Hamburger Kulturwache seit 25 Jahren

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Das Kulturhaus Eppendorf ist im Souterrain der früheren Polizeiwache Martinistraße untergebracht
 
Die vier vom Kulturhaus Eppendorf: Maritta Grebe-Senner, Rika Tjakea, Iris Ohde und Klaus Kolb (v.l.)

1989 zog das Kulturhaus in die alte Polizeistation. Es verkörpert Eppendorfer Lebensart

Hamburg. Es begann mit einem Bauwagen. Das Kulturhaus Eppendorf startete in einem Provisorium. In drei Jahren werden große Räume im früheren Krankenhaus Bethanien bezogen.
Am Freitag wurde aber erst einmal das 25. Jubiläum gefeiert. In den Räumen, in denen das Kulturhaus vor einem Vierteljahrhundert endgültig sesshaft wurde. Im Souterrain der früheren Polizeiwache Martini
straße 40, jetzt Julius-Reincke-Stieg 13a.

40 Gruppen nutzen die Einrichtung heute

Über 40 Gruppen, Institutionen und Vereine nutzen derzeit den Saal und die drei weiteren Räume des Kulturhauses. An drei bis vier Tagen in der Woche werden Veranstaltungen geboten: Theater, Musik, Kabarett, Vorträge, Lesungen. Dazu Ausstellungen im Saal und im Foyer. „In den letzten zehn Jahren hatten wir rund 45 regelmäßige Angebote. 25 sind von 2004 geblieben“, erläutert Klaus Kolb, Geschäftsführer des Kulturhauses und einer der Gründer, die Anzahl und die Kontinuität der Aktivitäten. Ein Angebot, von dem Kolb und seine Mitstreiterinnen der ersten Stunde nur träumen konnten. Sie hatten sich im 1980 gegründeten Verein „Bürgerhaus für Eppendorf“ zusammengefunden, um eine Stätte für Stadtteilkultur zu gründen.

Aufgrund der spärlichen Mittel, die Bürgerschaft und Senat zur Verfügung stellten, reichte es zunächst nur für einen Bauwagen, der von den Betreibern stolz „Kulturpalast“ genannt wurde. Nach einer provisorischen Unterkunft in der Wolfgang-Borchert-Schule gelang 1989 der Schritt zu eigenen Räumen in der 1984 aufgegebenen Polizeiwache Martinistraße, in die die Ausländerpolizei eingezogen war. Nach einem Brandanschlag zogen auch diese Beamten aus und das Haus stand leer. Trotz großen Einsatzes des Bürgerhaus-Vereins für ein Kulturhaus in diesen Räumen, erhielt das UKE den Zuschlag, aber ein „Kulturhaus“ konnte immerhin im Souterrain eingerichtet werden. Von da an ging es aufwärts, auch dank großer personeller Kontinuität.

„Die Selbstausbeutung kennt keine Grenzen“

Die Kulturhaus-Gründer Klaus Kolb und Maritta Grebe-Senner zählen noch heute zum vierköpfigen Leitungsteam der Stadtteilkultureinrichtung. Ge-
blieben sind aber auch die Geldsorgen. 38.000 Mark erhielt das Kulturhaus von 1989 bis 1996 jährlich. Dann stieg die Subvention, die seit 2009 bei 137.000 Euro jährlich liegt. Die vier Mitglieder des Leitungsteams sind Teilzeitkräfte. „Die Selbstausbeutung kennt keine Grenzen“, kommentiert Iris Ohde aus der Leitung lakonisch. Immer mehr Gruppen, Kurse und Veranstaltungen nutzten mit den Jahren das Kulturhaus. „Der Bedarf war immer da. Vielen mussten wir absagen“, erzählt Maritta Grebe-Senner.

„Wir haben uns von der Initiative zum Betrieb gewandelt“, beschreibt Klaus Kolb die Entwicklung. Und es kommen mittlerweile Menschen aller Schichten und Altersstufen. Bei der Gründung galt das Kulturhaus vielen älteren Eppendorfern als „links“ oder gar revolutionär. Heute gehen hier Senioren ein und aus, die oft selbst mit dem Kulturhaus alt geworden sind. Es mangelt eher an den Jüngeren. Doch Rika Tjakea aus dem Leitungsteam hat schon Trends dagegen gesetzt. Mit der Kulti Multi Show für Nachwuchskabarettisten oder der GEMA-Nachhause-Show für junge Musiker. (ch)
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