Hamburg: „Du lebst für den Moment“

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Der Natur verbunden: Andrea Lüdke Foto: Hanke

Schauspielerin Andrea Lüdke über ihren Beruf, ihre Jugend – und Hamburg

Hamburg. „Kunst im weitesten Sinne bringt einen dazu, Bestandsaufnahme zu machen“, findet Andrea Lüdke. Zum Beispiel unter Menschen um die Vierzig, die sich die Komödie „4 nach 40“ anschauen, die gerade in der Komödie Winterhuder Fährhaus läuft. Da bleiben vier Menschen, die gerade die Vierzig überschritten haben, in einem Fahrstuhl stecken, und machen sich Gedanken über ihr Leben. Andrea Lüdke spielt eine junge Friseurin aus der früheren DDR.

„Neues Spiel, neues Glück“

Die durch viele Fernsehserien und -filme bekannte Schauspielerin (1994 bis 1997 ‚„Großstadtrevier“) ist auch immer wieder auf Theaterbühnen zu sehen. „Als Reha-Maßnahme“, wie Andrea Lüdke sagt, denn Theater bedeute Einsatz des ganzen Körpers mit vielen Lernmöglichkeiten. „Ich übernehme gern Rollen, in denen ich eine neue Fähigkeit erlerne, einen neuen Tanz, eine neue Art zu singen, jonglieren. Eben alles, was zu einem fahrenden Volk dazugehört“, erzählt die Schauspielerin und strahlt dabei übers ganze Gesicht.
Sie liebt ihren Beruf, er macht ihr sichtlich Spaß. Auch, weil der Moment zählt: „Der Moment ist unverwechselbar. Man lebt als Theaterschauspieler für den Moment.“ Und weil jeder abgelaufenen Inszenierung eine neue folgt. „Man bleibt in Bewegung. Das Schöne ist: Die Karten werden immer wieder neu gemischt. Neues Spiel, neues Glück.“ Vor der Kamera ist vieles ganz anders, insbesondere bei Serienfiguren. „Die kann man weiterentwickeln. Aber irgendwann ist auch Schluss“, findet Andrea Lüdke, die ihr Serienengagement beim Großstadtrevier selbst beendet hat. „Ich wollte damit nicht in Rente gehen“, erzählt die einstige Dauerpolizistin.
Am Film schätzt sie die Möglichkeit, Gesichter groß in Szene zu setzen. „Da kann ich das Entstehen eines Gefühls im Gesicht genau beobachten. Im Theater geschieht das mit dem ganzen Körper“, vergleicht die Schauspielerin.
In „4 nach 40“ kommt ihr bei der Gestaltung der Rolle auch ihre Vergangenheit zugute. Andrea Lüdke wuchs in einem Dorf in Sachsen-Anhalt nahe der innerdeutschen Grenze auf und konnte Regisseur Jochen Busse einige Tipps geben. „Eine Friseurin aus dem Osten hat zwei Farben in den Haaren und sie rappt nicht, sondern liebt Schlager“, weiß Andrea Lüdke aus ihrer Jugend. Und der gewalttätige Freund kann niemals Franz heißen, wie im Original des Stücks, sondern „Micha oder Ronny“. Ihre Ratschläge wurden übernommen.

„Weggeträumt“

In der DDR der 1980er Jahre entstand ihr Wunsch zum Theater zu gehen. „Ich habe mich weggeträumt“, erzählt Andrea Lüdke. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Praktikum am Theater der Altmark in Stendal. „Ich wurde als Bühnentechniker eingestellt, war aber auch Garderobiere, Souffleuse und Regieassistentin.“ Ab und zu sprang sie in kleinen Rollen ein – und wollte danach nur noch Schauspielerin werden. Die legendäre Schauspielhochschule „Ernst Busch“ in Ost-Berlin nahm sie. Anschließend bekam sie ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater.
Im Juli 1989 hielt sie es in der DDR nicht mehr aus, reiste aus, nachdem sie angegeben hatte, direkte Verwandte in der „BRD“ zu haben, landete in Hamburg und hatte schon im November ein Engagement am Deutschen Schauspielhaus. Hamburg wurde ihre Heimat, auch weil sie hier ihren Ehemann kennenlernte, „einen echten Hanseaten“. Mit ihm und ihren drei Töchtern lebt Andrea Lüdke im grünen Norden Hamburgs, der Natur verbunden. „Ich habe mir gerade einen Garten gepachtet. Da wachsen 25 verschiedene Fruchtsorten“, erzählt sie stolz. Zeit dafür und ihre Töchter muss sein, auch wenn die nächsten Monate bereits ausgebucht sind. (ch)
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