Hamburger Straßen-Irrsinn: Anwohner wehren sich gegen "Fertigstellung" des Licentiatenweges

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Der Licentiatenweg ist eine kleine ruhige Wohnstraße mit unbefestigten Randstreifen, auf denen vor allem Autos parken. Die Bezirksverwaltung will die Straße pflastern und verbreiternFoto: Hanke
 
Hans Jürgen Koch (links) und Nachbar ärgern sich über die geplante Verbreiterung des Licentiatenwegs Foto: Hanke

Bezirk Hamburg-Nord plant Parkplätze und Entwässerung der Straße, die es schon jahrzehntelang gibt

Von Christian Hanke

Hamburg. Aufstand im Licentiatenweg gegen die endgültige Fertigstellung der Straße. Das Bezirksamt Hamburg-Nord will in diesem Zusammenhang zwischen den Straßen Am Licentiatenberg und Am Jägerholz Gehwege mit Betonplatten pflastern, die Fahrbahn von 3,30 Metern auf 5,50 Meter verbreitern.

Zudem sollen vier neue Bäume gepflanzt und fünf Fahrradbügel aufgestellt werden. Außerdem sind Straßenabläufe zur besseren Oberflächenentwässerung vorgesehen und es sollen 23 Parkplätze offiziell angelegt werden. Über solche Planungen sollten sich die Anwohner freuen, möchte man meinen. Doch viele sind stinksauer.

Sie halten diese Maßnahmen für überflüssig - und müssten den Löwenanteil der Kosten tragen, weil der Licentiatenweg jetzt erst endgültig fertiggestellt wird, was in den 1960-er Jahren nicht geschah. Nun soll plötzlich vollendet werden, was damals liegenblieb.

Viele Anwohner können die Pläne nicht nachvollziehen. Sie haben kein Problem mit ihrer kleinen gemütlichen Wohnstraße. Es gibt hier zwar keine gepflasterten Gehwege, aber die wenigen Passanten stört das nicht. „Gehwege sind hier nicht erforderlich. Die Straße wird ja nur von den Anwohnern benutzt“, erläutert einer von ihnen, Hans Jürgen Koch.

„Disziplinierte Nutzung“

Die Anwohner gehen meistens auf der asphaltierten Straße, denn der Autoverkehr hält sich sehr in Grenzen. „Die Autos fahren hier nicht einmal 30 Stundenkilometer. Die Straße wird fast ausschließlich von Anwohnern benutzt, die sich aus langer Gewohnheit mehr als diszipliniert verhalten“, erzählt Koch. Die ungepflasterten Gehwege werden mehr zum Parken der Autos als zum Gehen genutzt. Würden die Pläne des Bezirksamtes umgesetzt, dann fielen rund 20 Parkmöglichkeiten weg. 40 bis 45 Autos parken in der Regel am Rande des Licentiatenwegs. Die Fertigstellung der Straße sieht aber nur 23 Parkstände vor. Aus Sicht der Anwohner besteht auch keine Notwendigkeit, die Fahrbahn auf 5,50 Metern zu verbreitern.

Die Aufstellung von Fahrradbügeln halten sie ebenfalls für überflüssig, da die meisten Grundstücke am Licentiatenweg groß genug sind, um Fahrräder unterzubringen. „Fahrradständer werden ungenutzt als Mahnmal für unsinnige Stadtplanung in der Landschaft herumstehen“, prophezeit Koch.
Auch die Pläne für neue Bäume und die Straßenabläufe für Oberflächenwasser sorgen im Licentiatenweg für Kopfschütteln. „Bäume gibt es genug und die derzeitige Straßenentwässerung funktioniert auch bei Stark-
regen“, kontert Koch.

Letzteres hat er gerade in den letzten Wochen wieder feststellen können. Sein Nachbar, der namentlich nicht genannt werden möchte, fasst zusammen: „Die Straße erfüllt ihren Zweck voll und ganz. Es gab hier noch nie Probleme.“
Statt einer Verbesserung ihrer Situation durch die Fertigstellung der Straße befürchten Koch und sein Nachbar: „Die Baumaßnahmen werden zu einer erheblichen Belästigung der Anwohner führen und unter Umständen auch die Nutzung des Eigentums beziehungsweise die Zugänge zu den Grundstücken erheblich beeinträchtigen.“

Die Höhe der Kosten setzt sich aus verschiedenen Kriterien zusammen. Sie wurden den Anwohnern auf einer Anhörung im Bezirksamt Hamburg-Nord mitgeteilt, die gestern stattfand. Danach wird die Planung mit beteiligten Behörden abgestimmt und im zuständigen Regionalauschuss noch einmal vorgestellt. „Bis zum Beginn der Bauausführung können rund sechs Monate vergehen, bis zur Fertigstellung bis zu zwei Jahre“, erläutert Katja Glahn, die Sprecherin des Bezirksamtes Hamburg-Nord. Mindestens 15 Anwohner des Licentiatienbergs sehen das Verfahren kritisch. „Es zählt doch nicht, wie die Bürger empfinden. Es wird doch das durchgeführt, was längst feststeht. Wir leben in einer diktatorischen Demokratie“, ereifert sich einer von ihnen. . (ch)
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