Hamburg - Peking und zurück

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Wuchs auf in der Sierichstraße, besuchte das Johanneum: der Künstler Tobias Zaft.Foto: Haas

Tobias Zaft schafft in China gigantische Werke

Winterhude. Bildende Kunst kann viel mehr sein als die Gestaltung von Flächen mit Pinsel und Farbe; das beweisen seine Objekte. Kunstvolle Illuminationen auf Hochhausfassaden etwa erscheinen mit ausgeklügelt projizierten Farben als gigantische Gemälde. Seine ausgezeichneten Werke sind oder waren bislang in China zu bewundern. Tobias Zaft, 31, lebt und arbeitet seit 2007 in Peking, zwei Stipendien ermöglichten seinen Senkrechtstart.
Doch jetzt feiert der gebürtige Hamburger eine Premiere der besonderen Art. Zum ersten Mal kann er ein Objekt in seiner Heimatstadt ausstellen – und zwar Open Air, in der Mönckebergstraße. Es fällt zwar etwas kleiner aus als seine Projekte in China, erntet dennoch großen Beifall: Ein echter Hingucker seien die mit LED beleuchteten Wäschestücke auf dem 30 Meter langen Stahlseil, so befinden Kunstkenner wie Passanten. „Mir geht es um eine Grenzüberschreitung zwischen öffentlichem und privatem Raum.“ erklärte Zaft zur Installation „Dresscode“, die noch bis zum 28. Februar auf der Mönckebergstraße zu sehen ist.
Noch vor dem großen Smog in Peking kam Tobias Zaft mit Frau Zijuan in Hamburg an. Berufstätig als Kulturmanagerin befasst sich Zijuan mit Musik- und Kunstprojekten und kann ihn tatkräftig unterstützen. Jetzt nutzt das junge Paar die Gelegenheit zu Besuchen bei der Familie und auch zu Streifzügen durch Winterhude: zum Jugendstil-Ensemble in der Sierichstraße etwa. Die großzügige Wohnung, in der Zaft hier aufwuchs, hat er noch in guter Erinnerung. Oder das altehrwürdige Johanneum, in dem er Kunst im Leistungskurs belegte, bevor er zum Studium an der Akademie der Künste nach Stuttgart zog.
Schon als Kind erfuhr er prägende Einflüsse durch seinen Vater, den Grafiker, Illustrator und Maler Edwin Zaft. „Ganz anders als im Kunstunterricht der Schule lernte ich bei ihm, mit großen Flächen zu arbeiten.“ Wichtig für seinen Werdegang sei auch der Unterricht in der Malschule am Mühlenkamp gewesen, bei Marianne Weingärtner (1917-1995).
Und wie lebt man als Künstler im Reich der Mitte? Die politische und wirtschaftliche Entwicklung gerieten zwar hierzulande oft in die Schlagzeilen, hauptsächlich weil China sich mittlerweile zu einem ernsthaften wirtschaftlichen Konkurrenten entwickelt habe, meint er zunächst achselzuckend, um dann auszuholen. „Für mich eine ziemlich inspirierende Umgebung.“ Denn aktuell herrsche im ganzen Land eine unglaubliche Aufbruchstimmung. „Die Menschen entdecken gerade erst die Kunst und stellen grundsätzliche Fragen.“ So hätte die Rede von der „Freiheit der Kunst“ früher etwas Floskelhaftes für ihn gehabt. In China dagegen bedeute sie etwas ganz Substanzielles, im positiven Sinn. Von einem grundsätzlichen Perspektivenwechsel spricht Tobias Zaft. „Meine Kunst ist zwar nicht politisch, aber ich habe angefangen mir neue Fragen vorzulegen.“
Eindrücke seiner gigantischen Kunstwerke vermittelt er auch im Internet: www.tobiaszaft.de. (wh)
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