Hamburg: Genervt vom Bunker-Abriss

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Blick aus der Wohnung von Susan Lohrey in der Geibelstraße auf den angefrästen Bunker in der Forsmannstraße 10 Fotos (3): Flüß
 
Robert Schäfer (48) und Elke Höök (57): „Wir fühlen uns wie in einem Baustellen-Sandwich - eine vorne, eine hinten“

Nachbarn klagen über Staub und Lärm. Baufirma: Erschütterungen unterhalb der Grenzwerte

Hamburg. Frust in der Forsmannstraße und den Straßen rund um den Bunker, der für den Bau von 38 Eigentumswohnungen und 26 Tiefgaragenstellplätzen abgerissen wird: „Es hört sich an, als würde permanent ein Güterzug durch die Wohnung fahren. Die Lärmbelästigung und Vibrationen sind sehr unangenehm, ich bekomme davon Kopfschmerzen“, so Journalist Peter Gsellmann (62), der im Nachbarhaus des Bunkers wohnt und arbeitet.

Susan Lohrey aus der Geibelstraße will kein Fenster mehr öffnen, „weil ich sofort Staub beim Atmen in den Mund bekomme.“ Doppelt hart trifft es Elke Höök (57) und Robert Schäfer (48) aus der Forsmannstraße 7: „Wir sind sozusagen ein Baustellen-Sandwich. Die Fenster nach vorne können wir wegen des Abbruch-Lärms und der schlechten Luft nicht öffnen, nach hinten raus ist es laut, weil der Hinterhof mit einem Luxus-Mehrfamilienhaus verdichtet wird.“

Die zuständige Baufirma kennt das Problem: „Gerade in Altbauten, die ansonsten sehr ruhig von äußeren Einflüssen gelegen sind, reichen häufig schon kleine Erschütterungen, um die Bewohner zu beunruhigen. Bisherige Messungen haben aber bestätigt, dass sich die Intensität der Erschütterungen weit unterhalb der zulässigen Grenzwerte befinden“, so Charly Gretemeier, Mitarbeiter der Otto Wulff GmbH.
Die Bürgerinitiative „Unser Mühlenkamp“, die Abriss und Neubau grundsätzlich befürwortet, fordert, dass ein Transparent mit einer Bürger-Sorgentelefonnummer am Bau angebracht wird. Initiativensprecher Bernd Kroll: „Dann können die betroffenen Nachbarn sofort die Verwaltung benachrichtigen, wenn es mal wieder Ärger geben sollte.“

Ulrike Sparr, Bezirksabgeordnete der Grünen, hat Verständnis für die Anwohner, betont aber: „So etwas geht nicht ohne Erschütterungen, Lärm und Staub ab. Mein Eindruck ist aber, dass das Bezirksamt ziemlich genau hinschaut.“ Dazu habe ein Runder Tisch beigetragen, der nach einem Antrag der Grünen im November 2013 gegründet worden war.

Nachdem Anfang Mai aus etwa 20 Metern Höhe Betonstücke gestürzt waren und zwei Autos beschädigt hatten, erhöhte die Baufirma Wulff das Gerüst inklusive Plane. „Der Bauherr hat Sorge dafür zu tragen, dass niemand zu Schaden kommt“, sagt auch Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD).
Bis etwa Ende Juli soll der oberirdische Abbruch abgeschlossen sein. Christoph Ploß, Ortsvorsitzender der CDU Winterhude, mahnt, die Belastungen für die Anwohner gering zu halten: „Auch wenn wir Wohnungsbau in Hamburg benötigen, darf dies nicht zu unerträglichen Belastungen für Anwohner führen. Hier geht der Senat leider oftmals zu unsensibel vor. Wenn sogar Steine auf Autos fallen, ist eine Grenze überschritten. Hier muss der Senat sofort eingreifen!“

Bauherr Wulff informiert auf www.forsmannbunker10.de im Internet über den Fortgang der Bauarbeiten. Bei der Bürger-Initiative Wir sind Winterhude ist man unterdessen verärgert über einen pikanten Vorfall: Demnach hatte ein Immobilien-Experte ein Treffen der Initiative besucht, die Informationen daraus an Wulff weitergegeben und von dort an das Fachamt Bauprüfung im Bezirksamt Nord.

„Der Bericht eines Mitarbeiters von Otto Wulff hat keinen Einfluss auf Entscheidungen von Bezirksamtsmitarbeitern“, betont indes Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Die Existenz des Berichtes war auf eine erste Anfrage der Fraktion die Linke vom 28. April vom Bezirksamt zunächst verneint wurden, in der Antwort auf eine zweite Anfrage vom 19. Mai wurde er bestätigt aber als „privat“ bezeichnet.
Die gesamte Bauphase soll knapp zwei Jahre dauern. (flü)
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