Hamburg: Mäzene in Sicht

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So schön soll’s wieder werden: Die imposante Innengestaltung lockte die meisten Zuschauer, die in Deutschland ein Naturkundemuseum besuchten, in das alte Naturkundliche Museum am Hauptbahnhof Repro: Hanke
 
Uni-Präsident Professor Dr. Dieter Lenzen (l.) und Professor Matthias Glaubrecht, der Leiter des neuen Centrums für Naturkunde Foto: Hanke

Centrum für Naturkunde geplant – aber zahlt die Stadt den laufenden Betrieb?

Von Christian Hanke
Hamburg. Die Universität Hamburg hat ein Centrum für Naturkunde (CeNak) gegründet, um die naturkundlichen Sammlungen der Uni mit dem Ziel der Gründung eines Naturkundemuseums unter einer Leitung zusammenzufassen.
Damit knüpft Hamburg endlich an die Tradition des 1943 durch Bomben zerstörten Naturkundlichen Museums am Hauptbahnhof an. Die naturkundlichen Sammlungen der Universität umfassen rund 10 bis 12 Millionen Objekte. Einige sind in den drei Museen zu sehen, die nun im neuen Centrum für Naturkunde zusammengefasst werden: das Zoologische Museum am Martin-Luther-King-Platz 3, das Mineralogische Museum an der Grindelallee 48 und das Geologisch-Paläontologische Museum im Geomatikum, Bundesstraße 55.

Ein Leiter ohne Museum

Wann das geplante Naturkundemuseum wo eröffnet werden wird, ist zwar noch unklar – aber einen designierten Leiter hat es schon. Der Biologe Professor Dr. Matthias Glaubrecht, gebürtiger Hamburger und derzeit Kurator für Weichtiere am Berliner Naturkundemuseum, wurde kürzlich in dieser Funktion vorgestellt. Er wird zunächst die Leitung des Zoologischen Museums übernehmen. „Professor Glaubrecht hat eine klare Vorstellung, wohin sich die Sammlungen entwickeln sollen“, lobte Professor Dr. Dieter Lenzen, der Präsident der Universität, den CeNak-Leiter bei dessen Vorstellung. Ein neues Naturkundemuseum, das an die Bedeutung des alten anknüpfen soll, ist das Ziel.
Das alte am Steintorwall, dort gelegen, wo sich heute ein bekanntes Technikkaufhaus befindet, war das zweitgrößte in Deutschland, aber das meistbesuchteste. Das lag an der spektakulären Innenausstattung mit mehreren Stockwerken und umlaufenden Galerien, in deren Mitte Skelette von Walen und Präparate großer Tiere aufgestellt waren. „Große Teile der Trockensammlungen wurden zerstört, unter anderen auch das Skelett einer schon ausgestorbenen Seekuh“, erzählte Professor Glaubrecht bei seiner Vorstellung.

„Die Stadt entzieht sich“

Das künftige Naturkundemuseum sieht Glaubrecht als Kulturgut mit dem Auftrag zur Wissensvermittlung, aber auch als „dynamische Forschungseinrichtung“. Insbesondere der Biodiversität will sich der künftige Leiter widmen, um die genetische Vielfalt, die Artenvielfalt und die Viefältigkeit der Ökosysteme weiter zu erforschen. Insbesondere unter den allerkleinsten Lebewesen werden noch viele unbekannte Spezies vermutet.
Der Standort und die Finanzierung des geplanten Naturkundemuseums sind noch völlig offen. Freiflächen in der Hafencity, am Alsterufer oder im Rahmen des Umbaus der Universität im Bereich Von-Melle-Park zählen zu den ersten Möglichkeiten, die in Erwägung gezogen werden. Finanzstarke Mäzene zeigen offenbar schon Interesse Bau und Einrichtung des Museums zu unterstützen. Das größte Problem dürfte wohl die Unterhaltung des Museums durch die Stadt Hamburg werden. „Die Stadt entzieht sich. Aber es ist ihre Aufgabe“, berichtet Matthias Glaubrecht. Noch ist das Naturkundemuseum also nur eine schöne Idee.
Immerhin gäbe es in den nächsten Jahren vier Jubiläen, die zu einer Eröffnung passen würden: das 125. Jubiläum der Eröffnung des alten Naturkundemuseums 2016, das 75. der Zerstörung dieses Museums und das 175. des Gründungsvertrages des Hamburger Senats mit dem Naturwissenschaftlichen Verein zur Gründung des Museums 2018. Am besten aber würde 2019 passen. In diesem Jahr feiert die Universität ihr 100jähriges Bestehen.
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