Hamburg geht gegen Leerstand vor

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Wohnungsleerstand in diesem Haus in der Lichtwarkstraße Foto: wb

Bezirkschef Falko Droßmann will Wohnungen zwangsvermieten

Eppendorf Zum ersten Mal will ein Hamburger Bezirkschef richtig hart gegen einen Leerstands-Vermieter durchgreifen, indem er ihm schlicht sein Eigentum entzieht. Falko Droßmann (SPD) vom Bezirksamt Mitte will Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus in Hamm, die seit 2012 leer stehen, zwangsvermieten. Die Sanierungskosten soll der Eigentümer tragen. Ein Beispiel, dass auch im Bezirk Nord Schule machen könnte? Leerstand gibt es hier auch. Etwa in der Lichtwarkstraße 4. Hier wuchert das Grün im Vorgarten ungebremst. Leere Flaschen liegen herum. Der hintere Garten gleicht einem Dschungel. Auch aus der Dachrinne sprießt schon Pflanzengrün. Keine Frage: hier verfällt eine schöne Villa. Die Nachbarn sind beunruhigt. „Das Haus ist uns schon seit langem ein Dorn im Auge“, berichtet eine langjährige Bewohnerin der Lichtwarkstraße. „Leerstand seit Juni 2014“, klärt das Bezirksamt Hamburg-Nord über Haus Nr. 4 auf. Zuletzt wurde es von einer Agentur aus dem Medienbereich genutzt, deren Schild noch am Eingang befestigt ist. Schon seit der Jahrtausendwende soll das Haus nicht mehr bewohnt worden sein, so eine Nachbarin, die auch etwas über die Besitzerin sagen kann. Sie soll gleich um die Ecke in einer Villa, nach Informationen von Nachbarn, im Keller wohnen. Auch dieses Gebäude macht keinen sonderlich gepflegten Eindruck. Die Eigentümerin wurde schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen. Sie reagiert nicht auf Anfragen des Bezirksamtes. Andere Anwohner vermuten, dass sie nicht mehr in der Heilwigstraße wohnt. Bis auf Räume im Erdgeschoss, die an die Zahnarztpraxis aus dem Nebenhaus vermietet sind, wirkt das Haus ungenutzt. Laut Informationen aus der Nachbarschaft wird, seitdem die Agentur ausgezogen ist, in der Villa Lichtwarkstraße 4 „kein Handschlag mehr gemacht.“ Vorher wurde noch ein Gärtner gesichtet. Die Nachbarn wünschen sich ein Eingreifen des Bezirksamtes „im Interesse der Öffentlichkeit“. „Überall fehlt Wohnraum“, so eine Anwohnerin, „Hier könnten Geflüchtete einziehen.“ Das Bezirksamt müsse erst eingreifen, wenn eine „Gefahrenlage“ von dem Haus ausgeht, wie zum Beispiel durch den Verfall der Bausubstanz. „Das könnte Menschen, die in dem Haus nächtigen, gefährden“, berichtet Katja Glahn, die Sprecherin des Bezirksamtes Hamburg-Nord. So weit ist der Verfall aber noch nicht fortgeschritten. Die Abteilung Wohnraumschutz des Bezirksamtes, die dafür sorgt, dass leerstehender Wohnraum wieder bewohnbar gemacht wird, ist aber bereits tätig geworden, so das Bezirksamt. Der Wohnraumschutz kann Bußgelder gegen Vermieter in empfindlicher Höhe verhängen. Über den derzeitigen Stand in dieser Angelegenheit dürfe das Bezirksamt aber keine Auskunft geben. (ch)
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