Hamburger Zoomuseum sucht Zuhause

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Der sibirische Tiger kann in Originalgröße bewundert werden Fotos: Hanke
 
Museumsleiter Dr. Jakob Hallermann zeigt es: das Fell des Bibers ist schon ganz grau geworden, ausgebleicht durch die UV-haltige Beleuchtung in der Schausammlung

Sponsoren würden Umzug in Citynähe finanzieren. Problem sind jedoch laufende Kosten

Von Christian Hanke
Hamburger. Für das viel zu kleine und unansehnliche Zoologische Museum am Martin-Luther-King-Platz wird aktuell in Citynähe ein neues Gebäude gesucht. Sponsoren sind bereit, Millionenbeträge für die Einrichtung eines neuen Zoologischen Museums zu geben. Die Finanzierung der Betriebskosten durch die Stadt ist allerdings noch ein Problem.
Die derzeitige Unterbringung des Zoologischen Museums hat schon Spuren hinterlassen: Der Marder hat ein weißes Fell bekommen und auch der Biber glänzt nicht mehr im natürlichen Braun. Im Zoologischen Museum ist das ausgestopfte Nagetier schon ganz grau geworden. Die UV-haltige Beleuchtung bleicht die Felle aus. Und weil die Schausammlung des Museums keine Klimaanlage hat, kann es hier im Sommer ganz schön heiß werden. „Die UV-Beleuchtung heizt zusätzlich ein“, berichtet Museumsleiter Jakob Hallermann.
Das 1983 gegründete Zoologische Museum, das zur Universität gehört, ist in die Jahre gekommen. In einem unscheinbaren Gebäude zwischen Grindelallee und Bundesstraße wird es kaum wahrgenommen. Dank der Aufnahme in die Museumspädagogik vor sieben Jahren steigen trotzdem die Besucherzahlen. In den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Besucher von 23.000 auf 60.000 im Vorjahr gesteigert. „Aufgrund der vielen Schulklassen, die uns besuchen, hat sich das Museum herumgesprochen“, erzählt Hallermann.

Schätze im Keller

Rund 1.200 Objekte können bewundert werden, eindrucksvolle Präparate von großen und kleinen Tieren von täuschender Echtheit. Ein Tiger,
Bären, Leopard, Puma, ein riesiges Nilkrokodil, und die ganze heimische Fauna. Ein beachtliches, in unheimlichem Dunkel eingerichtetes Museum, das noch viel mehr zeigen könnte. Im Keller lagern die übrigen der nach Angaben des Museums rund zehn Millionen Objekte, gut gekühlt übrigens im Gegensatz zur Schausammlung. Das Zoologische Museum in Hamburg verfügt über die viertgrößte Sammlung in Deutschland. Nur Berlin, München und Frankfurt haben mehr. Keines der Museen in diesen Städten ist aber so schäbig und abgelegen untergebracht wie die Hamburger Zoologische Sammlung. Bis auf die ansprechend präsentierte Schausammlung wirkt alles Grau in Grau.
Deshalb wird seit der Gründung des Museums über Verbesserungen nachgedacht. In den letzten Jahren sind die Überlegungen konkret geworden. Ein erster Plan, das Museum in Klein Flottbek mit der Botanik zu einem neuen Bio-Zentrum zusammenzufassen, ist inzwischen so gut wie vom Tisch. „Das Museum hätte zu weit außerhalb gelegen. Jetzt wird ein Gebäude in der Umgebung der City gesucht. Außerdem wird eine räumliche Zusammenfassung von Zoologie und Botanik nicht mehr als notwendig angesehen“, erzählt Jakob Hallermann.

„Das Museum hätte zu weit außerhalb gelegen. Jetzt wird ein Gebäude
in der Umgebung der City gesucht. Außerdem wird eine räumliche Zusammen-
fassung von Zoologie und Botanik nicht mehr als notwendig angesehen.“
Jakob Hallermann


Die Wissenschaftsbehörde äußert sich derzeit nicht konkret zu den diskutierten Alternativen. „Die Überlegungen über eine Verbesserung des Zoolgischen Museums, die seit einigen Jahren diskutiert werden, sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Behördensprecher Alexander von Vogel. Das Problem liegt laut Hallermann bei der künftigen Finanzierung des laufenden Betriebes. Sponsoren seien bereit, Millionenbeträge für die Einrichtung eines neuen Zoologischen Museums zu geben. Aber die Stadt müsste nach der Eröffnung die laufenden Kosten übernehmen.
Da gibt es offenbar noch Verhandlungsbedarf zwischen Museum und Stadt. Zumal die Kosten vermutlich höher liegen sollten als jetzt. Das Zoologische Museum gehört zu den Museen der Universität und wird aus dem Etat der Uni finanziert. Ganze 6.000 Euro erhält es jährlich für Reparaturen und Neuanschaffungen. Ausgenommen nur die Personalkosten für rund 100 Mitarbeiter des Zoologischen Museums und Instituts. Ein neues Zoologisches Museum in der City sollte an das alte Naturkundemuseum anknüpfen, eines der großen Museen der Stadt, das im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde.
Das ist alles noch Zukunftsmusik. Das derzeitige Museum bietet bereits viel, in der Regel auch zwei Sonderausstellungen im Jahr. Kürzlich wurde eine beeindruckende Schau des Vereins Deepwave über die dramatische Veränderung der Meere in den letzten Jahrzehnten im Foyer des Museums eröffnet: „Unser Blauer Planet“. Nach Fotos gemalte Bilder von Illustratorin Anna Mandel verdeutlichen sehr anschaulich, wie bestimmte Teile des Meeres vor der massiven Umweltverschmutzung der letzten Jahre aussahen, wie zerstört sie sich jetzt darstellen und wie sie in einer umsichtig gestalteten Zukunft aussehen könnten. „Das war die erste Zusammenarbeit eines Biologen mit einer Illustratorin“, erläutert der Hamburger Meeresbiologe Onno Groß, der Vorsitzende des vor elf Jahren gegründeten Vereins Deepwave, der auf die zunehmende Umweltverschmutzung von Meeren und Ozeanen, selbst der Tiefsee aufmerksam macht. Große hat die Ausstellung entworfen, die noch bis zum 30. September zu sehen ist. (ch)
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