Hamburg will „geschützte Wohngebiete“ abschaffen

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Die Villen in Harvestehude liegen derzeit in einem „besonders geschützten Wohngebiet“ Foto: Hanke

Senat plant, geltendes Planrecht zu ändern. In Eppendorf und Winterhude sind nur wenige Areale „reine Wohngebiete“

Eppendorf/Winterhude Hätten die drei Anwohner der Flüchtingsunterkunft Sophienterrasse, die gegen die Größe der Unterkunft geklagt hatten, ihre Forderung erst in einigen Jahren vorgebracht, dann wäre die Klage vermutlich abgewiesen worden, denn das „besonders geschützte Wohngebiet“, auf das sie sich beriefen, wird es wohl bald nicht mehr geben. Der Senat beabsichtigt die Baustufenpläne nach der Baupolizeiverodnung von 1938, die noch in einigen Teilen Hamburgs das geltende Planrecht darstellen, in diesem Punkt zu ändern. Die Kategorie „besonders geschütztes Wohngebiet“, die es nach diesem Planrecht noch gibt, und in den Bebauungsplänen nach der Baunutzungsverodnung von 1960 nicht mehr, soll aufgehoben werden. Die so gekennzeichneten Gebiete werden künftig „reines Wohngebiet“ so wie alle anderen Wohngebiete. Die Besonderheit, dass in den „besonders geschützten Wohngebieten“ außer Wohnungen allenfalls noch mit der Wohnbebauung verträgliche Kindertagesstätten gebaut werden können, soll aufgehoben werden. In den „reinen Wohngebieten“ wird künftig in Ausnahmefällen der Bau von sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie von kleinen Gewerbebetrieben, zum Beispiel mit den Wohnhäusern verträglichen Läden für den täglichen Bedarf gestattet sein. Die beabsichtigte Änderung des alten Planrechts wurde kürzlich im Großen Sitzungssaal des Bezirksamtes Hamburg-Nord in in einer öffentlichen Plandiskussion vorgestellt. Rechtsanwalt Gero Tuttlewski, der die Kläger aus der Sophienterrasse vertrat, warnte vor einer Änderung nur eines Teils des alten Planrechts. „Ein chirurgischer Eingriff an einer Stelle“ sei „rechtlich problematisch“, so Tuttlewski. Ute Müller vom Amt für Landesplanung und Stadtentwicklung, die die beabsichtigte Bauplanänderung vorgestellt hatte, begründete die Tatsache, dass nicht das ganze Planrecht geändert werden solle, mit zu geringen Personalkapazitäten. In Eppendorf und Winterhude sind nur wenige Areale als „besonders geschütztes Wohngebiet“ ausgewiesen. Betroffen sind die Gebiete links und rechts des Alsterkanals ab Maria-Louisen-Straße/Isebekkanal nordwärts (Heilwigstraße bis Lichtwarkstraße, Leinpfad bis Hudtwalckerstraße) sowie in Winterhude kleine Gebiete an der Bebelallee (Winterhuder Kai bis Meenkwiese) und Körnerstraße (Dorotheenstraße bis Mühlenkamp am Langen Zug). Fast ganz Harvestehude besteht aus „besonders geschützten Wohngebieten“ (außer den Grindelhochhäusern und den westlich anschließenden Gebieten bis zur Bogenstraße). In Rotherbaum kommt das Areal zwischen Harvestehuder Weg und Magdalenenstraße/Pöseldorfer Weg hinzu. Die Anwohner aus Harvestehude und Rotherbaum werden am Mittwoch, 14. September, um 18 Uhr (Einlass 17.30 Uhr), im Wilhelm-Gymnasium, Klosterstieg 17, über die Änderung informiert. (ch)
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