Hamburger Klinik-Clowns: „Lachen hilft Heilen“

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Auch Marta hat eine Clownsnase: dafür haben Enrico und Jojo gesorgt Foto: Hanke

Kinderschutzpreis für die Spaßmacher. Zweimal pro Woche sind sie im UKE

Hamburg/Eppendorf. Jojo und Enrico bringen das Lachen auf die Station oder zumindest ein Lächeln oder ein Schmunzeln, bei den Schwestern und Ärzten der Kinderstation im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), und vor allem bei den kleinen Patienten und deren Eltern. Mit roter Knollnase, bunten Klamotten, mit Mundharmonika, Gesang und komischen Dialogen. Jojo und Enrico sind zwei von zwölf Hamburger Klinik-Clowns. Zweimal in der Woche unterhalten sie die Kinder im UKE, besuchen sie in ihren Zimmern, singen, zaubern, scherzen.


Auf allen Hamburger Kinderkrankenstationen sind die Clowns mittlerweile unterwegs. Dafür erhielten sie jetzt den HanseMerkur Preis für Kinderschutz. „Die Mutmacher im tristen Klinikalltag benötigen viel Herz, Fingerspitzengefühl und Sensibilität, um die Seele der jungen Patienten zu erreichen und nach dem Kind im kranken Körper zu schauen, wie sie selbst ihren Auftrag umschreiben“, lobte Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck. Sie war Schirmherrin der diesjährigen Preisverleihung des HanseMekur Kinderschutzpreises in der Hauptverwaltung der Versicherung am Siegfried-Wedells-Platz.
Die Klinik-Clowns Hamburg gibt es seit 2003. Sie sind in einem gemeinnützigen Verein organisiert und seit 2011 auch Mitglied im Dachverband Clowns für Kinder im Krankenhaus Deutschland e.V.. Denn auch in anderen deutschen Städten erfreuen Klinik-Clowns kleine Patienten. Ärzte und Pfleger sind begeistert. „Lachen hilft heilen. Die Klinik-Clowns helfen so auf wunderbare Weise, unseren kleinen Patienten den Alltag im Krankenhaus zu erleichtern und ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren“, sagt Sonja Spahl, die Leitern der Pflege im Zentrum für Geburtshilfe, Kinder und Jugendmedizin im UKE. „Clowns verändern die Atmosphäre“, beobachtet die Vorsitzende der Klinik-Clowns Hamburg, Kathrin Schnelle. Sie selbst hat diese Erfahrung bei einem kranken Kind gemacht, trat in den Verein der Klinik-Clowns ein und wurde bald zur Vorsitzenden gewählt. Von dem HanseMerkur Kinderschutzpreis verspricht sich Kathrin Schnelle mehr Bekanntheit und Anerkennung für die Klinik-Clowns. „Wir hoffen, dass Klinik-Clowns als Beruf anerkannt werden. Dafür benötigen wir öffentliche Gelder.“

Einmal der Star sein

Derzeit schlagen sich die Klinik-Clowns mehr schlecht als recht durchs Leben. Sie alle sind als Clowns ausgebildet. Enrico, im normalen Leben Erich Hauptmann, ist seit 13 Jahren hauptberuflicher Clown, war schon in vielen Städten Deutschlands als Klinik-Clown unterwegs und gibt auch bei anderen Gelegenheiten den dummen August. Jojo, eigentlich Birgit Musiol, arbeitet auch als Logopädin. Das Honorar ist eine Aufwandsentschädigung. Einmal in der Woche trainieren die Clowns für ihre Auftritte. Bestimmte Standards müssen sie drauf haben. Nur aus der Situation heraus improvisieren geht nicht immer. Einen kleinen Koffer mit Requisiten haben die Clowns, die seit 2010 als Duo auftreten, immer dabei: gefüllt mit Instrumenten, Seifenblasen, einer Mini-Kamera-Atrappe. Jojo und Enrico verzichten darauf, eine Kunstfigur darzustellen, sprechen mit den kranken Kindern in ganz normalem Tonfall, versuchen sie in Rollen zu bringen, in denen sie alles können, während den Clowns alles daneben geht. „Der Star ist das Kind“, lautet die Devise.
Bei einem schwerkranken Mädchen, das an einer Stoffwechselkrankheit leidet, ist das nicht möglich. Aber es liebt Musik. Jojo stimmt „Hörst du die Regenwürmer husten?“ an. Enrico spielt die Mundharmonika. Das Mädchen zeigt Reaktion. Einem serbischen Jungen mit Kopfverband, der kein Deutsch versteht, erheitert Jojo mit Seifenblasen. Wenn sie die Türen zu den Krankenzimmern öffnen, dauert es meistens nicht lange, bis die kleinen Herzen aufgehen. Für einige Minuten ist das Lachen zurück. (ch)
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