Hamburger Zahnarzt bohrt in Kambodscha

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Dr. Ulf Zuschlag im Einsatz in der Klinik in Kambodscha – seiner zweiten Heimat Foto: Mini Molars Cambodia
 
Alltags-Anblick: Ein Kind mit ramponiertem Gebiss Foto: Mini Molars Cambodia

Ulf Zuschlag aus Winterhude kümmert sich ehrenamtlich um Kinderzähne und sammelt Spenden

Von Thomas Oldach
Harvestehude
Eigentlich wollte Ulf Zuschlag nach seinem Studium in Gießen als „frischer“ Zahnarzt mit einem Studienkollegen für einige Wochen nach Südafrika: ein fernes Land kennenlernen, nebenbei auch noch ehrenamtlich das Erlernte anwenden – insbesondere Kindern mit Zahnproblemen helfen. Doch es kam anders: Es verschlug ihn nach Kambodscha, wo er seine Berufung als Helfer und das Glück seines Lebens fand. 2012 war das. Damals arbeitete Ulf Zuschlag acht Wochen lang für ein Hilfsprojekt in der Nähe der Hauptstadt Phnom Penh im Süden des Königreichs in Südostasien. Das Land liegt am Golf von Thailand zwischen Thailand, Laos und Vietnam. Als Jahrgangsbester der Uni gemeinsam mit seinem Studienkollegen auf Vermittlung des Zahnmedizinischen Austauschdienstes (ZAD) lernte er eine ganz andere Seite im Leben eines Mediziners kennen. „Der erste Eindruck war schon erschreckend. Müll, Gestank, die Slums, die vielen Waisenkinder“, sagt Zuschlag. Und dann war da noch diese unsympathische Klinik-Chefin.

Von der Schreckschraube zur Ehefrau


Doch aus anfänglicher Ablehnung wurde große Zuneigung. Schließlich ist der 35-Jährige heute mit der „Schreckschraube“ von einst verheiratet, lebt mit ihrem zwölfjährigen Sohn seit zwei Jahren in Harvestehude. Ab August ist die Familie dann sogar zu viert – Sombo Zuschlag erwartet das gemeinsame Kind. Kein Wunder also, dass die 34-jährige ausgebildete Dentistin ihren Mann auch Anfang März nicht nach Kambodscha begleitet hat. Doch dort wurden dem Paar hohe Würden zu teil. Denn Dr. Ulf Zuschlag wurde mit dem Royal Order of Cambodia, einem der höchsten Orden des Landes – der eigentlich Einheimischen vorbehalten ist – ausgezeichnet. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Und nun steht der Zahnarzt mit Gemeinschafts-praxis in Winterhude in einer Reihe mit Josip Broz Tito und Charles de Gaulle. Hintergrund: Zuschlag hielt den Kontakt nach Kambodscha. Und – aus den gelegentlichen Besuchen in der Zahnklinik ist längst ein eigenes Hilfsprojekt geworden.

Verein Mini Molars Cambodia


Im August 2015 gründete das Paar den Verein Mini Molars Cambodia – wobei Molars aus dem lateinischen für Mahlzahn oder Backenzahn steht. Am Rand von Phnom Penh wurde eine eigene kleine Klinik auf dem Gelände einer buddhistischen Pagode errichtet. Hier ermöglichen sie Kindern – denn nur die dürfen sie versorgen – eine zahnärztliche Behandlung und engagieren sich in der Aufklärung. Da geht es um Zahnbürsten, die „schon mal zwei Jahre alt sein können und nur selten benutzt werden“, aber auch um den Hinweis auf die zerstörerische Wirkung des allgegenwärtigen Zuckerrohrsaftes, den es günstig zu kaufen gibt. „Zusammen mit der schlechten Mundhygiene ist das der beste Nährboden für Karies“, sagt Zuschlag. Gesunde Milchzähne gebe es deshalb fast gar nicht.

50 kleine Patienten pro Tag


Zuschlag und sein Halbtags-Team vor Ort – eine Zahnärztin, drei Helferinnen und eine Managerin – kümmern sich aktuell um bis zu 50 kleine Patienten pro Tag. 2016 waren es insgesamt 3000. Tendenz steigend. Ständig im Einsatz ist auch der sogenannte Tour-Bus, mit dem die Helfer zu den Kindern, etwa in die Slums der Hauptstadt fahren, um „mobil“ zu helfen. 400.000 Kilometer hat der Mini-Van auf dem Tacho und sieht nach 13 Unfällen auch nicht mehr so wirklich gut aus. Also versucht Zuschlag für seine Herzensangelegenheit Spenden zu sammeln. Denn für nur zehn Euro pro Jahr kann man ein Kind in Kambodscha zahnmedizinisch versorgen. Allein aus gespendetem Altgold seiner Hamburger Patienten kamen so schon 6000 Euro zusammen. „Und meine Schwiegermutter sorgt vor Ort dafür, dass kein Cent vergeudet wird“, sagt Zuschlag, der von seinen Einsätzen in Kambodscha zehrt: „Die Dankbarkeit, die ich da von einem Kind zurückbekomme, krieg ich hier manchmal in einer ganzen Woche nicht. Wir wissen, dass wir niemals fertig werden. Unser Ziel ist es, 2019 rund 10.000 Kinder zu behandeln – und doch wissen wir, dass es weiterhin nicht genug sein wird. Aber es macht die Welt ein ganz kleines bisschen besser“, schrieb Ilona Lütje (Szene Hamburg). Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weitere Infos und Spenden


Spenden an IBAN: DE65 3006 0601 0002 9066 60, BIC: DAAEDEDDXXX. Auch angehende Zahnärzte oder Pensionäre können sich für einen Kambodscha-Einsatz
bei Ulf Zuschlag melden. Weitere Infos: Verein Mini Molars Cambodia
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