Hamburger NS-Verbrechen: Denkwürdiger Prozess

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Die Angeklagten Nummer 1 bis 5 im Curiohaus-Prozess: KZ-Kommandanz Max Pauly, sein Adjutant Karl Totzauer (v.l.) Foto: Gedenkstätte Neuengamme

Podiumsgespräch in der Universität am 19. April

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Ein denkwürdiges Ereignis zur Sühne Hamburger NS-Verbrechen jährt sich in diesen Tagen und Wochen zum 70. Mal: der Curiohaus-Prozess gegen 14 Hauptverantwortliche des Konzentrationslagers Neuengamme vom 18. März bis
3. Mai 1946. Elf Angeklagte wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Aus diesem Anlass veranstaltet die KZ Gedenkstätte Neuengamme am Dienstag,
19. April, um 18 Uhr in der Universität, Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Von-Melle-Park 9 (Hörsaal S 29), ein Podiumsgespräch „70 Jahre Curiohaus-Prozess“ über die historische und aktuelle Bedeutung diese Prozesses gegen die Lagerführung des KZs Neuengamme. Es sprechen der Historiker Dr. Reimer Möller, der Völkerrechtler Dr. Felix Boor und Kurt Schrimm, 2000 bis 2015 Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Im Curiohaus-Prozess, der wie der Name sagt, im Curiohaus an der Rothenbaumchaussee stattfand, mussten sich 14 Angehörige der Lagerverwaltung des KZs Neuengamme vor einem britischen Militärgericht verantworten. Gegenstand der Verhandlungen waren deshalb Verbrechen der Angeklagten gegen britische Staatsbürger, von denen einige im KZ Neuengamme inhaftiert waren. Die Öffentlichkeit erfuhr in diesem Prozess zum ersten Mal Einzelheiten über die unmenschlichen Lebensbedingungen in dem Hamburger Konzentrationslager, von Misshandlungen und Tötungen. Etwa 55.000 der rund 106.000 Häftlinge des von 1938 bis 1945 bestehenden Lagers kamen in dieser Zeit ums Leben. Angeklagt waren im Curiohaus-Prozess unter anderen der Lagerkommandant des KZs Neuengamme, Max Pauly, sein Adjutant Karl Totzauer, die Ärzte Alfred Trzebinski und Bruno Kitt, der Schutzhaftlagerführer Anton Thumann, der Kommandeur des Wachbataillobns Karl Wiedemann, der Sanitäter Wilhelm Bahr sowie Block- und Rapportführer, von denen einige an der Ermordung von 20 Kindern in der Schule Bullenhuser Damm am 20. April 1945 beteiligt waren. Die Anklagen erfolgten aufgrund der Recherchen des britischen War Crimes Investigation Teams (WCIT), das auch die Angeklagten aufspürte, die sich nach der Räumung des KZs Neuengamme zunächst versteckt hatten, und der Aussagen von 18 ehemaligen Häftlingen des KZs Neuengamme. Im Curiohaus folgten weitere Prozesse gegen Verantwortliche des KZs Neuengamme und der Außenlager. Acht Angeklagte wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.
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