Hamburg: Spiele aus eigener Herstellung

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Spieleautor Michael Luu (r.) testet sein Spiel „Bankrush“ mit Profi Christoph Kanzler Foto: wb

Entwickler hoffen auf den großen Durchbruch. Im Kulturhaus Eppendorf treffen sie sich zum Erfahrungsaustausch

Hamburg. Sie gehen Tage, Wochen, Monate mit einer Idee schwanger, basteln und malen an Spielbrettern, Karten und Figuren und hoffen auf den großen Wurf: Spieleautoren, Besessene, die mit ihrem neuen Gesellschaftsspiel auf Messen und von Verlagen entdeckt werden wollen. Seit kurzem treffen sich die Spielefreaks an jedem ersten Mittwoch im Monat im Kulturhaus Eppendorf zum Erfahrungsaustausch. Sieben waren zum ersten Treffen gekommen, um Christoph Kanzlers Ausführungen über die Produktion von Spielen von der Idee bis zur Vermarktung zu lauschen.

Nachwuchs testet

Kanzler, schon als Kind „begeisterter Spieler“, ist einer der wenigen, die von seinen Spielideen und deren Umsetzung leben kann. Eigentlich wollte er Schriftsteller werden, schrieb erfolglos Gedichte und auch Theaterstücke. Aus dem Stoff von einem seiner Stücke machte er dann ein Spiel - und hatte damit Erfolg. Jetzt kann er von eigenen Ideen und Auftragsarbeiten leben. Aber das dauert. „Einem Verlag reicht eine Auflage von 3.000 bis 5.000 verkauften Exemplaren zur Kostendeckung, aber der Autor braucht rund 15.000 verkaufte Spiele, ehe er etwas verdient“, rechnet der Profi vor. „Das Schönste ist das Erfinden“, erzählt Kanzler. Allerdings macht die kreative Arbeit nur rund 40 Prozent der Gesamtproduktion aus, die Entwicklung der Kernidee sogar nur zehn Prozent, schätzt der Spieleprofi. Der Bau des Prototyps ist richtig anstrengend. Wenn das erste eigene Spiel dann fertig ist, muss es unbedingt getestet werden. Christoph Kanzler geht mit Kinderspielen in Kindertagesstätten und lässt es natürlich vom eigenen Nachwuchs spielen.
Das Geschäft wird immer härter, berichtete Kanzler, aber er würde nie aufgeben. „Das ist wie ein Rausch. Das ist unvergleichbar“, schwärmt der Spieleautor, und empfiehlt trotz des umkämpften Marktes nicht nur auf die wirtschaftliche Seite zu gucken, sondern „seinem Impuls“ zu folgen.

Zur Messe nach Essen

Das machen seine Zuhörer schon lange. Die jungen Spieleautoren, die sich im Kulturhaus versammelt haben, sind oft schon über viele Jahre
begeisterte Spieler wie Shawn Graham, der den Spieleautorentreff organisiert hat. Der Literaturwissenschaftler hat schon fünf Spiele entwickelt, aber noch für keines einen Verlag gefunden. Mit den zwei neusten will er nun auf der weltweit größten Spielemesse in Essen sein Glück versuchen. „Obstkomplott“ heißt das eine, ein Kartenspiel, bei dem man seinem Mitspieler Obst abgeben, und entscheiden muss welches, denn wer gewinnen will, muss auch für sich Obst, und damit Punkte sammeln. Das zweite Spiel „Ruuuuun!“ verarbeitet eine Geschichte von Indiana Jones. Da gilt es Schätze zu sammeln.

Tresore knacken

Nach dem Vortrag von Christoph Kanzler werden die selbst entwickelten Spiele gespielt. Für Shawn Graham ein ganz wichtiger Programmpunkt der Treffen, denn nur im Spiel mit anderen kann der Autor sehen, ob seine Ideen funktionieren. Michael Luu spielt mit Kanzler sein Spiel „Bankrush“. Ein Brettspiel, bei dem die Tresore von Banken mit möglichst wenigen Werkzeugen geknackt werden müssen.
Es ist Luus erstes Spiel, das er schon viermal überarbeitet hat. „Erst war es trotz der guten Idee zu langweilig. Dann habe ich vieles hinzugefügt und es war einfach zu viel“, erzählt der junge Spieleautor, der nicht aufgibt. „Es ist mein Baby“, strahlt er.
Am Mittwoch, 1. Oktober, kommen die Spieleautoren um 19 Uhr wieder im Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13a, zusammen. Mehr Infos unter spielwerkhamburg.de. (ch)
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1 Kommentar
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Knut-Michael Wolf aus Wellingsbüttel | 01.04.2015 | 18:43  
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