Hamburg: Wendt tanzt jetzt an der Weltspitze

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Michael Wendt ist vom Tanzlehrer längst zum Großorganisator von Tanzfestivals geworden Foto: Wendt/wb

Kult-Tanzlehrer vom Rothenbaum will Hip Hop- und Stepptanz-WM nach Hamburg holen

Von Dagmar Gehm
Hamburg. „Schritt, Schritt, Wie-ge-schritt und Rück – Seit - Schluss!“ Noch heute klingt es Generationen ehemaliger Tanzschüler in den Ohren, wie Michael Wendt einst den Tango anzählte. Jetzt wurde der 67-jährige Tanzlehrer zum Präsidenten der International Dance Organization IDO gewählt - dem größten Tanzsportverband der Welt.
„Tanzen ist wie Radfahren und Schwimmen“, sagt der ehemalige Chef der Tanzschule Wendt am Rothenbaum, „man verlernt es nie“. Das können auch reihenweise Promis bestätigen, die bei ihm, oder vorher bei seiner Mutter Ilse, die Sicherheit auf dem Parkett geübt haben. Schließlich galt Wendt als Inbegriff aller Tanzschulen. Nennen mag der Ex-Chef keine Namen: „Von uns wird Diskretion erwartet.“ Bekannt ist zumindest, dass der spätere Kanzler Helmut Schmidt bei ihm das Tanzbein schwang und Anfang der 1960er Jahre auch seine Tochter Susanne in die gleiche Tanzschule schickte.
Damals wurde den Söhnen und Töchtern aus gutem Hause auch entsprechendes Benehmen beigebracht. Die Herren mussten die Damen mit einer Verbeugung zum Tanz auffordern, statt wie heute leider oft mit dem Zeigefinger zu locken. Auch die Tanztrends haben sich im Laufe der Jahre stark verändert: „Der Fokus lag damals auf Gesellschaftstänzen, aus denen sich der Tanzsport mit Standard- und lateinamerikanischen Tänzen entwickelte. Heute gibt es sie zwar immer noch, werden aber ergänzt durch aktuelle Tänze wie Hip Hop und Salsa.“

Paarfindung fürs Leben

Ein glanzvolles Ereignis waren früher auch immer die Mittel- und Abschlussbälle. Dann konnten die jungen Männer ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Meistens wurde der Abschlussball im Hotel Atlantic oder im Congress Centrum gefeiert, und nicht wenige Paare fanden sich fürs Leben.
Einige Male hatte sich der Standort der Tanzschule Wendt geändert. 1919, von Michael Wendts Vater Max in einem Hinterzimmer in der Oderfelder Straße gegründet, siedelte sie erst in den Mittelweg und Ende der 30er Jahre in die Rothenbaumchaussee 112 um. 1993 verkaufte der Kult-Tanzlehrer schließlich die Tanzschule samt Namen. Ein paar Jahre war der Familienvater dann noch beratend tätig, indem er beispielsweise die Abtanzbälle leitete.

Verstaubtes Image aufpoliert

Immerhin hatte Wendt vorher 28 Jahre lang die Tanzschule geleitet. Die ersten zehn Jahre gemeinsam mit seiner Mutter, später allein. War die Etikette früher ziemlich steif, lockerte sie der Juniorchef rasch auf, bot allen das Du an, führte legere Kleidung ein, ließ die Herren ohne Krawatte tanzen. „Nur auf den Bällen sahen alle sehr schnieke aus“. Das verstaubte Image von Tanzschulen loszuwerden, war ihm ein wichtiges Anliegen. Und so wurde unter seiner Leitung plötzlich mit Rock n‘ Roll über das Parkett gefegt, später kam Disco Fox dazu. „Heute“, sagt Michael Wendt, „wollen junge Leute auch wieder tanzen lernen – neben den Gesellschaftstänzen aber auch wie sie es in Videoclips sehen. Oder sie möchten Musicals tänzerisch nachspielen.“ Dass der Tanzsport ein Revival erlebt, mag sicher auch durch TV-Sendungen wie „Let’s Dance“ verstärkt werden. Mit Tanzen beschäftigt sich der 67-jährige noch immer – allerdings in anderer Funktion und zum Teil mittelbar. Als Beauftragter der Hansestadt für die Länder-Partnerschaften des Hafengeburtstag Hamburg reist er durch die ganze Welt. So organisierte er 2012 mit seiner Agentur EwendtS das große Indienfest und in diesem Jahr das Argentinien Festival – natürlich mit vielen Tango Einlagen.
Am 27. Juni wurde ihm, als erstem Deutschen, eine besondere Ehre zuteil, als er in Prag einstimmig zum Präsidenten der International Dance Organization IDO gewählt wurde, mit 250.000 Tänzern aus 90 Mitgliedsstaaten der größte Dachverband für moderne Tänze weltweit. Als ehrgeiziges Ziel möchte der Präsident die WM im Stepptanz und Hip Hop nach Hamburg holen. Und er wird noch mehr reisen als bisher – häufig in Begleitung seiner Frau Christa -, Kontakte knüpfen, um neue Veranstaltungen ins Leben zu rufen. Als nächstes steht die Hip Hop EM in Rimini auf dem Plan. Manchmal muss er auch selber noch eine kesse Sohle aufs Parkett legen. Wie bei den World Dance Sport Games in Kaohsiung / Taiwan, wo die Band gerade einen Tango spielte und die Frau des Bürgermeisters ihn aufforderte. „Wir waren allein auf der Tanzfläche, und alle guckten auf uns. Ich musste höllisch aufpassen, dass ich mich nicht blamierte“, sagt Tanzprofi Wendt.
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