Hamburg: Wer waren eigentlich Lenhartz und Kümmell?

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Hermann Lenhartz leitete das Allgemeine Eppendorfer Krankenhaus von 1901 bis 1910Foto: UKE
 
Hermann Kümmell war der erste Dekan der medizinischen Fakultät Fotos: UKE

Teil 3 der UKE-Serie: Viele Straßen Eppendorfs sind nach Medizinern benannt

Hamburg. 125 Jahre Universitätsklinikum Eppendorf: Dieses Krankenhaus hat sich immer durch die Qualität seiner Ärzte ausgezeichnet. Einige waren
Koryphäen auf ihren Gebieten von herausragender Bedeutung. Im dritten Teil der Serie zur Geschichte des UKE stellt das Wochenblatt bedeutende Ärzte des Eppendorfer Krankenhauses vor. Die Namen von einigen sind auf Straßenschildern rund ums UKE verewigt worden.
Darunter auch der tatkräftige UKE-Gründer. Die Curschmannstraße läuft, wie sollte es anders sein, direkt auf den Haupteingang des Eppendorfer Krankenhauses zu. Dabei wurde Heinrich Curschmann (1846-1910) kein Arzt des Krankenhauses, das er aufgebaut hatte. 1888, ein Jahr vor der Eröffnung, übernahm er den Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Leipzig. Die Sparsamkeit des Hamburger Senats hatte dazu beigetragen. Eine von Curschmann für notwendig gehaltene Wasserfiltrationsanlage wurde von der Hamburger Regierung nicht bewilligt. 1892 brach in Hamburg die Cholera aus.
Von den ersten drei Direktoren des Neuen Allgemeinen Krankenhauses (ab 1901 Allgemeines Krankenhaus Eppendorf) machte sich Hermann Lenhartz (1854-1910, Direktor 1901-1910) einen Namen als Reformer und Förderer der Wissenschaft. Er ließ 1902 nach einer Scharlachepidemie eine neue Infektionsabteilung mit Freiliegehallen zur Frischlufttherapie anlegen und ein Vorlesungsgebäude errichten. Er förderte die Bedeutung des Eppendorfer Krankenhauses als wissenschaftliche Lehrstätte auch durch die Einrichtung eigener Abteilungen für die theoretische und experimentelle Medizin. Lenhartz wird ein „undiplomatischer Durchsetzungswille“ attestiert, was zu zahlreichen Reibungen mit Kollegen führte. Lange wehrte er sich gegen die Einführung eines Verwaltungsdirektors. Erst 1908 stimmte er der Einsetzung des ihm loyalen Oberapothekers Johannes Naumann in diesem neuen Amt zu.
Nach Lenhartz ist ein Teil der großen Durchgangsstraße durch Eppendorf zwischen Eppendorfer Baum und Tarpenbekstraße benannt.
Lenhartz Nachfolger, der Internist Ludolph Brauer (1865-1951), der das Krankenhaus von 1910 bis 1934 leitete, baute die Lehrtätigkeit weiter aus, so dass am Eppendorfer Klinikum nach der Gründung der Hamburger Universität 1919 die meisten Lehrveranstaltungen der neuen medizinischen Fakultät stattfanden. Erst 1934 allerdings wurden alle Lehrtätigkeiten in Eppendorf vereint. Deshalb erhielt das Klinikum wieder einen neuen Namen: Universitätskrankenhaus Eppendorf.
Als Beispiele der vielen herausragenden Mediziner, die am Eppendorfer Krankenhaus gearbeitet haben, seien die Chirurgen Max Schede (1844-1902), Hermann Kümmell (1852-1937) und Paul Sudeck (1866-1945) genannt, die nacheinander die Chirurgische Abteilung in Eppendorf seit ihrer Gründung 1889 leiteten. Schede entwickelte neue Verfahren der Anti- und Asepsis. Kümmell trieb die Gründung der Hamburger Universität voran und war Gründungsdekan der Medizinischen Fakultät. Sudeck beschrieb als erster den Knochenschwund an Gliedmaßen nach Entzündungen oder Verletzungen („Sudeck-Syndrom“) und konstruierte eine neue Äthermaske für die Narkose. Nach allen drei Chirurgen sind in Eppendorf Straßen benannt. Auf Straßenschildern finden sich auch die Namen des Neurologen Carl Eisenlohr (1847-1896), des ersten Oberarztes am Eppendorfer Krankenhaus, der dazu beitrug, die Neurologie als eigenständiges Fach zu entwickeln, und des Bakteriologen Hugo Schottmüller, der den Paratyphus als eigenständiges Krankheitsbild erkannte. Schottmüller leitete 1919 bis 1936 die medizinische Poliklinik in Eppendorf, trat 1933 in die NSDAP ein. Keine Benennung erfuhr dagegen die bedeutendste Frau der UKE-Geschichte: Hedwig von Schlichting (1861-1924), die ab 1894 die Schwesternpflege am Eppendorfer Krankenhaus aufbaute. Gelernte Schwestern hatten sich während der Cholera-Epidemie bestens bewährt, nachdem in den ersten Jahren des Eppendorfer Krankenhauses nur ungelernte Krankenpflegerinnen und -pfleger tätig waren. Im 1895 gegründeten „Schwestern-Verein der Hamburgischen Staatskrankenanstalten“ organisierte Hedwig von Schlichting die Ausbildung der Schwestern. 1902 gründete sie den Deutschen Schwestern-Verein. (ch)
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