Hamburg: „Hohe Luft“ vor dem Galgen

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Autor Klaus Tornier schrieb ein Buch über die Geschichte des Stadtteils

Hamburg. Ein neues Buch über Hoheluft gibt ein vielfältiges Bild von dem Stadtteil zwischen Eppendorf und Eimsbüttel. Hoheluft ist ein eigenartiger Stadtteil. Er besteht eigentlich aus zwei Stadteilen, die zu zwei verschiedenen Bezirken gehören. Hoheluft-Ost, zwischen Hoheluftchaussee und Eppendorfer Baum gelegen, zählt zum Bezirk Hamburg-Nord, Hoheluft-West dagegen, Hamburgs flächenmäßig kleinster Stadtteil, wird vom Bezirk Eimsbüttel verwaltet. Die Hoheluftchaussee ist die Hauptstraße beider Stadtteile. Sie bildet nämlich die Grenze zwischen ihnen. Das ist nur eine Besonderheit der Gegend zwischen Eppendorf und Eimsbüttel, die weit weniger bekannt und berühmt ist als diese beiden Stadtteile. Dabei hat Hoheluft so einiges zu bieten, das größte „Gängeviertel“ in der berühmten Hamburger Terrassenbauweise, zum Beispiel, die Falkenried-Terrassen, oder das älteste große Fußballstadion Hamburgs, das Stadion des SC Victoria, in dem das erste Länderspiel in Hamburg stattfand (1911), und es hat dieselben schönen Altbauviertel wie die berühmten Nachbarn.
Dieses und vieles mehr ist nachzulesen in dem neuen Buch über Hoheluft, das jetzt erschienen ist. Klaus Tornier, ehemaliger Pressesprecher der Universität, hat in seinem Paperback „Hamburg-Hoheluft. Der Jahrhundert-Stadtteil“ die Geschichte des Stadtteils oder der beiden Stadtteile genau nachgezeichnet und schildert viele einzigartige Begebenheiten und Örtlichkeiten aus dem Osten und dem Westen dieser Region. Hier stand die größte Wagenbauanstalt Hamburgs und Oscar Troplowitz baute Beiersdorf zur Weltfirma aus. Hoheluft kann sich mit seinen namhafteren Nachbarn Eppendorf und Eimsbüttel durchaus messen.
Aber Hoheluft ist viel jünger als die bekannteren Nachbarn. Klaus Tornier fand den Namen erst auf einer Karte aus dem Jahre 1810. Vorher finden sich die Bezeichnungen „Veerendeel“ oder „beim Fehrendehl“ für die Gegend, die kaum bewohnt war. 1847 lebten in Hoheluft rund 40 Menschen.
Sowohl der alte wie der neue Name der Ansiedlung zwischen Eppendorf und Eimsbüttel haben möglicherweise eine grausigen Hintergrund. Auf der Grenze zwischen Hoheluft und Lokstedt stand in alten Zeiten ein Galgen. Die zum Tode verurteilten Zeitgenossen genossen hier „hohe Luft“ und da einst als Abschreckung ein Teil eines geviertelten Verbrechens an den Galgen gehängt wurde, setzte sich der Name „Veerendeel“, ein vierter Teil, für die Gegend durch.
Bebauung, Verkehr, Wirtschaft, Kinos, Schulen, Ladengeschäfte, Geschichte, Medien - Klaus Tornier hat sich in seinem Buch vieler Aspekte und Bereiche des Stadtteils angenommen. „An jeder Ecke gibt es etwas Interessantes zu berichten“, findet der Autor, der übrigens selbst nicht im Stadtteil wohnt, sondern im nördlich angrenzenden Lokstedt. „Aber ich bin immer durch Hoheluft durchgekommen und habe dabei gesehen, wie vielschichtig der Stadtteil ist“, erzählt Tornier, bei dem das Schreiben über Hoheluft schließlich zur „fixen Idee“ wurde. Drei Jahre hat er recherchiert und dabei auch Überraschendes gefunden. Eine Orgelbauanstalt gab es in der Hoheluftchaussee und eine Synagoge in der Gärtnerstraße. Und heute gibt es in Hoheluft acht (!) Buchhandlungen. Dort ist Torniers Hoheluft-Buch für 19.95 Euro zu haben. Nur in den beiden Antiquariaten noch nicht. (ch)
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