Hamburger Modellprojekt für Kinderschutz

Anzeige
Risk Mapping: In Rot markierten Bereichen fühlen sich Kinder unsicher, allen voran auf Stockbetten und in Toiletten, zudem nannten sie: „Kein Platz zum Spielen, keine Schule, keine Freunde, kein Spielzeug“ Foto: Haas

Familienministerium fördert Einrichtungsprogramm in Flüchtlingsunterkünften mit halber Million Euro

Von Waltraut Haas
Hamburg
Kinder auf der Flucht werden schnell zu Opfern von Gewalt, Missbrauch oder Ausbeutung. Auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften seien sie besonders schutzbedürftig, sagte Maike Röttger, Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland. Am vergangenen Donnerstag stellte sie in der Bramfelder Straße ein Modellprojekt zum Schutz von Flüchtlingskindern vor, das jetzt in Kooperation mit der Johanniter-Unfallhilfe anläuft. Die Johanniter betreiben insgesamt vier Unterkünfte für rund 2.000 Geflüchtete in Hamburg. „Als Kinderhilfswerk sind wir bislang auf Entwicklungsländer fokussiert, und auch darauf, die Fluchtursachen zu bekämpfen“, erklärte Maike Röttger. Aber jetzt und hier gelte es, Kinder rechtzeitig zu unterstützen und ihnen eine Stimme zu geben. Auf der Flucht vor Krieg und Gewalt hätten sie alle Halt gebenden Strukturen verloren. Zudem gehe es um die Einhaltung globaler Standards.
Nach einer Befragung von Kindern in Unterkünften sei mit „Risk Maps“ bereits eine Risikoanalyse erstellt worden. Gemeinsam mit den Johannitern wurde das Konzept entwickelt: Zur Gestaltung kinderfreundlicher Räume, zum Umgang mit Kinderschutzfällen und zur direkten Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die ihre Integration erleichtert. „Kinderschutz geht alle an, auch die Hausmeister oder die Leute von der Security.“ Nach diesem Grundsatz seien die von den Johannitern betreuten Unterkünfte seit Herbst eingerichtet und Personal eingestellt worden, ergänzte Harald Halpick, Regionalvorstand der Johanniter. „Spielzimmer und Unterrichtsräume für Kinder ebenso wie geschützte Aufenthaltsräume für Frauen lassen sich selbst in Großunterkünften einrichten.“
Praktikable Konzepte. Das Projekt soll eine kinderfreundliche Umgebung stärken und den Kinderschutz in Hamburger Unterkünften sicherstellen. Es wird vom Bundesfamilienministerium (BMFSJ) mit 500.000 Euro gefördert. „Die prekäre Lage von Frauen und Kindern in Unterkünften ist bekannt. Für sie brauchen wir praktikable Schutzkonzepte“, erklärte BMFSJ-Staatssekretär Ralf Kleindieck. Das Programm werde zunächst in Hamburg gefördert, mit Vorbildfunktion für Deutschland. „Beide Kooperationspartner bringen dafür die Expertise mit.“ Dabei zähle die Erfahrung eines in 50 Ländern aktiven unabhängigen Kinderhilfswerks ebenso wie die der Johanniter aus dem Katastrophenschutz. „Wir brauchen dieses Knowhow, es soll auch in neue gesetzliche Regelungen einfließen“, bekräftigte Kleindieck.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige