Hamburg: Helma springt ein

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Helma Precht holt Jonas (6, links) und Jakob (4) von der Schule ab Fotos: Flüß
 
Jakob, Jonas und Helma haben Spaß auf dem Heimweg

„Feuerwehr-Omas-und -Opas“ entlasten Familien

Eppendorf Jakob (4) und Jonas (6) lecken glücklich an großen Eiskugeln. „Rot schmeckt am besten“, findet Jonas. Wenn Oma die beiden Brüder aus der katholischen Vor- und Grundschule St. Antonius in Winterhude abholt, gibt es auch mal was Süßes. Dabei ist Helma Precht gar nicht die richtige Oma, sondern unterstützt die Eltern von Jakob und Jonas, damit diese auch mal Zeit für sich haben. Seit vier Jahren ist Helma Precht schon als „Feuerwehr-Oma“ im Verein Jung und Alt aktiv. Für insgesamt fünf Familien ist die herzlich-resolute 73-Jährige im Einsatz. Jakob und Jonas Werner betreut sie von klein auf und ist so zu deren dritter Großmutter geworden.

Gute Nerven nötig

„Ich habe selber vier Kinder und hatte immer Hilfe. Man braucht so gute Nerven mit Kindern und ist auch einfach mal froh, alleine zu sein“, weiß sie. Mutter Eva-Maria Werner weiß das zu schätzen: „Mein Mann und ich haben so zwei Mal im Monat Zeit für uns“, freut sie sich. Dann steigt Helma Precht in Dehnhaide in die U-Bahn und fährt zur St. Antonius Schule, um „ihre“ Jungs abzuholen. Von dort geht es zusammen weiter ins Zuhause von Familie Werner nach Klein Borstel. Dann wird zusammen gegessen, was Mutter Werner vorbereitet hat und der Tag bis zum Abend gemeinsam verbracht. „Heute hab ich keine Hausaufgaben, da können wir spielen. Und es gibt Kuchen, den hat Mama gebacken“, freut sich Jonas. Helma Precht hat die Jacken der beiden Jungen in ihre große Tasche gesteckt. „Die Kinder suchen sich aus, was sie spielen möchten. Ich denke mir auch etwas aus, aber sie setzen sich immer durch. Und das ist auch gut, denn in der Stadt werden Kinder ja immer durch Termine und anderes gedrosselt.“ Helma Precht nimmt ihre Aufgabe sehr ernst, konzentriert sich voll auf die Kinder und macht sich vorher immer ein Konzept für den Tag. „Das ist auch anstrengend. Ich bin froh, wenn ich mal Freizeit habe“, sagt die gelernte Hotelfachfrau.
Mehr als 150 Freiwillige im Oma-Hilfsdienst aktiv. Als Oma-/Opa-Feuerwehr betreuen sie Kinder kurzfristig in Notsituationen, wenn die Kita streikt, Magen-Darm-Viren zugeschlagen haben, die Tagesmutter ausfällt oder die Mutter selbst krank wird. „Für diese Fälle haben wir jeden Morgen in der Woche von 7 bis 8 Uhr einen Notdienst und vermitteln Helfer“, erzählt die Wandsbekerin Beate Schmidt, die den Oma-Hilfsdienst 1979 gründete und heute zweite Vizepräsidentin des Vereins Jung und Alt ist. „Ich komme aus einer gut funktionierenden Großfamilie und habe bei meinen Töchtern im Kindergarten gesehen, dass das nicht normal ist“, erzählt Schmidt über die Initialzündung für ihr Projekt, in dem Junge und Alte sich auch ohne familiäre Bindung unterstützen.

Betreuung bis 15 Tage

Dank der Oma-/Opa-Feuerwehr können Kinder in Notfällen bis zu 15 Tage am Stück betreut werden. Aber auch zur stundenweisen Entlastung der Eltern, zum Spielen, Spazierengehen und zur Hausaufgabenhilfe sind die Senioren da. „Die Überzahl der Freiwilligen ist weiblich, aber die wenigen Herren sind sehr beliebt“, erzählt Schmidt, die sich über weitere Ehrenamtliche freut. Eltern, die sich Unterstützung wünschen, zahlen einen Monatsbeitrag von 25 Euro sowie das Fahrgeld für ihre Oma oder ihren Opa. „Ein Dankeschön können sie dann je nach Herz und Portemonnaie vor Ort geben“, so Schmidt, deren Freiwillige 2013 mehr als 1.500 Mal im Einsatz waren.

Alle weiteren Informationen bei Jung und Alt e.V., Tel.: 251 77 33, jaz-ev.de. Auch Spenden für die generationenverbindende Arbeit sind willkommen. (flü)
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