Hamburg: Eppendorfs neue Mitte

Anzeige
Wohnungen an der Ecke Robert-Koch-und Kümmellstraße, dahinter ein zwölfgeschossiges Bezirksamt: dieser Entwurf der Hamburger Architekten Schenk & Waiblinger gewann den Ideenwettbewerb Entwurf: Schenk & Waiblinger
 
Anwohnerin Hannelore Blaffert macht sich Sorgen um die alten Bäume auf dem Gelände der Schule St. Nikolai Foto: Hanke

Entwürfe präsentiert: Favorit sieht aktuell Bezirksamt plus 300 Wohnungen vor. Kritik von Elternvetretern der Schule St. Nikolai und von Anwohnern

Von Christian Hanke
Hamburg. Sie bekommt langsam Konturen, die neue Mitte Eppendorfs, die bereits viel diskutierte Neubauplanung auf den Flächen des Bezirks-
amtes Hamburg-Nord und der benachbarten Grundschule St. Nikolai.
Ein neues Bezirksamt, eine neue Grundschule auf kleinerer Fläche, um hier auch Wohnungen zu bauen – das ist seit einigen Jahren der Plan der Grundeigentümer (bis Ende 2013 zu 100 Prozent die German Real Estate AG, nun vor allem die Richard Ditting GmbH & Co, die über 90 Prozent der Fläche erworben hat). Jetzt liegen erste Entwürfe vor, die Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbwerbs. In zwei Kategorien konnten die 13 Architekturbüros planen, die sich an dem Wettbewerb beteiligt hatten, entweder in den bestehenden Grundstücksgrenzen oder ohne Berücksichtigung der derzeitigen Flächenaufteilung.
Die Siegerentwürfe beider Kategorien stellten Oberbaudirektor Jörn Walter, Bezirks-
amtsleiter, Harald Rösler und die Firma Richard Ditting, jetzt vor. Jörn Walters Favorit ist der Siegerentwurf ohne Berücksichtigung der Grenzen der Hamburger Architekten Schenk & Waiblinger. Das Bezirksamt erhält nach dieser Planung einen zwölfgeschossigen Neubau an der Ecke Kümmell- und Lenhartzstraße.

Neue Räume für Schule

Die Schule St. Nikolai wird demnach in neuen Gebäuden an der Robert-Koch- und der Lenhartzstraße untergebracht, die meisten Räume an der ruhigen Robert-Koch-Straße, die Turnhalle an der viel befahrenen Lenhartzstraße. Im Eckbereich Robert-Koch- und Kümmellstraße würden rund 300 Wohnungen auf 28.000 Quadratmetern gebaut.
Diese Zahlen waren ausschlaggebend für die Favoritenposition. Denn nach dem Siegerentwurf für die Fläche mit bestehenden Grenzen könnten nur rund 200 Wohnungen auf 20.100 Quadratmetern gebaut werden. Dafür hat das Dresdner Büro Rohdecan dem Bezirksamt mehr Fläche zugebilligt, das dann nicht in ein Hochhaus ziehen würde. Auch für diesen Entwurf fand Jörn Walter lobende Worte („Schönes Platz-Ensemble mit Kita“). Doch der Oberbaudirektor zweifelt daran, dass sich diese Planung wegen der geringeren Anzahl an Wohnungen rechnet.
Doch auch der favorisierte Entwurf von Schenk & Waiblinger löste nicht nur Freude aus. Das hier vorgesehene Bezirksamtshochhaus steht Jörn Walter noch zu schräg zu den benachbarten höheren Bauten. Außerdem mangelt es den unteren Stockwerken, die noch von einem weiteren Gebäude umbaut würden, an Licht, kritisierten Oberbaudirektor und Bezirksamtsleiter. „Da muss nachgebessert werden“, sagt Oberbaudirektor Walter.

Voraussichtlich 2017 geht‘s los

130 bis 150 Millionen Euro werden vermutlich zwischen Kümmell-, Lenhartz- und Robert-Koch-Straße verbaut. Aber voraussichtlich erst ab 2017. Ende 2014 könnte ein neuer Bebauungsplanentwurf für die Flächen ausgearbeitet sein. Zwei Jahre dauert die Feststellung. Die Öffentlichkeit und betroffene Behörden müssen befragt werden. „Vielleicht kann man einige Bereiche vorziehen“, hofft Nikolaus Ditting, Geschäftsführer der Richard Ditting GmbH & Co KG.
Unverändet skeptisch stehen die Mitglieder des Planungsbeirats dem Neubauprojekt gegenüber. „Wir konnten uns nicht enthalten. Darum haben wir dagegen gestimmt“, erläutert einer der Mitglieder, Kay Vogel, Anwohner aus Eppendorf, die Position des Gremiums zu den jetzt vorgelegten Entwürfen.
Hauptkritikpunkt, vor allem der Vertreter der Schule St. Nikolai: Die Grundschule, die künftig vier- statt bisher zweizügig gefahren wird, erhält zu wenig Platz, muss vor allem auf Außenflächen verzichten. Ärgerlich für die Schule, die dringenden Erweiterungsbedarf hat. Ein Plan zur Vergrößerung liegt bereits vor und könnte sofort umgesetzt werden. Entsetzt über den möglichen Abriss von Schule und Bezirksamt ist Anwohnerin Hannelore Blaffert. „Das ist ein uraltes Stück Eppendorf. Früher waren hier Schrebergärten. Die Bäume auf dem Schulgelände stehen schon sehr lange“, erzählt die Baum- und Vogelfreundin, die nun um die Bäume fürchtet. „Damit ginge ein Stück Lebensqualität verloren. Ich finde
es falsch, gewachsene Einrichtungen dem Wohnungsbaufieber zu opfern.“ Wohnungsbaufieber – eine neue Vokabel, die Bürgermeister Olaf Scholz gefallen dürfte. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige