin von Pflegen & Wohnen. „Und alles wurde mit Spenden finanziert“, erzählt sie stolz. Dank des Engagements des Freundeskreises Alsterberg e.V., einer großzügigen Spende der Bezirksamts Nord und des Lions Clubs sowie vielen privaten Spenden sind über 7.000 Euro zusammengekommen. Geschäftsführer von Pflegen & Wohnen, Thomas Flotow, würdigte in seiner Dankesrede die gute Zusammenarbeit von privaten und öffentlichen Trägern.

Haifischbar folgt

„Viele fleißige Hände trugen zur Realisierung des ,Rockabilly Cafés‘ bei“, betonte Elke König vom Freundeskreis, der bei Pflegen & Wohnen mit vielen Arbeitskreisen aktiv ist. Die Initiative ging aber von den Bewohnern selbst aus. Tom Wassermann, der seit vier Jahren im Pflegeheim lebt, einst als Hydraulik-Experte arbeitete, hatte schon immer einen Faible für ausgefallene Einrichtungsideen. Ihm haben alle das Konzept für die Gestaltung zu verdanken. „Ich habe einfach Spaß am Einrichten. Der Raum ist toll geworden!“, sagt er erfreut.

Auch Mathias Plate, seit 2013 hier, hat viele originelle Ideen. Von ihm stammt die Auswahl der Blechschilder. Für die pflegebedürftigen, teils noch jungen Menschen, die zum Beispiel durch die Folgen eines Schlaganfalls auf die Hilfe Anderer angewiesen sind, sollte so ein persönlicher Wohlfühlort entstehen. Das dies gelang, dafür danken sie auch Jens Schweer vom Freundeskreis. Er hat in unendlicher Mühe die stilechten Möbel und Accessoires der 50er Jahre bestellt: „Aus Holland, England, aus ganz Europa haben wir vom Nirentisch bis zur Zapfäule, die als CD-Ständer fungiert, alles organisiert“, berichtet er. Alles selbstverständlich im originalen Retro-Stil.
Für Stärkung, nachdem das Tanzbein tüchtig geschwungen wurde, sorgten dann die kulinarischen Leckereien – natürlich stilecht mit einem amerikanisch inspirierten Fingerfood-Buffet. Direktorin Sandra Rachowitz freut sich über die positive Resonanz des neuen „Rockerbilly Cafés“ und verrät: „Auch für 2015 haben wir uns viel vorgenommen: Dann wird ein Raum auf der Demenzstation zu einer Haifischbar umgebaut!.“ Man darf gespannt sein.
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