Hamburg: Unruhe am Klosterstern

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Derzeit führt ein Radweg um den Klosterstern. Autofahrer übersehen oftmals beim Abbiegen die Radfahrer. Es kommt zu gefährlichen Situationen. Der Radweg könnte auf die Straße verlegt werden Foto: Sichting
 
Martina Herbolzheimer, Ladenbesitzerin am Eppendorfer Baum, ist empört über die Ideen, Parkplätze am Klosterstern zugunsten eines Fahrradstreifens aufzugeben Foto: Hanke

Baupläne auf Kosten von Parkplätzen und Bäumen? Initiative wehrt sich

Von Christian Hanke
Hamburg. Aufregung am Klosterstern: Erste Ideen über eine Veränderung der Verkehrssituation beunruhigen die Geschäftsleute am Eppendorfer Baum. Von einem Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, der auf Kosten von Parkplätzen und Bäumen im Innern des Kreisels geschaffen werden soll, ist die Rede. Die seit Jahren bestehende Gemeinschaft der Geschäftsleute am Eppendorfer Baum hat als Reaktion die Initiative Klosterstern gebildet. Sie befürchtet Umsatzeinbußen durch die Baustelle und wegfallende Parkplätze.

Geschäftsleute alarmiert

„Ich bin empört. Die Parkplatznot ist jetzt schon groß. Wenn die Kunden keine Parkplätze mehr finden, bestellen sie im Internet. Uns wird das Wasser abgegraben“, macht Martina Herbolzheimer, Ladenbesitzerin am Eppendorfer Baum, ihrem Ärger Luft. Der CDU-Bezirksabgeordnete Michael Westenberger kann die Sorgen der Geschäftsleute verstehen. „Es gab hier mit dem Radverkehr nie ein Problem“, hat er beobachtet. Für eine neue Radwegeführung Parkplätze aufzugeben, hält er für völlig überflüssig.
Aufregung auf der einen, Gelassenheit auf der anderen Seite: sowohl die in Sachen Klosterstern federführende Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, als auch die Polizei verstehen die ganze Empörung nicht. Bislang wurden nur einige Überlegungen zur Veränderung von Verkehrsführungen am Klosterstern angestellt. Es wurden zwar bereits Vermessungen und Verkehrszählungen vorgenommen, doch das sei „ganz normal“, um eine Grundlage für Planungen zu bekommen, erläutert Helma Krstanowski, Sprecherin der Verkehrsbehörde. Sie betont, dass damit nichts vorbereitet werde. Michael Westenberger ist da anderer Meinung. „Das sind keine Vorplanungen“, argwöhnt der CDU-Politiker.

„Vor 2016 passiert nichts“

Auch Ralf Schlüter, der Abteilungsleiter Verkehr im zuständigen Polizeikommissariat 17 kann die Aufregung rund um den Klosterstern nicht nachvollziehen. „Seit Anfang des Jahres beschäftigen sich viele Institutionen mit dem Klosterstern, aber vor 2016 wird hier kein Spatenstich erfolgen“, berichtet er. Die Fahrbahndecke des Klosterstern muss erneuert werden. Deshalb haben sich Behörde und Polizei den viel befahrenen Kreisel genauer angeguckt und mehrere Probleme festgestellt. „Es gibt zwei Unfallhauptgründe: Zum einen den häufigen Fahrbahnwechsel innerhalb des Kreisels und zum anderen die Gefährdung der Radfahrer durch abbiegende Fahrzeuge“, erläutert Schlüter. Die Autofahrer, die aus dem Kreisel herauswollen, sehen die Radler auf dem rund um den Klosterstern führenden Radweg oft zu spät. Deshalb wollen Behörde und Polizei die Radfahrer auf die Straße bringen und dort einen Fahrradstreifen anlegen. „Dort werden die Radler von den Autofahrern besser gesehen“, begründet Schlüter.
Weil die Polizei aber wegen des starken Verkehrs am Klosterstern auf die beiden Fahrbahnen nicht verzichten will, müssen für den Fahradstreifen unter Umständen Parkplätze aus dem inneren Bereich des Kreisels aufgegeben und die Bäume des äußeren Ringes gefällt werden. Dabei betont Schlüter, dass die Parkplätze im Inneren des Klostersterns keine „ausgewiesenen Parkplätze“ sind. Da gebe es einen über Jahre gewachsenen „hohen Toleranzfaktor“.
Noch ist am Klosterstern nichts entschieden, geschweige denn einvernehmlich geplant. Weil es sich aber um die Maßnahme einer Fachbehörde handelt, über die die Bürgerschaft nicht beschließen muss, wird es keine politische Debatte über dieses Thema geben. Die Bezirkspolitik kann hier kaum Einfluss nehmen. Es sei denn, die Politik greift das Thema massiv auf. Michael Westenberger hat bereits angekündigt, dass die CDU auf eine Bürgerbeteiligung dringen wird. Die Geschäftsleute vom Eppendorfer Baum sammeln weiter Unterschriften gegen den Wegfall von Parkplätzen und Bäumen am Klosterstern.
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