Hamburg: Fußball-WM-Mix im „Windschirm“

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Bombenstimmung im Windschirm beim Spiel Deutschland gegen Ghana – trotz UnentschiedenFotos: Gehm
 
Britta Barth findet es super, dass Jung und Alt hier gemeinsam Tore feiern

Kneipe ist einer der Top-Treffpunkte im Stadtteil. Publikum sehr gemischt

Von Dagmar Gehm
Hamburg / Rotherbaum. „Tooor für Deutschland!“ Fähnchen werden geschwenkt, wildfremde Menschen fallen sich in die Arme. Generationsübergreifend. So weit, so normal während der Fußball-WM. Doch im Wirtshaus Windschirm, mit vier Screens innen und einem Großbildschirm auf der Terrasse, ist vieles anders. Da ist auf der einen Seite die „Kaschmir-Fraktion“ vom feinen Viertel Rotherbaum. Anwälte, Banker, Professoren von der Uni, Schauspieler von den Kammerspielen, Sprecher vom NDR. Als Kontrastprogramm lassen die Jungs vom Kiez ihre Muckis spielen.
Doch zwischen Manager und Malocher, zwischen Kunsthändler und Kiezgröße, zwischen Rentner und Studi gibt es keine Berührungsängste. König Fußball vereint sie alle. Hausmakler Jochen Riechert: „Mit Bezirkspolitikern habe ich hier ebenso schon debattiert wie mit einem ,liebenswerten` Ex-Knacki.“
60 Plätze gibt es innen, noch mal 70 im Biergarten. „Drei von vier Besuchern sind Stammgäste“, freut sich Inhaberin Petra Grünberg. 2003 hat die Architektin das Lokal samt großer Terrasse gepachtet. Endgültig in das heißeste Fußball-Lokal Hamburgs hat es ihr Geschäftsführer Olaf Girmes verwandelt: „Während der Relegationsspiele wurde der Windschirm von der Internet-Fangemeinde des HSV zur beliebtesten HSV-Kneipe gewählt.“
„Für unsere Gäste sind wir ein zweites Wohnzimmer“, sagt Petra. „Inklusive Heimkino.“ Und das bei günstigen Preisen und leckerem Essen. Sie zaubert hausgemachte Suppen, Croques, Chili con Carne. An einigen WM-Tagen gibt es Spanferkel satt mit Kraut und Kartoffelsalat. Dazu ein frisch gezapftes Bier vom Fass. „Die gute Küche schmeckt mir“, bestätigt Heilpraktiker Thorsten Burchard. „Dazu gibt es ausgezeichnete Weine, die man auch draußen genießen kann.“
Kontakt findet man in Windeseile im Windschirm, denn bei Weinproben, Oktoberfest, Halloween und Fasching werden auch Neulinge gleich mit eingespleißt. Wie Luftsicherheitsassistentin Sabine Herziger, die vorher nicht sonderlich an Fußball interessiert war. Inzwischen findet sie „die Stimmung hier klasse – besonders zur WM!“ Rau, aber herzlich ist der Ton in diesem schnörkellosen Ambiente. Dazu trägt auch Kellnerin Maria mit bei, die ziemlich viele Bierkrüge stemmen kann, fast jeden Gast mit Namen begrüßt und einige mit Wangenkuss.
Voller Inbrunst singt Wolfgang Schuster die deutsche Nationalhymne mit. Der Filialleiter einer Firma für Sicherheitsbedarf: „Während der WM schaue ich mir hauptsächlich die ‚Schlandspiele´ an. Da mein Laden nur zwei Häuser entfernt ist, kann ich mir auch mal ein Extrabier genehmigen.“ Nachbar Henning Brandis erscheint mit schwarz-rot-goldenem Hut und kreativem Shirt - Marke Eigenbau. Der Stammgast findet es „deutlich attraktiver“, die WM mit Freunden als alleine im stillen Kämmerlein zu gucken. Ein Trikot mit „Hummels 5“ trägt Britta Barth: „Ich finde es herrlich“, sagt die Hamburgerin, „dass hier Jung und Alt zusammen Fußball gucken.“ In diesem Hamburger WM-Hotspot, wo es beim Deutschlandspiel gegen die USA am 26. Juni hoffentlich wieder „Tooor für Deutschland!“ heißt.

„Windschirm“,
Hallerplatz 8,
Geöffnet: tgl. 13 Uhr
bis open end,
freitags ab 11 Uhr
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