Hamburg schafft Platz für kleine Gewerbe

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Plan-Änderungen soll Discounter, Großbetriebe und Spielhallen fernhalten

Groß Borstel/Alsterdorf. Borsteler Bogen 27: ein schmucker kleiner Gewerbehof ist in den vorigen Jahren an der Ecke mit der Stavenhagenstraße entstanden. Verschiedene Branchen sind vertreten: Handwerksbetriebe, ein Tanz-
atelier, ein Gesundheitszentrum, Designer. So wünscht sich das Bezirksamt Hamburg-Nord die Nutzung der gewerblichen Flächen im Bezirk.

Ortsverbundene Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe sollen bei der Ansiedlung auf Gewerbeflächen gefördert werden. Große Einzelhandelsbetriebe, Discounter und Supermärkte, sowie teilweise auch Vergnügungsstätten, werden nicht gern gesehen. Weil die seit einigen Jahren ein Auge auf die vergleichsweise preiswerten Gewerbeflächen geworfen haben und dortige Handwerker und kleine Dienstleister leicht verdrängen könnten.
Um diesen Trend aufzuhalten, beabsichtigt das Bezirks-
amt Hamburg-Nord 13 Bebauungspläne entsprechend zu ändern. „Wir beobachten seit einigen Jahren, dass große Filialisten mit Flächenbedarfen von 1.200 bis 1.500 Quadratmetern in unsere Gewerbegebiete drängen. Da wir im Bezirk Hamburg-Nord keine neuen Gewerbegebiete mehr zur Verfügung stellen können, wollen wir die vorhandenen für das ortsnahe Gewerbe erhalten, die auf derartige Flächen angewiesen sind“, erläutert Karsten Hinckeldeyn, zuständig für Wirtschaftsförderung im Bezirksamt Hamburg-Nord, die Intentionen der Bebauungsplanänderungen. Die regionalen Handwerker und Dienstleister wären sogar doppelt gefährdet, wenn die B-Pläne nicht geändert würden. Wenn sich Filialisten ungehindert auf Gewerbeflächen ausbreiten könnten, würden die Bodenpreise wegen der höheren Flächenproduktivität tendenziell steigen, so dass die Chancen ortsnaher Gewerbetreibender sich hier anzusiedeln weiter sinken würden. Außerdem wird der örtliche Einzelhandel durch die B-Planänderungen geschützt. „Wir wollen funktionierende Einzelhandelslagen, vor allem Inhaber geführten Einzelhandel, stabilisieren“, erläutert Karsten Hinckeldeyn.
Planänderungen
Unter anderem sind vier Gebiete aus Groß Borstel und zwei aus Alsterdorf von den B-Planänderungen betroffen:
Groß Borstel 5: rund um das frühere Strüvergelände an Stavenhagenstraße, Borsteler Bogen, Papenreye und Haldenstieg,
Groß Borstel 10: Gewerbegebiet an Sportallee und
Obenhauptstraße sowie entlang der Alsterkrugchaussee bis
zur Kreuzung Zeppelinstraße.
Groß Borstel 19 und 26:
an der Alsterkrugchaussee
und an Sportallee und Heselstücken.
Alsterdorf 7: zwischen Alsterdorfer Straße und U-Bahntrasse.
Alsterdorf 8: zwischen U-Bahntrasse, Hindenburgstraße, Rathenaustraße und Alsterdorfer Damm/Carl-Cohn-Straße.

Klage abgewiesen

Das 2010 angeschobene Bebauungsplanänderungsverfahren wird voraussichtlich in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Discounter und Supermärkte haben aber schon jetzt keine Chance mehr, sich in den besagten Gebieten anzusiedeln. Das Bezirksamt hat eine Veränderungssperre ausgesprochen. „Wer aus den auszu-schließenden Bereichen eine Baugenehmigung beantragt, wird abgewiesen“, erklärt Karsten Hinckeldeyn.
Bereits vorhandene Betriebe genießen allerdings Bestandsschutz. Rechtliche Einwendungen von abgewiesenen Einzelhandelsunternehmen werden vermutlich keine Chance auf Erfolg haben. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hatte 2012 einen Normenkontrollantrag gegen eine den beabsichtigten Neuerungen der Nord-B-Pläne vergleichbare Änderung eines Bebauungsplans in Steilshoop abgewiesen. Das Urteil wurde vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt. (ch)
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