Hamburgs ältester Sportladen schließt

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Sport-Schuster: am 18. März ist Schluss. Walter Schuster jun. geht in den Ruhestand Foto: Hanke
 
So begann es: das Sporthaus Schuster 1934 an der Goßlerstraße Foto: Privat
Hamburg: Eppendorfer Landstraße 7 |

In Eppendorf gaben sich ich Weltmeister die Klinke in die Hand. Am 18. März schließt Sport Schuster

Von Christian Hanke
Eppendorf
„Alles muss raus“: Bei Sport Schuster, Eppendorfer Landstraße 7, kann man derzeit Schnäppchen erhaschen. Bis Sonnabend, 18. März. Dann schließt das älteste Hamburger Sportartikelgeschäft und eines der ältesten Eppendorfer Familienunternehmen. Inhaber Walter Schuster geht mit 64 Jahren in den Ruhestand. Ein Nachfolger hat sich nicht gefunden. Schusters Söhne haben andere Berufe gewählt. „Der Mietvertrag läuft aus. Der Vermieter möchte nur mit einer Laufzeit von mindestens fünf besser zehn Jahren verlängern. Solange möchte ich nicht mehr. Da haben meine Frau und ich entschieden: jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören“, erzählt Walter Schuster. Auch weil Schuster 2010 an Leukämie erkrankte. Er überwand die Krankheit, aber sie hat Spuren hinterlassen. „Ich lag ein halbes Jahr im UKE“, berichtet Schuster.

Seeler und Kargus waren Kunden

Eine Ära geht zu Ende, denn Sport Schuster war mehr als nur ein Laden für Turnschuhe, Trikots und Tennisschläger. Leistungssportler der verschiedensten Disziplinen gaben sich die Klinke in die Hand: Tennis- und Hockeyspieler der Hamburger Clubs, Boxer, Skifahrer. Sport Schuster war viele Jahre der Ausrüster für die Fußballer des Hamburger Sport Vereins. „Uwe Seeler bekam bei uns seine ersten Fußballschuhe. Rudi Kargus kaufte sich seine Torwarthandschuhe. Er ist ein guter Freund der Familie“, sagt Walter Schuster. Damals musste der HSV seine Profis noch selbst einkleiden.

Vor 83 Jahren gegründet

Gerade in den ersten Jahren war das „Sporthaus Schuster“ Anlaufpunkt für Leistungssportler. „Damals gab es noch keinen Freizeitsport wie heute. Sport war immer Wettbewerb, Leistung“, so Walter Schuster. Vor 83 Jahren gründete Walter Schuster sen., der Vater des heutigen Inhabers, das Sporthaus Schuster in der Goßlerstraße 34 (heute Eppendorfer Weg). Zwei Jahre später zog er zum heutigen Standort in der Eppendorfer Landstraße. Einer der ersten Sportstars, der im Sporthaus Schuster ein- und ausging, war Karl Hein, der Olympiasieger im Hammerwerfen von 1936. „Es gab eine große Verbindung zum Leistungssport“, berichtet Walter Schuster jr. 1961 erwarb sein Vater die benachbarte Ladenfläche. Sein Sohn, der 1987 die Nachfolge des Firmengründers antrat, erweiterte das Geschäft um eine weitere Ladenfläche.

„Wir sind Sportler“

Walter Schuster ist auch selbst dem Sport verbunden. Zehn-Kilometer-Morgenlauf, Schwimm-, Rad- und Lauftraining gehörten viele Jahre zu seinem Alltag. Er und seine Frau Sabine sind außerdem seit 40 Jahren Mitglied im HTHC, spielten Tennis und Hockey. Auch auf Skiern fühlt sich Walter Schuster zuhause. Der Höhepunkt: Zehn Jahre war Schuster Mitglied der deutschen Senioren-Triathlon-Nationalmannschaft. Für alle diese Aktivitäten hat Schuster eine schlichte Erklärung: „Wir sind Sportler“. Jetzt freut er sich auf seinen Ruhestand. „Es juckt mich, wenn ich Läufer an der Alster sehe, aber ich muss vernünftig sein“, sagt Schuster. Bei Spielen des HSV im Volksparkstadion und beim Tennisturnier am Rothenbaum wird man Walter Schuster aber weiterhin antreffen.
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