Hamburg-Motive in Letterprint

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Wie geht Letterprint-Kunst an der alten Druckerpresse? Achim Wittrin gibt auch Workshops Foto: Haas

Achim Wittrin betreibt in der Hansestadt einzigartige Letterpress-Kunst auf alten Druckerpressen

Eppendorf Massivholz beherrscht die Ladeneinrichtung, ein einladender Tisch mit Retro-Telefon, eine antike Schreibmaschine – neben einer Vielzahl von außergewöhnlichen Druckwerken. 1400 Motive von Hochzeitskarten machen das Lokal zu einem Magneten für Heiratswillige. Auch andere Kunden wissen den persönlichen Service zu schätzen. Tischkarten, Postkarten oder humorvolle bis nachdenkliche Sinnsprüche auf Plakaten sind Hingucker. Die Druckwerke auf edlem, mitunter handgeschöpftem Papier, auf Jutetaschen und sogar auf Stücken aus Treibholz bestechen gerade, weil sie abweichen von dem, was Computer hergeben.
Seit 1977 betreibt Achim Wittrin, 68, den Laden „Die Drucker“ am Eppendorfer Markt 10. Im Geburtsjahr seines Sohnes wird der aus Kiel stammende Schriftsetzer sesshaft, macht sich selbständig mit einem Handwerk, das er – frühen Unkenrufen zum Trotz – bis heute erfolgreich betreibt. Denn er verbindet modernen Offset-Druck mit alter Handwerkskunst. Davon zeugen zwei über 100 Jahre alte Druckerpressen, im kürzlich eröffneten Letterprint-Laden um die Ecke, an der Ludolfstraße. Schon der eigentümliche Duft der Druckfarbe verrät hier, dass Wittrin diese altehrwürdigen Schaustücke bis heute als Arbeitsgeräte nutzt. „Die kommen noch ganz ohne Strom aus“, betont der Letterdrucker stolz und weist auf den Pedalantrieb. Die alten Setzkasten-Regale daneben sind gefüllt mit beweglichen Buchstaben – Blei-Lettern verschiedener Schriftarten und Größen. Wittrin schwärmt besonders von den großen Lettern aus Holz, deren Maserung ein gewollt unregelmäßiges Druckbild erzeugt.
Bevor Schriftsetzer Achim Wittrin mit seinen Kreationen ans Werk geht, ist er auch Texter: Sprichwörter oder Redensarten wandelt er tiefsinnig und humorvoll ab, bevor er sie mit antiken Lettern kunstvoll setzt und druckt. Jedes Plakat hat eine Geschichte. „Nur das Ziel ist im Weg“ etwa stammt von einer Passantin, die ihm ihren Einfall vermachte. Auch die handgedruckten Jutetaschen finden reißenden Absatz, besonders die mit Eppendorf- oder Hamburg-Motiven. Auch Wittrins Weihnachtskarten sind begehrt, mehrfach wurden sie mit Design-Preisen ausgezeichnet. Unterstützt von vier Mitarbeitern und zwei Aushilfskräften bei Messen kann der Chef in seinem Letterprint-Laden auch als offizieller Rentner seine „Lebens-Art“ pflegen: „Hier will ich arbeiten, bis ich 90 bin“, sagt er zuversichtlich.
Ob er eine Nische erobert hat? Dagegen wehrt sich der Schriftsetzer: „Das ist keine Nische, weil wir mit Nostalgie nichts am Hut haben. Wir bieten einfach individuelle Print-Produkte – bei ungebrochener Nachfrage.“ (wh)
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