Hamburg: Protest gegen Eppendorfs neue Mitte

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Die Kritiker (v.l.): Klaus Kolb (Kulturhaus), Kay Vogel (Bürgervertreter), Carl Schwarz (Elternrat St. Nikolai), Heidemarie Lange (Martini erLeben) und Nobert Kurzhals (St. Martinus) Foto: Hanke

Eltern und Planungsbeiratsmitglieder: Schülern von St. Nikolai würde zu viel Platz genommen

Hamburg-Eppendorf. Die geplante Neugestaltung von Eppendorfs Mitte findet nicht überall Zustimmung. Kürzlich wurden erste Pläne für Wohnungsbau zwischen Robert-Koch- Kümmell- und Lenhartzstraße vorgestellt (das Wochenblatt berichtete). Die Flächen des Bezirksamtes Hamburg-Nord und der Schule St. Nikolai müssten deshalb erheblich verkleinert werden. Gegen die Neubebauung erhebt sich Protest, vor allem von der Grundschule, die von Zwei- auf Vierzügigkeit erweitert wird und daher mehr Platz braucht.

Flächenverlust

Auch sieben der 14 Mitglieder des Planungsbeirats aus Kommunalpolitikern und Vertretern des Stadtteils lehnen das Vorhaben ab. Das Bezirksamt, das in ein neues Hochhaus an der Ecke Kümmell- und Lenhartzstraße ziehen soll, verliere die Anbindung an den Marie-Jonas-Platz als Eppendorfs Zentrum, merken die Kritiker an.
Außerdem müssten nach der derzeit bevorzugten Planung für 300 Wohnungen die meisten der 30 Bäume gefällt werden. Vor allem aber ist der Flächenverlust der Grundschule für die Bebauungsgegner nicht akzeptabel. Von den derzeit drei Innenhöfen der Schule, von denen zwei als Spielflächen genutzt werden, würde nur einer mit einer Fläche von 1.800 Quadrametern bleiben. Von Schulbau Hamburg und nach dem Musterflächenprogramm des Senats werden aber „2300 Quadratmeter frei bespielbare, zusammenhängende Schulhoffläche“ zuzüglich Kleinspielfeld, Laufbahn und Weitsprunganlage gefordert.
Laut Elternrat der Schule „liegt auf den Frei-und Bewegungsflächen ein besonderes Augenmerk“, da die Kinder „bei fast achtstündigen Unterricht und weiteren Betreuungszeiten täglich bis zu elf Stunden auf dem Gelände sind“. Fazit des Elternrats: „Anstatt differenzierte Pausen- und Freiflächen zu bieten, stellt der Entwurf jedem Kind mit insgesamt etwa vier Quadratmetern gerade so viel Platz zur Verfügung wie einem Huhn in Freilandhaltung.“

Konflikte programmiert?

„Wenn sich auf der verbleibenden Schulhoffläche 100 Kinder aufhalten, ist die Fläche gefüllt“, hat Norbert Kurzhals, Vertreter der Kirchengemeinde St. Martinus im Planungsbeirat, beobachtet. Die künftige vierzügige Schule St. Nikolai werden aber rund 460 Kinder besuchen. Da der geplante Schulneubau wegen der erheblichen Verringerung der Gesamtfläche für die Schule bis zu fünf Stockwerke hoch sein würde, befürchten Elternrat und die sieben Kritiker aus dem Planungsbeirat viel Lärm, da die Gebäude wie ein Trichter wirken würden.
„Konflikte sind programmiert“, sagt der Elternrat voraus, zumal ein Teil der geplanten Wohnbebauung direkt an den Schulhof angrenzen wird. Da die Schule St. Nikolai eine Inklusionsschule ist, dürfte es außerdem für viele Kinder in einem mehrstöckigen Gebäude schwieriger werden, die Klassenräume über Fahrstühle rechtzeitig zu erreichen.
Die entscheidende Frage für den weiteren Verlauf des Bauvorhabens ist nun, ob der Senat den Denkmalschutz für das Bezirksamt und die Schule St. Nikolai aufheben wird. Dann wären die Gebäude zum Abriss freigegeben. (ch)

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