Hamburger Seelentrösterin mit 88

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Psychotherapeutin Gudrun Halbrock arbeitet auch noch mit 88 Jahren jeden Tag Foto: Flüß

Psychotherapeutin Gudrun Halbrock arbeitet für ihre Stiftung, die Kinder unterstützt

Hamburg. Weitere zehn Jahre Berufstätigkeit wünscht sich Gudrun Halbrock, mit 88 Jahren Hamburgs älteste Psychotherapeutin, noch: „Lebenserfahrung ist in diesem Beruf wichtig! Und im Alter nehme ich vieles komplexer wahr und kann Dinge gut auf den Punkt bringen“, sagt die alte Dame in ihrer Eppendorfer Praxis.
Seit 1972 setzt sie sich für die Unterstützung von Eltern in Erziehungsfragen ein. Die Erlöse ihrer psychotherapeutischen Praxis fließen in die „Gudrun Halbrock Stiftung zum Wohle der Kinder“, die Projekte im Bereich der Kindererziehung fördert, darunter auch den Förderpreis „Hamburg – kinderfreundliche Stadt? Mach mit!“. Für ihr Engagement wurde sie unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Gudrun Halbrock ist eine leidenschaftliche Kämpferin für Elternkurse und die Einrichtung von Familienräten, damit jedes Familienmitglied erkennt, was für alle gut ist. „Für eine optimale Schulfähigkeit sind Selbstbewusstsein, soziale Intelligenz, Wissbegierde, Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer und Frustrationstoleranz wünschenswert“, so Gudrun Halbrock. „Das Kind sollte so unterstützt werden, wie es ist. Leider fehlt in der Gesellschaft das Bewusstsein dafür, dass Erziehung gelernt werden muss. Das sollte wie Yoga von den Krankenkassen bezahlt werden!“ Gudrun Halbrock wuchs in einer autoritären Gesellschaft auf: „Kinder hatten zu gehorchen, ihre Bedürfnisse spielten keine Rolle. Erziehung basierte auf Angst.“ Die Forderung „alle Macht den Kindern“ würde die Psychotherapeutin mit den lebhaften, warmen Augen dennoch nicht unterstützen: „Kinder sollten früh Bestätigung erfahren, indem sie mithelfen.“ Diese Erfahrung hat sie selbst als Kind einer früh verwitweten Mutter auf einem Gut bei Lübeck gemacht und sehr genossen. Heutige Kinder würden das Dilemma erleben, einerseits zu sehr verwöhnt und somit uneigenständig zu werden, andererseits aber mit hohen Leistungserwartungen nahezu überfrachtet zu werden: „Einige Kinder können mit drei Jahren auf Chinesisch zählen, aber keine Farben unterscheiden oder sich Schuhe mit Klettverschluss selber anziehen“, sagt sie kopfschüttelnd. Zu Gudrun Halbrocks Klienten in der Praxis in der Gustav-Leo-Straße gehören Erzieher, Lehrkräfte und Kinder. Letztere leiden häufig unter Ängsten oder Depressionen. „Das gab es früher auch schon, aber heute ist das Bewusstsein dafür ein anderes. Depressionen sind oft familiär bedingt, Kinder lernen vom Vorbild der Eltern. Deshalb müssen Eltern auch etwas für sich tun!“ (flü)
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